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Neue Pläne fürs Freilichtmuseum Wilsdruff

Herzogswalde ist als Standort ausgeschieden. Nun ruhen die Hoffnungen auf einer Wiese in Helbigsdorf. Aber auch hier gibt es noch Hürden.

Kay Arnswald kniet auf der Wiese, auf der er mit der Stadt Wilsdruff ein Freilichtmuseum aufbauen will.
Kay Arnswald kniet auf der Wiese, auf der er mit der Stadt Wilsdruff ein Freilichtmuseum aufbauen will. © Daniel Schäfer

Kay Arnswald zeigt auf die Anhöhe hinter dem ehemaligen Helbigsdorfer Schmalspurbahnhof. "Hier könnte Wilsdruffs Freilichtmuseum entstehen", sagt er. Im Dorf ist diese Wiese als Vogelherd bekannt. Das geht auf die frühere Nutzung zurück. "Bis vor circa 100 Jahren wurden hier durch einen zugelassenen Jäger Singvögel gefangen", erzählt der 48-Jährige, der von Haus aus Zimmerer ist und in Helbigsdorf ein Sachverständigenbüro leitet. Die Vögel wurden damals zum Landesherren gebracht, der sie verzehrte. "Den hier lebenden Bauern war das natürlich bei Strafe verboten."

Kay Arnswald hofft, dass es ihm und seinen Mitstreitern gelingt, den Vogelherd in ein Museum zu verwandeln, in dem das frühere Leben auf dem Land rings um Wilsdruff erzählt wird. Dazu sollen historische Gebäude, die er an anderen Stellen in der Region abgebaut hat, hier neu errichtet werden.

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Neu ist die Idee nicht. In Sachsen gibt es schon mehrere solcher Museen, so in Rietschen in der Oberlausitz, in Seiffen im Erzgebirge, im vogtländischen Landwüst oder in Lehde im brandenburgischen Spreewald. Nur in Sachsens Mitte gibt es kein vergleichbares Museum, sagt Arnswald.

Auf der Wiese unterhalb der Straße soll das Freilichtmuseum in Helbigsdorf entstehen. Links unten an der Talstraße befindet sich der historische Schmalspurbahnhof.
Auf der Wiese unterhalb der Straße soll das Freilichtmuseum in Helbigsdorf entstehen. Links unten an der Talstraße befindet sich der historische Schmalspurbahnhof. © Kay Arnswald

Das möchte er ändern. Die Idee, so ein Museum zu errichten, hat er schon länger. Erste Pläne stellte er Ende 2018 im Wilsdruffer Stadtrat vor. Damals hatte es schon einen Hof im Blick, der der Ausgangspunkt für so ein Museum sein sollte, ein Vierseithof am Rande von Herzogswalde. Doch dieser Plan hat sich zerschlagen.

Das lag vor allem an der Anbindung ans Straßennetz. Zwar gibt es einen schmalen Weg vom Dorf zum Hof. Doch dieser kann nicht ausgebaut werden, so Arnswald. Ein anderer Weg könnte über den Golfplatz geführt werden. Doch auch das ist nicht möglich. In die nähere Betrachtung kam auch ein Objekt in Limbach. Das wäre eine Alternative. Doch hier liegen die Vorstellungen zum Kaufpreis sehr weit auseinander, erzählt der Helbigsdorfer.

Ein Holzhaufen liegt auf der Wiese. An dieser Stelle will Kay Arnswald mit der Stadt Wilsdruff ein Freilichtmuseum in Helbigsdorf aufbauen.
Ein Holzhaufen liegt auf der Wiese. An dieser Stelle will Kay Arnswald mit der Stadt Wilsdruff ein Freilichtmuseum in Helbigsdorf aufbauen. © Daniel Schäfer

"So kam der Vogelherd ins Gespräch", sagt Arnswald. Dieses Gelände ist Bauland und gehört bereits der Stadt Wilsdruff. Ein aktueller Bebauungsplan weist 13 Parzellen für Eigenheime aus. "Die Stadt würde dem Museumsprojekt den Vorrang geben, wenn es gelingt, ein tragfähiges Konzept zu erstellen", sagt Arnswald. Und daran arbeitet er - auch im Auftrag der Stadt, die ihn befristet auf einer Halbtagsstelle beschäftigt.

In die Museumspläne hat er die Helbigsdorfer schon eingeweiht. "Im Dorf stieß das auf ein großes Interesse", erinnert er sich. Ein Großteil der Einwohner würde lieber ein Freilichtmuseum als 13 neue Eigenheime, die wie ein Fremdkörper im traditionell-historischen Dorf wirken würden, dort sehen.

Ein kleiner Teil der Einwohner habe aber auch Bedenken angemeldet. Denn: So ein Museum würde Besucher anlocken. Und wo sollen die langfahren und parken? Und überhaupt: Wozu brauchen wir sowas überhaupt, fasst Arnswald die Bedenken zusammen.

Dieses Gebäude stand einst in Chemnitz. Nun soll es Teil des Freilichtmuseums werden.
Dieses Gebäude stand einst in Chemnitz. Nun soll es Teil des Freilichtmuseums werden. © Kay Arnswald
Diese Scheune hat Kay Arnswald in Bärenstein abgebaut und eingelagert.
Diese Scheune hat Kay Arnswald in Bärenstein abgebaut und eingelagert. © Kay Arnswald
Dieses Haus steht unweit der Altenberger Pinge. Kay Arnswald
möchte es abtragen, um es zu retten.
Dieses Haus steht unweit der Altenberger Pinge. Kay Arnswald möchte es abtragen, um es zu retten. © Kay Arnswald
In Hilbersdorf wurde dieses Gebäude abgebaut, um es für einen späteren Aufbau zu sichern.
In Hilbersdorf wurde dieses Gebäude abgebaut, um es für einen späteren Aufbau zu sichern. © Kay Arnswald

Nun möchte er daran arbeiten, die Akzeptanz im Dorf zu erhöhen. Doch das ist nicht die einzige "Baustelle". Mindestens genauso wichtig ist es, eine Finanzierung zu sichern und ein Betreiberkonzept auf die Beine zu stellen. Um weitere Unterstützer zu finden und zu begeistern, lud er zu einem Kolloquium ein, wo er die Pläne vorstellte.

Daran nahmen neben dem Bürgermeister und den Ortschaftsräten auch Landeskonservator Alf Furkert sowie Vertreter vom Ministerium für Regionale Entwicklung, vom Landesverein sächsischer Heimatschutz, vom Kulturraum, vom Geo-Park Tharandter Wald und dem Tourismusverband teil.

Zusammenarbeit mit dem Heimatmuseum Wilsdruff

"Von allen Beteiligten gab es ungeteilten Zuspruch, was Mut macht." Man sei sich einig geworden, dass das Freilichtmuseum nicht nur klassisches Museum sein sollte, sondern Anlaufpunkt für das Dorf und die Region und ein außerschulischer Lernort. "Außerdem ist eine enge Zusammenarbeit sowohl mit Heimatmuseum Wilsdruff als auch Geo-Park ausdrücklich gewünscht."

Parallel zum Werben um Mitstreiter läuft die Arbeit an einer Konzeption, die vom Leipziger Büro Insel und Meile erarbeitet wird. Dieses Büro bringt Erfahrungen mit und kennt sich mit den Richtlinien aus, erklärt Arnswald.

Das zu lösende Hauptproblem ist die Finanzierung der laufenden Kosten, also Löhne für Angestellte und Unterhaltung des Bestandes. "Hier wird man auf institutionelle Förderung angewiesen sein", sagt Arnswald. Das heißt, das Museum muss durch einen dauerhaften Zuschuss gesichert werden. "Die Frage bleibt, wer für den Eigenanteil aufkommt".

Kay Arnswald an der mobilen Güllepumpe aus vergangen Jahren. Er will mit der Stadt Wilsdruff ein Freilichtmuseum in Helbigsdorf aufbauen. Foto: Daniel Schäfer
Kay Arnswald an der mobilen Güllepumpe aus vergangen Jahren. Er will mit der Stadt Wilsdruff ein Freilichtmuseum in Helbigsdorf aufbauen. Foto: Daniel Schäfer © Daniel Schäfer

Die Stadt Wilsdruff steht zwar hinter dem Projekt, benötigt aber Partner, so Arnswald. Welches wirtschaftliche Konstrukt tauglich ist - im Gespräch sind Eigenbetrieb, gGmbH, Zweckverband oder Stiftung -, soll die Erarbeitung der Konzeption ergeben. Erste Ergebnisse sollen Anfang 2021 veröffentlich werden, im Sommer dann die Endergebnisse.

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Arnswald selbst ist dabei einen Förderverein zu gründen. Sobald es das Infektionsgeschehen zulasse, werde der Verein gegründet, sagt er. "Parallel arbeite ich gerade an einem Projekt, ein weiteres Haus zu sichern, welches durch Abriss bedroht ist. Hierfür stehe ich mit dem Denkmalamt in Kontakt." Bisher hat er schon drei Häuser dafür gerettet, darunter eine Scheune aus Bärenstein.

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