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Dresden

Wenn Molly das letzte Wort behält

Winnie Böwe spielt an der Staatsoperette Dresden. Von ihrem Vater Kurt hat die Schauspielerin Wichtiges gelernt. 

In Dresden war Winnie Böwe mal zu Hause. Bis heute liebt sie die Stadt sehr. © Sven Ellger

Wie ein Wurm wird das Lied in Gehör und Gehirn der Gäste kriechen. Dessen ist sich Winnie Böwe sicher. „Speak low“ aus Kurt Weills bekanntestem Broadway-Musical „Ein Hauch von Venus“. „Es ist wunderschön“, sagt die Schauspielerin, die an der Staatsoperette Dresden zwar nicht als Venus, dafür aber in einer Rolle zu erleben sein wird, die das Publikum liebt: Molly Grant, Sekretärin des machohaften Millionärs und Kunstsammlers Whitelow.

Der scheidende Intendant Wolfgang Schaller hatte die Schauspielerin und Sängerin Winnie Böwe an der Staatsoper Hannover gesehen und für die neue Inszenierung engagiert. In Dresden gehörte sie einst fest zum Ensemble des Staatsschauspiels. Doch nur kurz. „Ich hatte das Angebot, mit einer Produktion zu touren“, erzählt die Tochter des bekannten Schauspielers Kurt Böwe. Die Möglichkeit, in diesem Zuge für Aufnahmen in den Londoner Abby Road Studios zu arbeiten, war zu verlockend. So gab sie 2000 ihren Vertrag in Dresden auf und besiegelte damit auch den Start in die Selbstständigkeit. Just im gleichen Jahr, in dem Kurt Böwe starb. „Doch diese Dinge hatten nichts miteinander zu tun“, sagt die 45-Jährige.

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Andere schon. „Mein Vater hat mir mitgegeben, dass es auf der Bühne oder vor der Kamera nicht immer auf die ausgefeilte Technik des Schauspielers ankommt“, sagt Winnie Böwe. Viel mehr sei das Gespür der Schlüssel, die Gabe, sich einer Rolle innerlich zu nähern. „Er war ohnehin ein Bauchmensch und deshalb sehr wahrhaftig. Und ein besonderes Talent habe sie von ihm geerbt, erzählt die Schauspielerin: „Genau wie er kann ich gut Dialekte und Akzente nachahmen. Überhaupt Leute nachzumachen, liegt mir wie ihm.“ So konnte der Beruf Böwes Tochter an der Bühne nicht vorbeiführen. Zunächst studierte sie an der Schauspielschule „Ernst Busch“. Gesungen hatte sie schon als Schülerin und im Rundfunkkinderchor Berlin. „Ich nehme bis heute Gesangsunterricht“, sagt sie. Auch für Hörspielaufnahmen stand sie bereits als Mädchen vor dem Mikrofon. „Meine Mutter war Hörspieldramaturgin, und wenn ein Kind ausfiel, sprang ich ein.“ Die Liste der Theater-, Opern- und Filmrollen ist lang. Auch für mehr als ein Dutzend Hörspiele und Features hat Winnie Böwe gesprochen. Das geht nur ohne Kind, könnte man meinen.

„Als meine ältere Tochter gerade neun Wochen alt war, hatte ich gerade die Aufnahmen in den Abby Road Studios“, erinnert sie sich. Das sind übrigens die, vor denen heute noch die legendären Zebrastreifen zu finden sind, auf denen die Beatles einst für das Album „Abby Road“ posierten. Wenn ihr Beruf es verlangte, war stets die Familie da und half. „Ich konnte mich immer auf sie verlassen.“ Inzwischen sind Winnie Böwes Töchter elf und 17 Jahre alt und schicken sich an, Sinn für Schauspielerei und Gesang zu haben. „Aber da will ich nicht vorgreifen“, sagt sie.

Ein Vorgriff in Sachen Engagement an der Staatsoperette sei erlaubt. „Die Molly Grant ist eine sehr couragierte Frau, um keine Antwort verlegen, und sie geht nie, ohne das letzte Wort zu behalten, von der Bühne“, erzählt Winnie Böwe. Das Publikum werde viel zu lachen haben, so viel kann sie versprechen. Und hier und da berührt Kurt Weills Musical die Seelen der Zuschauer. Nicht nur, wenn Venus singt: „Sprich leise, wenn du Liebe sagst.“

„Ein Hauch von Venus“, Premiere an der Staatsoperette Dresden am 22. Juni, 19.30 Uhr; weitere Vorstellungen am 23. Juni, 15 Uhr, und am 25. Juni, 19.30 Uhr. Tickets unter  32042222 und www.staatsoperette.de