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Flut: THW Döbeln "rettet" Bundeswehr

Am Freitag verlassen die Döbelner das Krisengebiet. Kurz zuvor starteten sie noch eine Befreiungsaktion. Sächsische.de begleitet die Helfer beim Einsatz.

Kurz vor Einsatzende "retteten" die Döbelner ein Fahrzeug der Bundeswehr, dass im Schlamm feststeckte. Foto: privat
Kurz vor Einsatzende "retteten" die Döbelner ein Fahrzeug der Bundeswehr, dass im Schlamm feststeckte. Foto: privat © privat

Döbeln/Ahrweiler. Mehrere Helfer aus Mittelsachsen hatten sich am Sonntagnachmittag auf den Weg nach Rheinland-Pfalz gemacht. Dort helfen sie im schwer getroffenen Krisengebiet in und um Ahrweiler. Sächsische.de berichtet über ihren Einsatz in der Gemeinde Schuld.

Freitag: Die letzten Baustellen für die Döbelner

Schlimme Entdeckungen sind den Döbelner Helfern des THW am Donnerstag erspart geblieben, als sie den Weg zu einem Landwirtschaftsbetrieb und dem dortigen Kuhstall mit Pionieren der Bundeswehr freilegten. Befürchtet wurde, dass sich noch vermisste Personen in den im Schlamm feststeckenden Autos befinden. "Das war zum Glück nicht so", kann Christian Winkler aufatmen.

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Trotzdem erlebten die Döbelner Helfer noch eine böse Überraschung. Der Radlader war defekt, hätte aus eigener Kraft nicht repariert werden können. "Aber uns half das THW Saarwellingen mit einem Schweißbrenner. Wir haben improvisiert und den Radlader notdürftig instandgesetzt", so Winkler.

Die Zufahrt zu einem Landwirtschaftsbetrieb muss teilweise neu geschaffen werden. Foto: THW Döbeln
Die Zufahrt zu einem Landwirtschaftsbetrieb muss teilweise neu geschaffen werden. Foto: THW Döbeln © privat
Die Wassermassen haben dieses Haus in Schuld unbewohnbar gemacht. Foto: THW Döbeln
Die Wassermassen haben dieses Haus in Schuld unbewohnbar gemacht. Foto: THW Döbeln © privat
Auch eine reichliche Woche nach der verheerenden Flut ist kein Ende der Aufräumarbeiten in Sicht. Foto: THW Döbeln
Auch eine reichliche Woche nach der verheerenden Flut ist kein Ende der Aufräumarbeiten in Sicht. Foto: THW Döbeln © privat

Auf zwei Baustellen sind die Döbelner Helfer heute noch im Einsatz. Mit dem Radlader arbeiten sie weiter an der Zuwegung. Diese kann zum Teil auf noch intaktem Asphaltbelag hergestellt werden, muss auf anderen Flächen aber auf angeschwemmtem Material neu angelegt werden.

"Außerdem gilt es, Steine und Geröll beiseite zu räumen, damit Spezialtechnik anrollen kann, um den Kanal zu spülen. Abwasser- und Trinkwasserleitungen müssen wieder hergestellt werden", so Christian Winkler.

Kurz vor Einsatzende retteten die Döbelner noch ein Fahrzeug der Bundeswehr-Pioniere. Das hatte sich im Schlamm festgefahren.

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Mit dem Kipper sind die anderen Döbelner weiter im Ortskern von Schuld mit dem Aufräumen beschäftigt.

Mittags ist für die Döbelner Manuel Witschaß, Michael Gromer, Maik Müller und Christian Winkler erst einmal Schluss. "Wir treten die Heimreise an", so Winkler. Kein THW-Helfer solle physisch und psychisch überfordert werden. Deshalb sei eine Woche Pause für diejenigen, die jetzt im Einsatz waren. "Möglicherweise werden wir wieder angefordert", so der Döbelner Ortsbeauftragte.

Den Austausch der Kräfte organisieren die jeweiligen THW-Landesverbände.

Donnerstag: "Schlimmstenfalls finden wir Tote"

Mit einem mulmigen Gefühl haben die THW-Helfer aus Döbeln ihren Einsatz am Donnerstagmorgen begonnen. Wie Ortsbeauftragter Christian Winkler erklärt, rechnen sie mit dem Schlimmsten. "Möglicherweise stoßen wir heute auf leblose Körper", sagt er Sächsische.de am Vormittag am Telefon.

Die Aufgabe der Döbelner: Zusammen mit Pionieren der Bundeswehr beräumen sie eine Zufahrt zu einem Landwirtschaftsbetrieb in einem Ortsteil der Gemeinde Schuld. "Wir wissen schon, dass bereits Autodächer im Schlamm entdeckt worden sind. Möglicherweise haben sich Personen nicht aus den Autos retten können."

Doch das ist bisher nur eine Vermutung. "Wir sind froh, dass uns bisher eine solche Extremsituation erspart geblieben ist", sagt Winkler.

Doch auch das bisher Erlebte muss verkraftet werden. "Wir sitzen abends noch zusammen und reden drüber", so der Döbelner. "Solange wir in Bewegung sind, funktionieren wir. Doch sobald Ruhe eingekehrt, ist das anders. Es ist ein Wahnsinn, dass eine Woche nach der Flutkatastrophe immer noch alles einem einzigen großen Trümmerfeld gleicht", so der Döbelner.

Obwohl die vielen Helfer, unter ihnen die Döbelner, schon viel beräumt haben: Schuld gleicht immer noch einem Trümmerfeld. Foto: THW Döbeln
Obwohl die vielen Helfer, unter ihnen die Döbelner, schon viel beräumt haben: Schuld gleicht immer noch einem Trümmerfeld. Foto: THW Döbeln © THW Döbeln

Immer noch gebe es nicht beräumte Häuser und Grundstücke voller Müll und Schlamm. "Die sind zwar mit Hunden abgesucht worden, sodass wohl keine Menschen verschüttet sind. Aber sicher sein, kann man sich nicht."

Nach dem Beräumen des Mühlenwegs in Schuld haben die Döbelner am Mittwoch im Ortskern geholfen, Nebengebäude und Schuppen abzureißen und aus dem Saal eines Gasthofs den Holzfußboden herausgerissen. "Unglaublich, welche Mengen an Schutt da zusammenkommen", berichtet der Döbelner THW-Ortschef.

Mittwoch: Kampf gegen Geröll und Schlamm

"Einen ganzen Straßenzug haben wir schon von Geröll und Schlamm befreit. Heute geht es weiter", so Christian Winkler am Mittwochmorgen gegenüber Sächsische.de. Vor den Grundstücken seien große Berge aufgetürmt: Müll und Schlamm und alles, was die Flut unbrauchbar gemacht hat.

Jetzt komme es darauf an, alles schnell zu den Sammelplätzen zu bringen. "Auch der noch feuchte Schlamm muss rasch weg. Wenn er trocknet, wird er hart wie Beton", weiß der Döbelner Ortsbeauftragte aus Erfahrung. Es sei also Eile geboten. Während er berichtet, bespricht er mit den anderen Helfern das weitere Vorgehen.

In dem Straßenzug, in dem die Döbelner eingesetzt sind, stünden Häuser, die scheinbar noch in Ordnung sind. "Doch der Eindruck täuscht. Statiker prüfen die Standsicherheit, viele Gebäude müssen abgerissen werden", erzählt Winkler. Einige Einwohner hätten den Helfern schon gesagt, dass "sie aus Wassernähe wegziehen wollen".

Die Bevölkerung nehme die Hilfe dankend an. "Aber einige haben sich auch beklagt, dass wir nicht eher gekommen sind", so der Döbelner THW-Chef. Er und seine Mitstreiter hätten den Menschen aber erklärt, dass sie schon nach Bekanntwerden der Katastrophe einsatzbereit gewesen seien. Doch es sei unsinnig gewesen, einfach drauflos zu fahren.

Im Bereitstellungsraum am Nürburgring befänden sich indes "unglaublich viele Einsatzkräfte" mit Technik verschiedener Hilfsorganisationen. "Diese zu koordinieren, ist keine leichte Aufgabe", so Christian Winkler.

Am Dienstag beräumten die Döbelner einen Straßenzug von Geröll und Schlamm.
Am Dienstag beräumten die Döbelner einen Straßenzug von Geröll und Schlamm. © THW Döbeln/Christian Winkler
Ein Blick auf den beinahe komplett zerstörten Ort Schuld.
Ein Blick auf den beinahe komplett zerstörten Ort Schuld. © THW Döbeln/Christian Winkler
Aus Döbeln helfen zunächst bis Samstag Manuel Witschaß, Michael Gromer und Maik Müller und Ortsbeauftragter Christian Winkler.
Aus Döbeln helfen zunächst bis Samstag Manuel Witschaß, Michael Gromer und Maik Müller und Ortsbeauftragter Christian Winkler. © THW Döbeln/Christian Winkler
Die Wassermassen der Ahr hatten den Ort beinahe komplett zerstört, Menschen verloren ihr Leben in den reißenden Fluten.
Die Wassermassen der Ahr hatten den Ort beinahe komplett zerstört, Menschen verloren ihr Leben in den reißenden Fluten. © THW Döbeln/Christian Winkler

Dienstag: Döbelner beräumen Straße in Schuld

Während die Freiberger Helfer bereits am Montag mit ihrem Kipper Transportdienste übernahmen, wurden die Döbelner Ehrenamtlichen des THW zunächst noch nicht eingesetzt.

Erst am Dienstagmorgen sind sie zum Einsatz gekommen. Sie helfen nun in dem schwer zerstörten Ort Schuld. Dort unterstützen sie mit ihrem Radlader und dem Kipper bei der Beräumung von Schutt und Müll, wie Christian Winkler, Ortsbeauftragter des THW Döbeln, mitteilt.

"Das Ausmaß der Zerstörung kann man etwa mit dem in Weesenstein 2002 vergleichen. Es ist unglaublich, mit welcher Gewalt und wie großflächig die Wassermassen alles zerstört haben", sagt Christian Winkler, während er mit dem Radlader die Müllberge bewegt. Auf acht Meter sei der Pegel der Ahr während der Flut gestiegen. "Würden wir zwei Radlader aufeinander stellen, wären diese noch unter Wasser", verdeutlicht er.

Die Gemeinde Schuld sei zwar häufig in den Medien. "Aber viele Orte an der Ahr hat es gleichermaßen schwer erwischt."

Montag: Nachts mit schwerer Technik angekommen

„Gegen drei Uhr haben wir heute den Bereitstellungsraum am Nürburgring erreicht", teilt Christian Winkler, der Döbelner Ortsbeauftragte des THW, mit. Danach hätten sich die Helfer eine kurze Ruhepause gegönnt. "Seit 6 Uhr warten wir jetzt mit weiteren THW-Kräften aus ganz Deutschland auf unseren konkreten Einsatzauftrag und Einsatzort", so Christian Winkler.

In dem sogenannten Bereitstellungsraum sammeln sich ebenfalls die eintreffenden Einsatzkräfte und Fahrzeuge der Sanitätsdienste sowie geeignete Fahrzeuge privater Unternehmen.

Sonntag: Abfahrt mit Blaulicht und Martinshorn

Am Sonntagnachmittag sind die Helfer an der Döbelner Friedrichstraße gestartet. Mitgenommen haben sie und die Freiberger schwere Technik, die beim Beräumen helfen soll. Auch Feldbetten und Rucksäcke haben die Helfer im Gepäck. „Wir nehmen an, dass wir in einer Halle untergebracht werden. Mit der Ausrüstung sind wir aber erst einmal autark“, so Winkler.

Das THW rückt aus: Manuel Witschaß und Ulbricht Christian Winkler bereiten sich auf die Abfahrt vor, Bork Ulbricht (Mitte) hilft beim Packen. Foto: Lars Halbauer
Das THW rückt aus: Manuel Witschaß und Ulbricht Christian Winkler bereiten sich auf die Abfahrt vor, Bork Ulbricht (Mitte) hilft beim Packen. Foto: Lars Halbauer © Lars Halbauer

Die Mannschaft fahre mit einem erwartungsvollen Gefühl los. "Wir wissen nicht, was uns erwartet. Natürlich haben wir noch die Bilder vom zerstörten Döbeln vor Augen. Aber wir denken, es wird schlimmer“, so Ortsbeauftragter Winkler.

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Die Johanniter und das DRK Döbeln-Hainichen helfen in Remagen. Weitere Mitstreiter fahren am Donnerstag in die Region.

Zunächst sind aus Döbeln Manuel Witschaß, Michael Gromer und Maik Müller mit Christian Winkler bis Samstag vor Ort. Weitere Helfer könnten nachrücken.

"Jungs, kommt gesund zurück!", gab eine Kommentatorin den Döbelnern via Facebook mit auf den Weg.

Dieser Beitrag wurde zuletzt am 23. Juli um 11.44 Uhr aktualisiert.

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