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Kesselsdorf: Kunststoffverarbeiter stellt wieder ein

Eine Sparkassen-Tochter half aus der Krise. Nun sucht das Unternehmen Mitarbeiter und peilt einen Umsatz von neun Millionen Euro an.

Die Geschäftsführer von Goerlich, Thomas Ehrlich (rechts) und Andreas Lindemann, sowie der Geschäftsführer der Innovations- und Beteiligungsgesellschaft Christian Müller (links) beim Vor-Ort-Termin in der Produktionshalle.
Die Geschäftsführer von Goerlich, Thomas Ehrlich (rechts) und Andreas Lindemann, sowie der Geschäftsführer der Innovations- und Beteiligungsgesellschaft Christian Müller (links) beim Vor-Ort-Termin in der Produktionshalle. © Norbert Millauer

Beim Kesselsdorfer Kunststoffverarbeiter Goerlich geht es wieder aufwärts. Das Corona-Schutzschirmverfahren konnte Ende September aufgehoben werden. Der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Lindemann zeigt sich beim Pressetermin erfreut, dass es in so kurzer Zeit gelungen ist, das Unternehmen zu stabilisieren.

Zu den Schwierigkeiten kam es durch die Coronakrise und die damit verbundenen Absatzproblemen von mehreren Auftraggebern. Da diese weniger bei Goerlich bestellten, führte das zu Umsatzeinbußen und zu einer drohenden Zahlungsunfähigkeit. Um das Unternehmen zu retten, beantragte die Geschäftsführung im Juli 2020, unter den Corona-Schutzschirm zu kommen. Das gelang.

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René Reck prüft an der Koordinatenmessmaschine ein Kunststoffteil.
René Reck prüft an der Koordinatenmessmaschine ein Kunststoffteil. © Norbert Millauer

Dass der Kunststofftechnik-Spezialist dieses Verfahren jetzt beenden konnte, lag auch an der Innovations- und Beteiligungsgesellschaft SIB. Das Unternehmen, das zur Ostsächsischen Sparkasse Dresden gehört, wurde Gesellschafter und brachte eine sechsstellige Summe ein, um den Kapitalstock des Unternehmens zu erhöhen.

Bei Goerlich sehe man ein "großes Wachstumspotenzial, nicht nur für sich selbst, sondern für die ganze Region", erklärt Christian Müller, Geschäftsführer der SIB beim Vor-Ort-Termin. Auch Goerlich-Betriebsleiter Thomas Ehrlich glaubt an den Erfolg des Unternehmens. Auch er investierte und übernahm über eigene Firmen fünf Prozent der Anteile an Goerlich.

Obwohl die Talsohle durchschritten wurde, sei die Marktlage immer noch nicht ganz sicher, so Lindemann. Denn mehrere Geschäftspartner von Goerlich sind Autobauer oder Autobauzulieferer. Durch den Mangel an Halbleitern komme es in dieser Branche immer wieder kurz zu Unterbrechungen der Produktion. Mit Verzögerungen wirke das auch auf seine Firma aus, erklärt der Geschäftsführer.

Automobilbauer sind wichtige Partner

Dennoch sei er sehr zuversichtlich, sagt der 47-jährige Lindemann. Der gelernte Werkzeugmacher und studierte Wirtschaftsingenieur war 25 Jahre in der Automobil- und Flugzeugindustrie tätig und führt seit 2015 das Unternehmen. Für die nächsten vier Monate sei man komplett ausgelastet. "Das war nicht alle Jahre zuvor so", ergänzt Betriebsleiter Ehrlich. Der Grund sei, dass es bei den Automobilzulieferern Befürchtungen gibt, dass es bei ihren Zulieferern zu Engpässen kommt. Deshalb bestellen diese nun weiter Kunststoffteile.

Mit der Konkurrenz kann Goerlich gut umgehen. Das Unternehmen möchte in Zukunft mit Flexibilität punkten. Dafür sorgt der firmeneigene Werkzeugbau, der Prototypen- und Vorserienwerkzeuge baut und der auch bei Havarien sehr schnell reagieren kann. "Wir arbeiten in einem Drei-Schicht-Betrieb", so Lindemann. "Wenn es sein muss, können wir Werkzeuge auch in der Nachtschicht reparieren."

Die Goerlich Kunststofftechnik GmbH arbeitet im Gewerbegebiet Kesselsdorf Nord auf der Inselallee . Rechts und links der Halle gibt es noch Erweiterungsflächen.
Die Goerlich Kunststofftechnik GmbH arbeitet im Gewerbegebiet Kesselsdorf Nord auf der Inselallee . Rechts und links der Halle gibt es noch Erweiterungsflächen. © Norbert Millauer

Perspektivisch will die Firma weiter wachsen, zunächst auf der Mitarbeiterebene. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 63 Mitarbeiter am Standort. In den nächsten zwei Jahren soll deren Zahl auf etwas mehr als 90 Mitarbeiter anwachsen. Das sei in der Betriebsstätte möglich.

Erst dann werde man sich näher mit der baulichen Erweiterung befassen. Platz gibt es genug. Neben dem Betriebsgebäude auf der Inselallee gibt es noch zwei Flächen, die bebaut werden können. Prognosen, wann es dazu kommt, wollte der Geschäftsführer nicht abgeben.

An der Firmenphilosophie werde man nicht ändern. Man setzt auf Massenproduktion und Qualität. Im Jahr werden rund 140 Millionen Teile in 550 verschiedenen Ausführungen produziert, unter anderem Schalter, Steckverbindungen und technische Kunststoffteile. Auch in Zukunft will das Unternehmen an Firmen in verschiedenen Branchen liefern, der Fokus liegt auf der Automobilbranche. Denn dort werden hohe Stückzahlen gebraucht, so Lindemann.

Blick in die Produktionshalle.
Blick in die Produktionshalle. © PR

Gegenwärtig kommen rund 50 Prozent der Aufträge von Automobilfirmen und deren Zulieferern, die anderen Abnehmer arbeiten in der Hausgerätetechnik, in der Elektrotechnik und Medizintechnik. Goerlichs Geschäftspartner arbeiten hauptsächlich in Deutschland, in den anderen EU-Staaten und Ländern, die mit der EU wirtschaftlich eng zusammenarbeiten.

Mit neuen Maschinen Energie sparen

Auch mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftige man sich im Unternehmen. Um die Stromkosten zu reduzieren, wurde bereits vor drei Jahren in LED-Beleuchtung investiert. "Wir bemühen uns, die üblichen Abfallmenge recyclingfähig zu machen. Das ist technologisch nicht ganz einfach", so Lindemann. Auch beim Kauf von Maschinen achte man auf den Stromverbrauch. "Neue Maschinen sind sehr viel effektiver."

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Lindemann strebt in diesem Jahr einen Umsatz von 8,5 Millionen Euro an. "Damit liegen wir über dem Insolvenzplan." Mit der Zeit vor Corona lasse sich diese Zahl schlecht vergleichen, da die Firma vor der Krise an zwei Standorten tätig war. Der Kesselsdorfer Betriebsteil erwirtschaftete zwischen fünf und sieben Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Im nächsten Jahr sollen es neun Millionen Euro werden.

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