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Drei Tornados und Dutzende Verletze nach schweren Unwettern

Blitz, Donner, Hagel, Starkregen, Tornados: Die heftigen Unwetter am Freitag trafen vor allem die westfälische Stadt Paderborn. In Sachsen hielten sich die Schäden in Grenzen.

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Der Tornado hat in Paderborn unter anderem zwei Lastwagen umgekippt.
Der Tornado hat in Paderborn unter anderem zwei Lastwagen umgekippt. © Lino Mirgeler/dpa

Mit schwersten Schäden und mindestens drei Tornados im Osten Nordrhein-Westfalens sind massive Unwetter über Deutschland hinweggezogen. Am stärksten betroffen vom Sturmtief "Emmelinde" war am Freitag die Stadt Paderborn, in der nach Angaben der Polizei 43 Menschen verletzt wurden. Sie wurden unter anderem von Dachziegeln getroffen und durch umstürzende Bäume verletzt - davon 13 Personen schwer. Eine Frau schwebte am Samstag zunächst noch in Lebensgefahr.

In Mittelfranken stürzte eine Holzhütte ein, gut ein Dutzend Menschen wurde verletzt. Orkanartige Böen gab es auch in anderen Teilen Deutschlands. In Leipzig unterbrach die Rockband Rammstein ihr Open-Air-Konzert mit 40.000 Zuschauern. Nach 15 Minuten durften die Fans zurück in den Innenbereich - und verfolgten die Show teils klatschnass weiter.

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Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) traten im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen Tornados in Paderborn, Lippstadt und in Lütmarsen, einem Ortsteil der ostwestfälischen Stadt Höxter, auf. Diese drei bestätigten Tornados hätten sich in Zusammenhang mit besonders kräftigen Gewittern gebildet, erläuterte ein DWD-Sprecher. Es habe noch weitere Tornado-Verdachtsmeldungen für Ratingen bei Düsseldorf und aus dem Sauerland gegeben, die aber noch geprüft werden müssten.

Tornado zog über 5 Kilomater lange Schneise

Im besonders betroffenen Paderborn standen nach Angaben der Polizei umfangreiche Aufräumarbeiten an. Auch das Hauptdienstgebäude der Polizei in Paderborn wurde schwer beschädigt. Bürgermeister Michael Dreier (CDU) sagte am Samstag, im Herzen der Stadt, wo der neue zentrale Busbahnhof entstehe, seien Ampeln wie Streichhölzer umgeknickt. Leitplanken seien wie Papierschnipsel durch die Luft geflogen. Aufgewirbelte Dachziegel hätten sich in die Fassaden benachbarter Häuser "gefressen".

Zerstörte Autos stehen auf einer Straße in Paderborn.
Zerstörte Autos stehen auf einer Straße in Paderborn. © Friso Gentsch/dpa

Der Tornado verursachte nach Angaben der Behörden in einem Korridor, der ungefähr 300 Meter breit war und sich über fünf Kilometer Länge mitten durch die Stadt zog, große Zerstörungen. Der Polizeidirektor von Paderborn, Ulrich Ettler, lobte die Hilfsbereitschaft vieler Bürger, beklagte aber auch die Schaulust mancher Menschen: "Es gab leider auch einige Bürger, die so dreist waren, Absperrbänder zu missachten und die Arbeit der Rettungskräfte zu behindern."

7.500 Einsatzkräfte in NRW im Einsatz

In Lippstadt gab es bei dem schweren Unwetter nach Informationen der Polizeibehörden des Kreises Soest wohl keine Verletzten. In der Innenstadt blieben Bereiche aber zunächst sicherheitshalber abgesperrt. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte: "Das Ausmaß der Zerstörung, das die Tornados in Lippstadt und Paderborn hinterlassen haben, macht mich traurig."

Nach seinen Angaben rückten landesweit mehr als 7.500 Einsatzkräfte aus, um Menschen zu retten oder aus einer Notlage zu befreien und um Schäden zu beseitigen. Ein Polizist wurde verletzt, als er mit Kollegen zwei Menschen aus einem eingeklemmten Fahrzeug retten wollte.

Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) wollte sich laut Düsseldorfer Staatskanzlei am Samstagnachmittag in Lippstadt und Paderborn persönlich ein Bild von den Zerstörungen machen. Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker erklärte am Samstag: "Über das Ausmaß des schweren Unwetters am gestrigen Nachmittag und Abend, das neben der Kernstadt von Paderborn viele weitere Gebiete im Erzbistum betraf, bin ich tief bestürzt."

Beim Einsturz einer Holzhütte in Mittelfranken sind 14 Menschen verletzt worden, darunter mehrere Kinder. Eine 37 Jahre alte Frau wurde mit schwersten Verletzungen in eine Klinik geflogen.
Beim Einsturz einer Holzhütte in Mittelfranken sind 14 Menschen verletzt worden, darunter mehrere Kinder. Eine 37 Jahre alte Frau wurde mit schwersten Verletzungen in eine Klinik geflogen. © Haubner/vifogra/dpa

In Bayern wurden 14 Menschen, darunter auch mehrere Kinder, beim Einsturz einer Holzhütte in Spalt nahe dem Großen Brombachsee verletzt. Eine 37-Jährige wurde schwer verletzt in eine Klinik gebracht, ein Kind mit einem Hubschrauber ebenfalls ins Krankenhaus geflogen. Der Polizeisprecherin zufolge hatten angesichts des Unwetters offenbar mehrere Urlauber in der rund 105 Quadratmeter großen Hütte Schutz gesucht. Aus ungeklärter Ursache sei diese dann zur Seite gekippt und in sich zusammengefallen.

Tief "Emmelinde" verschont Sachsen weitgehend

In Sachsen hat sich das Tief "Emmelinde" indes weniger dramatisch ausgewirkt als befürchtet. Zwar wurde die Unwetter-Grenze laut den Messungen des Deutschen Wetterdienstes an einigen Orten überschritten. Feuerwehr und Polizei mussten nach Angaben des Innenministeriums jedoch nur wegen umgeknickter Bäume ausrücken.

Insgesamt fiel der Niederschlag jedoch recht moderat aus. Zu Spitzenzeiten registrierte der DWD 18,9 Liter pro Quadratmeter und Stunde in Sohland in der Oberlausitz. Bei kräftigen Sommergewittern sind nach Angaben des Meteorologen bis zu 40 oder 50 Liter in der Stunde normal. "Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es zeitweise stärker geregnet hat - allerdings sind unsere Messungen auch nur Stichproben", sagte der Experte.

Am Dach des Meißner Stadtmuseums hat der Sturm einige Schäden angerichtet.
Am Dach des Meißner Stadtmuseums hat der Sturm einige Schäden angerichtet. © Claudia Hübschmann

Bei der Windgeschwindigkeit stach Oschatz (Landkreis Nordsachsen) in den Messungen des Wetterdienstes hervor. Mit 113 Stundenkilometern waren hier orkanartige Böen unterwegs. Von Tornados blieb Sachsen dagegen verschont - ein kleinerer Tornado sei auf der Brandenburger Seite der Landesgrenze geblieben und an Sachsen vorbeigeschrammt, sagte der DWD-Sprecher.

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Am Samstag sind die Temperaturen deutlich kühler als an den Vortagen und klettern nicht über 21 Grad Celsius. Wolkenfelder verdrängen die Sonne, es werden gebietsweise Schauer erwartet. Freundlicher soll das Wetter dann wieder am Sonntag werden. Mit Höchsttemperaturen bis zu 23 Grad Celsius wird es etwas wärmer, auch die Sonne zeigt sich wieder häufiger. (dpa)

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