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Wo ist Deutschlands kürzester Tag am kürzesten?

Wintersonnenwende: Das Licht im Land ist unfair verteilt. Und auch die Uhren ticken überall anders.

Von Stephan Schön
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Kurze Tage und viel Nebel. Hier wabert der Dunst durch ein Tal bei Großolbersdorf.
Kurze Tage und viel Nebel. Hier wabert der Dunst durch ein Tal bei Großolbersdorf. © Sebastian Kahnert/dpa

Heute ist der Tag der Finsternis. Oder eben der des schönen langen Abends. Je nachdem, wie man es sehen mag. Dieser Montag ist ein Tag der Hoffnung auf mehr Licht. Der Tag, nach dem die Tage wieder länger werden. Der Tag, ab dem Sommerabende wieder näherkommen, ohne dass der Winter überhaupt schon begonnen hätte. Denn mit der Wintersonnenwende fängt dieser ja erst an.

Die Wintersonnenwende kann ja jeder für sich selbst deuten und bewerten. Doch ob freiwillig oder nicht, sie ist emotional prägender als die meisten anderen kalendarischen-jahreszeitlichen Höhepunkte. Es wird halt nach der Dunkelheit wieder mehr Licht. Eine Ur-Sehnsucht in uns und evolutionär bedingt. Sie ist in Jahrmillionen entstanden.

Doch das Licht ist unfair, nicht überall gleich verteilt in Deutschland. Wenn ganz im Süden an diesem Montag in Berchtesgaden die Sonne schon 7.53 Uhr über dem Horizont steht, muss List auf Sylt noch knapp eine Stunde warten. Der Sonnentag dort endet zudem 18 Minuten eher. Dunkle Zeiten sind dies im Norden. Eine Stunde und 17 Minuten mehr Licht bekommt der Süden damit, hat das Leipziger Leibniz-Institut für Länderkunde für Deutschlands Sonnenlicht-Unterschied ausgerechnet.

Dresden erlebt seinen Montag-Sonnenaufgang um 8.05 Uhr. Um 16.00 Uhr ist es dann vorbei mit der Sonne, wenn sie denn überhaupt durch Nebel und Wolken durchkommt. 7 Stunden, 54 Minuten und 18 Sekunden Licht sind es exakt – theoretisch zumindest. Zwei Minuten weniger als am Sonntag noch. Silvester sind es dagegen schon sechs Minuten mehr laut „timeanddate.com“, einer weltweit führenden Website zum Tageslicht.

Die um 23,5 Grad geneigte Erdachse trägt an dieser Ungleichbehandlung die Schuld. Doch was heißt hier Schuld, ohne diese Achsverschiebung gäbe es keine Jahreszeiten. Ohne Jahreszeiten wahrscheinlich auch kein Leben auf der Erde, wie wir es kennen, wenn überhaupt.

Es wird Licht

Heute am Montag 11.02 Uhr ist es so weit, der Sommer kommt wieder. Dann haben wir den Winterpunkt durchschritten. Doch der Kalendarische Winter beginnt erst. Die Meteorologen haben ihren Winter indes schon seit dem 1. Dezember. Sie brauchen die Statistik glatt. Volle Monate rechnen sich halt besser mit den riesigen Datenmengen. Doch außer Statistik pur haben die Meteorologen durchaus noch andere Gründe für ihre Winter-Zeitrechnung ab 1. Dezember. Der liegt vor allem im Nebel.

Durch die immer kürzere Zeitspanne, die die Sonne in den dunkelsten Monaten des Jahres überhaupt scheinen kann, schafft sie es immer seltener, Nebel und Hochnebel aufzulösen. Die Tage sind einfach zu kurz, um das dunstige Werk der Nacht komplett verschwinden zu lassen.

Rund um den schon früher stattfindenden Meteorologischen Winteranfang gibt es die wenigsten Sonnenstunden. Unter Umständen können lange andauernde Hochdruckwetterlagen mit mächtigen Hochnebelfeldern schon vom November an tagelang den Sonnenschein verhindern. Im Februar sieht die Welt aus meteorologischer Sicht dann schon wieder anders aus. Für uns indes ist das immer noch tiefster Winter.

Was die Meteorologen können, das schaffen Biologen, Botaniker und Umweltökologen ebenfalls. Auch sie bekommen ihren eigenen, den Phänologischen Winterbeginn. Dieser hat noch nicht einmal ein festes Datum und richtet sich allein nach der Natur. Was auch immer da blüht, es bestimmt die Jahreszeit. Winter ist dann, wenn die Stileiche ihre Blätter verliert, wenn die Europäische Lärche ihre Nadeln fallen lässt. Der Winter endet für die Biologen, wenn die Schneeglöckchen aus dem Boden sprießen und damit den Vorfrühling anzeigen.

Dunkel bis Grau

Astronomisch gesehen wären im Dezember im Mittel in Deutschland etwa 248 Stunden Sonnenschein möglich. Wie der Deutsche Wetterdienst aus den Daten der Städte Hamburg, Berlin, Köln, Offenbach und München berechnete, hätte die Sonne bis zum vergangenen Freitag damit rein theoretisch anteilig etwa 145 Stunden scheinen können. Aber nur 18 Stunden waren im Deutschlandmittel zusammengekommen. Das sind lediglich zwölf Prozent der überhaupt möglichen Sonnenzeit und ein Drittel weniger als durchschnittlich üblich.

Oder anders gesagt: Der Dezember war in Deutschland bisher vor allem grau mit seinen so schon kurzen Tagen. Für die Fans des Sonnenscheins halten die schlimmen Zeiten noch an. Zu den drei grauesten Monaten des Jahres zählt außer November und Dezember der Januar mit durchschnittlich nur 44 Stunden Sonne.

Und Weihnachten? Schauen die Meteorologen jetzt auf ihre Vorhersagen für die kommenden Tage, dann finden sie dort vor allem Wolken und reichlich Niederschlag. Auf hellere Zeiten deutet das nicht gerade hin. Am Ende wird dieser Dezember wahrscheinlich als viel zu trüb, als viel zu dunkel in die Wettergeschichte eingehen. Daran kann auch die ab morgen wieder länger scheinende Sonne nichts ändern, wenn sie nicht bis zu uns durchkommt.