SZ + Weißwasser
Merken

Wie die Waldeisenbahn Bad Muskau durch die Krise kam

Mit 30.000 Fahrgästen in diesem Jahr sieht man Licht am Ende des Tunnels.

Von Constanze Knappe
 6 Min.
Teilen
Folgen
Dicht umringt war die Fahrzeugparade zum 125-jährigen Bestehen der Waldeisenbahn Muskau 2020.
Dicht umringt war die Fahrzeugparade zum 125-jährigen Bestehen der Waldeisenbahn Muskau 2020. © Rolf Ullmann

Die Infrastruktur ist das größte Sorgenkind, um die Waldeisenbahn Muskau (WEM) für die Zukunft zu ertüchtigen. Das erklärte jetzt Geschäftsführer Heiko Lichnok im Stadtrat Weißwasser. Einmal jährlich erstatten Unternehmen mit städtischer Beteiligung Bericht. An der Betreibergesellschaft der touristisch genutzten, historischen Schmalspurbahn hält Weißwasser mit 23,64 Prozent die meisten Anteile nach dem Landkreis (25,68 Prozent).

Die Bahnhöfe in Weißwasser und Kromlau sind saniert. Und im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen im Badepark Bad Muskau habe der Freistaat im dortigen Bahnhof die Gleisanlagen erneuert. Abgesehen davon müssten jedoch auf 16 Kilometern die Gleisanlagen saniert, dabei 14 Stationen und fast 50 Bahnübergänge überholt werden, so Heiko Lichnok. Vor allem die drei Bahnübergänge mit hohem Gefährdungspotenzial auf der Teichstraße in Weißwasser sowie an den Straßen nach Halbendorf und nach Trebendorf müssten technisch gesichert werden. Dort würden derzeit Posten stehen, was aber schon lange nicht mehr zeitgemäß sei.

Neubau für mehr Service geplant

Um den Service in Weißwasser zu verbessern, soll auf einem verwilderten Gelände, welches an den Bahnhof grenzt ein Neubau entstehen – im Ambiente eines Lokschuppens. „Aus all dem erhoffen wir uns die Verlängerung der Saison“, sagte Heiko Lichnok. Diese dauert 90 bis 100 Tage im Jahr auf der 1992 in Betrieb genommenen Strecke nach Kromlau und der seit 1995 befahrenen Strecke nach Bad Muskau. Hinzu kommen die seit 2017 angebotene Sonderfahrten auf der Tonbahn zum Schweren Berg an 10 bis 15 Tagen im Jahr.Umgesetzt werden sollen die Vorhaben in den nächsten acht Jahren. Man habe den Zeitraum gestreckt, weil es schwer werde, für die 7,6 Millionen Euro Förderung aus dem Kohleausstiegstopf die Eigenmittel aufzubringen und, weil für die Baumaßnahmen nur ein geringes Zeitfenster jeweils im Frühjahr und im Herbst zur Verfügung steht, um den Betrieb der Waldeisenbahn nicht einschränken zu müssen.

Bewilligt wurden die Fördermittel vom ersten Regionalen Begleitausschuss Lausitz im Sommer dieses Jahres. „Wir können uns glücklich schätzen, dass das gelungen ist. Jetzt hätten wir wohl keine Chance mehr, dieses Projekt durchzubringen“, erklärte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Die Waldeisenbahn sei trotz aller Probleme sehr erfolgreich, weil die Betreibergesellschaft und der ehrenamtliche Verein sehr eng zusammenarbeiten.

Durch Corona hohe Einbußen

Während der Corona-Pandemie gab es für die WEM lange Zeit keine Perspektive. „Wir haben uns von Verordnung zu Verordnung gehangelt“, berichtete Heiko Lichnok im Weißwasser. Im Vorjahr konnte der Fahrbetrieb erst ab 15. Mai wieder schrittweise aufgenommen werden, 2021 war er bis Juni komplett untersagt. Damit stehen Einbußen von 60.000 Euro für 2020 und 80.000 Euro in diesem Jahr zu Buche. Als öffentliches Unternehmen habe die Waldeisenbahn keinen Anspruch auf Überbrückungshilfen des Bundes. Durch Anpassung der Fahrpreise, aber vor allem durch massive Einsparungen habe die Insolvenz abgewendet werden können. Durch das Nichtbesetzen von Stellen sei man auf ein Minimum geschrumpft. Oder wie es der WEM-Chef im Stadtrat formulierte: „Wir sind ausgehungert.“ Trotzdem schaue man optimistisch in die Zukunft. Es sei trotz allem Stück für Stück gelungen, 2021 die Zahl von 30.000 Fahrgästen zu erreichen.

Als touristische Attraktion wichtig

Wenige Tage, bevor sich die Stadträte in Weißwasser über die Lage der WEM informieren ließen, war dies schon Thema im Stadtrat von Bad Muskau. Mit 6,20 Prozent ist die Pückler-Stadt an der WEM beteiligt, das Interesse für deren weiteres Schicksal ist aber auch dort sehr groß. „Man hört regelmäßig das Pfeifen der Züge. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass es die Waldeisenbahn Muskau noch gibt und sie weiter unter Volldampf steht“, erklärte Sigmar Nagorka (CDU). Dennoch war nicht alles, was er und seine Ratskollegen erfuhren, positiv – zumal zwischen der letzten und aktuellen Berichterstattung die zwei von Corona geprägten Geschäftsjahre liegen.

„Wir sehen und wertschätzen die großen Anstrengungen und Leistungen der WEM-Mitarbeiter und wissen, dass wir die Bahn als touristische Attraktion in der Region brauchen. Das steht außer Frage“, betonte Nagorka. Seiner Meinung nach werde die im Badepark des Weltererbeparkes befindliche Haltestelle in Richtung Weißwasser nicht gut genutzt. Auch interessierte ihn, ob es Erweiterungspläne für die Bahn gibt. Letzteres verneinte Heiko Lichnok. Das Ziel sei, Vorhandenes zu erhalten und zu verbessern. Beispielsweise solle das dritte Gleis am Bahnhof Teichstraße in Weißwasser, welches derzeit außerhalb des Bahngeländes liegt, in das Gelände integriert werden. Damit hätten auch Fahrgäste kürzere und sicherere Wege. Geplant sei ebenfalls ein Gleisdreieck bei Kromlau in Richtung Schwerer Berg Weißasser, um perspektivisch für die Tonbahn einen Regelbetrieb einrichten zu können.

Bezüglich der Fahrgastzahlen ab Bad Muskau führte Lichnok aus, dass sie gestiegen seien, was auf das Park-zu-Park-Ticket zurückzuführen sei, mit dem der Muskauer und Kromlauer Park zum Sonderpreis erlebbar würden. Als Mitarbeiter der Tourist-Info von Bad Muskau und Betreuer des Wohnmobil-Stellplatzes wird Erik Schobner (CDU) beinahe täglich von Touristen gefragt, weshalb die WEM nach dem Corona-Lockdown die Saison 2021 nicht verlängert habe. Dies begründete Lichnok mit dem Personalproblem, insbesondere bei Lokführern und Zugpersonal. Es sei aber ein langfristiges Ziel, die Fahrsaison und Fahrtage zu verlängern. Das hatte er auch schon in Weißwasser erklärt.

Personalfrage bleibt Problem

Die Frage, ob es in Kooperation mit der Pückler-Stiftung Vorstellungen für mehr Attraktivität des Muskauer Bahnhofs gäbe, beschäftigte Heidi Knoop (Linke). „Wir sind mit der Stiftung im Gespräch. So wird es im sanierten Badepavillon ein öffentliches WC geben. Versorgung und Catering sollen in der Wandelhalle möglich werden“, erklärte der WEM-Chef. Als Gesellschaft sei man jedoch personell und finanziell nicht in der Lage, neben Weißwasser einen weiteren Bahnhof dieser Art zu betreiben.

Die vielen Schwierigkeiten veranlassten René Marko (Wir für Bad Muskau) zur Anfrage, ob für die WEM wirtschaftliche Gefahr bestehe. Aktuell, so Heiko Lichnok, könne er „ein finanzielles Risiko ausschließen“. Generell sei jedoch Personal ein Problem, da nicht nur jeder Beschäftigte bezahlt, sondern viele unterschiedliche Aufgaben erfüllen müsse. Daher seien Mitarbeiter auf dem freien Markt kaum zu finden. „Wir müssen uns unser Personal gezielt heranziehen, quasi selbst backen.“

Aktuell sind bei der Waldeisenbahn acht feste Mitarbeiter, zwei ganzjährige und vier saisonale Kräfte beschäftigt. Gesellschafter sind der Landkreis, Weißwasser, Bad Muskau, Krauschwitz, Gablenz, der Waldeisenbahn-Verein und Privatleute.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.