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WBG treibt Stadtumbau in Weißwasser voran

Auf der Görlitzer Straße wurde jetzt Richtfest gefeiert. Nicht nur dabei sind die Corona-Beschränkungen spürbar.

Routiniert und kraftvoll schlug OB Torsten Pötzsch anstelle der WBG-Chefin Petra Sczesny beim Richtfest am Dienstag den letzten Nagel ins Dachgebälk – unter dem fachmännischen Blick von Jens Pannasch (r.). Der Zimmererpolier von der Holzboden und Bed
Routiniert und kraftvoll schlug OB Torsten Pötzsch anstelle der WBG-Chefin Petra Sczesny beim Richtfest am Dienstag den letzten Nagel ins Dachgebälk – unter dem fachmännischen Blick von Jens Pannasch (r.). Der Zimmererpolier von der Holzboden und Bed © Joachim Rehle

Ein Maibaum statt einer Richtkrone schmückt seit Dienstag den Dachstuhl der Görlitzer Straße 12 bis 16 in Weißwasser. Unter dem zum Schutz vor Wind und Wetter halbseitig provisorisch abgedeckten Dach wurde Richtfest gefeiert – mit Abstand und im kleinen Rahmen, wie er unter Corona-Beschränkungen möglich ist.

Für 1,75 Millionen Euro, davon 600.000 Euro aus Fördertöpfen der KfW, lässt die WBG Wohnungsbaugesellschaft mbH Weißwasser dem Gebäude in den nächsten Monaten ein neues Antlitz geben. Ende des Jahres 2020 waren dazu die beiden oberen Etagen mit zwölf Wohnungen abgerissen worden. Der Zuschnitt der verbliebenen zehn Wohnungen wird verändert und den Wünschen nach modernem Wohnen angepasst. Im Dachgeschoss entstehen vier Wohneinheiten neu. Alle Wohnungen werden einen Balkon haben, die im Erdgeschoss werden über einen Laubengang barrierefrei zugänglich sein. Die Fertigstellung ist für Ende des Jahres vorgesehen.

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Stadthaus wurde vorgezogen

Doch zunächst sprach die Geschäftsführerin der WBG von Bauverzug. Dass sich daraufhin die Gesichter einiger Bauleute verfinsterten, nahm Petra Sczesny schmunzelnd zur Kenntnis, um sodann auf burschikose Art die Situation aufzuklären. Denn keine der bisher beteiligten Firmen hatte sich eine Verzögerung zuschulden kommenlassen. Dass die Baustelle erst jetzt so richtig am Laufen ist, hat damit zu tun, dass den Bewohnern des Blocks erst einmal adäquater Ersatz geboten werden musste, um Baufreiheit zu schaffen. Weil das nicht immer von jetzt auf gleich funktioniert, hatte man sich bei der WBG entschlossen, ein anderes Projekt – die Humboldtstraße 2 bis 6 – vorzuziehen. Zumal viele der für die Görlitzer Straße gebundenen Unternehmen ohnehin auch auf der Humboldtstraße arbeiten sollten. Dort war ein Wohnblock 2020 nach einem Teilabriss zu einem schicken Stadthaus mit zwölf Wohnungen komplett umgebaut geworden. Was zwar eine große Herausforderung gewesen sei, die sich aber gelohnt habe. Das würden nicht zuletzt die neuen Mieter des Stadthauses bestätigen.

Baustoffe als Mangelware

Einen ähnlichen Erfolg erhofft man sich nun in der Görlitzer Straße. Und selbstverständlich liege man voll im Plan, betonte die WBG-Chefin als Bauherrin. Wegen Corona sei man aber nicht nur beim Richtfest an Abstände und andere Vorgaben gebunden. Die Anforderungen an Baustellen hätten sich für alle Beteiligten geändert. Hygienekonzept und Handlungshilfen seien ein Teil davon. Die zuständige Berufsgenossenschaft habe bestätigt, dass alle diesbezüglichen Auflagen eingehalten werden.„Und dennoch lässt uns das fiese Virus nicht in Ruhe“, sagte Petra Sczesny. So habe die Pandemie zu einer Verknappung der Rohstoffe geführt, vor allem Bauholz werde zur Mangelware. Als Gründe dafür wurden bislang der Borkenkäfer in kanadischen Lärchenholzbeständen, der ausgeschiedene US-Präsident Trump, die Chinesen und ein festgefahrenes Containerschiff ausgemacht. Aber tatsächlich würden wohl einige Produzenten die durch die Corona-Pandemie weltweit angespannte wirtschaftliche Lage für ihre Preisspiele nutzen.

Zum 60-jährigen Bestehen des Wohnungsunternehmens hatte Petra Sczesny vor zwei Jahren betont, dass die Firmen mit denen man seit Langem vertrauensvoll zusammenarbeitet „Gold wert“ sind. Mittlerweile müsse sie sich dahingehend korrigieren, dass diese Bauhandwerker auch Gold verarbeiten. Alles in allem werden 17 Bauhandwerksfirmen an dem Vorhaben beteiligt sein. „Dass wir trotz der erschwerten Arbeitsbedingungen unter Corona alle Herausforderungen bis jetzt gemeinsam hingekriegt haben, darauf bin ich stolz und bedanke mich sehr“, sagte sie.

Die Sanierung der Görlitzer Straße 12 bis 16 ist das größte und aufwendigste Projekt der WBG 2021. Man hoffe, dass es trotz der erschwerten Bedingungen wie geplant fertiggestellt werden kann. Es entstehen sechs Zwei-Raum-, zwei Drei-Raum- sowie sechs Vier-Raum-Wohnungen mit einer Größe zwischen 52 und 90 Quadratmetern. Die Grundmiete beträgt je nach Größe zwischen 350 und 600 Euro. Für alle Wohnungen gebe es bereits Reservierungswünsche.

Nächste Vorhaben im Visier

Die WBG ist quasi schon geübt, was den Stadtumbau angeht. Und Richtfeste seien sozusagen eine neue Tradition. Dennoch war die WBG-Chefin froh, dass Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) an ihrer Stelle den symbolischen letzten Nagel ins Gebälk schlug. Ähnliche Projekte wie das auf der Görlitzer Straße – und zuvor auf der Humboldt- und der Teichstraße – seien auch für die nächsten Jahre geplant. „Wir werden unser Bestes geben, 2022 wieder ein Richtfest zu feiern“, versprach sie. Das zweite Stadthaus, also die Humboldtstraße 8 bis 12, ist aber 2023 dran. Dennoch gibt es dafür schon jetzt Bewerbungen und sogar Reservierungen. Das zeigt, dass die WBG mit ihren Ideen zum Stadtumbau den Nerv der Bürger in Weißwasser trifft.

Noch in diesem Jahr wird außerdem an anderer Stelle in der Stadt gebaut. So will die WBG das letzte der sechsgeschossigen Würfelhäuser am Freizeitpark 2 sanieren und dabei den langersehnten Fahrstuhl einbauen. In der Wolfgangstraße 32 bis 38 in Weißwasser soll zum Ende 2021 der Rückbau von 21 Wohnungen und die Errichtung einer neuen Dachkonstruktion beginnen. Runde 1,5 Millionen Euro will das kommunale Wohnungsunternehmen in das Herrichten von Wohnungen und Gewerbeeinheiten zur Neuvermietung und den Fahrstuhleinbau stecken, etwa von vier Aufzügen in der Hanns-Eisler-Straße.

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