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Kamenz

Wie viel Volkshochschule braucht das Volk?

Auch nach 70 Jahren locken Weiterbildungskurse nach Feierabend in die Kamenzer VHS. Pro Semester erweitern hier 1 400 Wissensdurstige ihren Horizont.

Regionalstellenleiter Klaus Helbig freut sich mit Fachbereichsleiterin für Gesundheit & Kultur Petra Schönbach und Sekretärin Silvia Ziesch (v.l.) auf das Jubiläum. Am Freitag laden sie und viele andere Mitarbeiter zur Langen Nacht der Volkshochschule.
Regionalstellenleiter Klaus Helbig freut sich mit Fachbereichsleiterin für Gesundheit & Kultur Petra Schönbach und Sekretärin Silvia Ziesch (v.l.) auf das Jubiläum. Am Freitag laden sie und viele andere Mitarbeiter zur Langen Nacht der Volkshochschule. © René Paul

Kamenz. Die Schulbänke sind zu ungewöhnlichen Zeiten belegt, die Schüler keine gewöhnlichen. Vor allem abends treibt es die meisten nach achtstündigem Arbeitstag noch einmal in die Unterrichtsräume und somit an Schreibmaschine, Computer, Tafelwerk oder Landkarte. Büffeln, Pauken, Lernen – wie man es auch nennen mag – jeder hier tut das freiwillig. Und legt dafür sogar Geld auf den Tisch. „Unsere Hauptklientel sind Leute von 35 bis 55 Jahren. Die Jüngeren haben mit ihrer Schule tagsüber genug zu tun“, ist von Volkshochschulleiter Klaus Helbig zu erfahren. Erst ab einem bestimmten Alter haben die meisten dann wieder den Drang, von sich aus etwas für ihre Weiterbildung zu tun.

Dennoch erfreut sich die Kamenzer Volkshochschule auch 70 Jahre nach ihrer Gründung noch großer Beliebtheit. Obwohl sie in den letzten Jahren gleich dreimal den Standort innerhalb der Stadt wechseln musste. Und die Schülerzahlen in den letzten zwei Jahrzehnten etwas rückläufig waren. An der Macherstraße 144a ist man seit 2009 sesshaft. Und alle fühlen sich wohl – das dreiköpfige Mitarbeiter-Team, die etwa 30 Honorarlehrer und die 1 400 Teilnehmer (Stand letztes Sommersemester). „Wir haben hier wirklich optimale Bedingungen, um die uns viele Kollegen beneiden“, so Chef Klaus Helbig. Großzügig sind die Räume geschnitten, Parkplätze gibt es genügend um die Ecke, denn das Gymnasium ist nicht weit. Die Lehrküche begeistert die Nutzer nach wie vor, wie auch der große Gymnastiksaal mit Spiegelwand. Mit der Landkreisreform wurde aus der bisherigen Kreisvolkshochschule Kamenz eine Regionalstelle der Kreisvolkshochschule Bautzen. Der Umzug in ein komplett saniertes, neues Gebäude war von langer Hand geplant. Und bringt bis heute Vorteile, von denen andere träumen. Die Schüler der Volkshochschule sind erwachsen und nicht selten schon dem Rentenalter nah. Aber natürlich nicht nur. Das gemischte Altersverhältnis kommt nicht von ungefähr, sondern eher vom reichhaltigen Programmangebot. Ob profaner Englisch-Anfängerkurs, Aufbaukurs Spanisch, mittlerweile fast exotisch scheinendem Russisch oder Schwedisch – allein im Sprachbereich gibt es aktuell im neuen Herbstsemester wieder 24 verschiedene Kurse in Kamenz.

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Viele Gesundheitskurse

Getoppt wird das alles neuerdings von den Gesundheitsangeboten: 69 verschiedene Kurse im Sport- und Ernährungsbereich können momentan belegt werden. Dieses Gebiet nimmt den größten Anteil der Buchungen ein. Die Fachbereichsleiterin für Gesundheit & Kultur, Petra Schönbach, ist seit zwölf Jahren mit an Bord der VHS und kümmert sich um das Genre. Ständig müssen neue Ideen her, die Zeit ist schnelllebig und die Interessen der Menschen sind vielschichtig. Wer sich fortbilden mag, macht auch vor außergewöhnlichsten Dingen nicht Halt. Und der Alltag zeigt, wo es deutlichen Nachholbedarf gibt. Allein 20 Kurse in Entspannung und Stressbewältigung stehen auf dem Herbst-Programm.

Yoga, Qigong, Entspannungsreise mit Klangschalen und Pilates sind vor allem bei den Frauen heiß begehrt. „Noch vor ein paar Jahren waren das absolut exotische Angebote, die weniger genutzt wurden. Heute starten wir einen Kurs nach dem anderen“, weiß Petra Schönbach. Und auch solche ausgefallenen Kurse wie Orientalischer Tanz oder der eben beginnende Aroha-Kurs finden Anklang. Tanzen wie die Maori – wer wollte das nicht schon immer lernen? „Auch die Familienangebote, Baby- und Kleinkindbewegungskurse erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Damit drücken wir den Altersdurchschnitt ganz schön“, schmunzelt Petra Schönbach.

Such nach neuen Angeboten

Auf der Suche bleiben, Trends vorausschauen. Das müssen die Mitarbeiter der VHS täglich. Oft bringen sie die Teilnehmer selbst auf Ideen, haben anderswo etwas gehört, das sich in Kamenz auch lohnen könnte. Und deshalb wird auch eben wieder aktuell getöpfert, fermentiert, weizenfrei gebacken, gelinedanct, upcycelt und intervallgefastet. Denn sonst wäre die Einrichtung mit dem etwas verstaubten Namen vielleicht doch irgendwann ein Auslaufprodukt? „Mitnichten“, so Klaus Helbig. „Wobei man über den Namen geteilter Meinung sein darf. Doch den werden wir so schnell nicht ändern“, schmunzelt der Regionalstellenleiter.

Am Freitag steigt bundesweit die „Lange Nacht der Volkshochschulen“. In Kamenz wird obendrein ein bisschen gefeiert. Mit 70 Jahren hat man das verdient.

Lange Nacht lockt

Termin: Am Freitag, dem 20. September, ab 18 Uhr in der VHS Kamenz, Macherstraße 144 a.

Kurse zum Reinschnuppern: 19 Uhr Pilates oder Aroha / Kantaera; 19.30 Uhr: Thai Chi oder Linedance; 20 Uhr: Klangschalen oder Fun-Step; 20.30 Uhr: Thaiyoga oder Drumsalive; 21 Uhr: Thaiyoga oder Stretching & Entspannung

Außerdem: Teepräsentation, Imbiss-Station, Kräuter & Duftöle, Wilhelm Busch für Erwachsene, Meditation, Grillecke im Fackelschein u. v. m.

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