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Neue Super-Drehleiter für Wilsdruffs Feuerwehr

Mit der Neuanschaffung kommt man über Spitzdächer und kann besser Menschen retten. Um sie kaufen zu können, brauchte die Stadt Verbündete.

Die Feuerwehrkameraden Daniel Quint, Daniel Menzel und Falk Arnhold (von links) stellen das neue Drehleiterfahrzeug vor.
Die Feuerwehrkameraden Daniel Quint, Daniel Menzel und Falk Arnhold (von links) stellen das neue Drehleiterfahrzeug vor. © Daniel Schäfer

Daniel Menzel drückt auf den Knopf. Und das Technikwunder beginnt. Innerhalb weniger Sekunden fährt der Korb der neuen Wilsdruffer Drehleiter in die Höhe. Trotz eines leichten Windes wackelt der Korb nicht. In der Leiter sind Stabilisatoren eingebaut, die die Windböen ausgleichen, sagt Stadtwehrleiter Falk Arnhold.

Dann schaut er auf die andere Drehleiter, die seine Kollegen nun auch auf den Platz vor dem Feuerwehrdepot gefahren haben. Dieses 1994 gebaute Modell steht seit 2017 in den Diensten der Wilsdruffer Feuerwehr. Es hat gute Arbeit geleistet, sagt Arnhold. Trotzdem werde man sich nun davon trennen. In ein paar Jahren steht eine Revision an.

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Und die kostet zwischen 100.000 und 120.000 Euro. Diese hohen Kosten veranlassten die Feuerwehr über eine Neuanschaffung nachzudenken. Denn mit einem etwas höheren Eigenanteil könnte man sich mithilfe von Förderungen eine neue Leiter zulegen. So die Überlegung.

"Der Bürgermeister war am Anfang nicht begeistert", erinnert sich der Stadtwehrleiter. Doch dann habe man ihm konkrete Vergleichszahlen vorgelegt. Diese überzeugte ihn und letztlich auch den Stadtrat. Die Räte gaben grünes Licht, die neue Drehleiter für rund 749.000 Euro zu kaufen. Zu zahlen hat Wilsdruff dank der großzügigen Förderung etwas mehr als 120.000 Euro.

Korb kann mehr Personen transportieren

Vor wenigen Tagen wurde die neue Drehleiter angeliefert. "Hier sieht man deutlich, was 30 Jahre Entwicklung ausmacht", sagt der Stadtwehrleiter. Die neue Leiter fährt zwar 32 Meter und damit nicht höher als die bisherige aus, bietet aber einsatztaktisch mehrere Vorteile. So könne man mit dem Korb nicht nur drei - wie bisher - sondern fünf Menschen transportieren.

Blick auf das neue Drehleiterfahrzeug der Wilsdruffer Feuerwehr mit ihrem 32 Meter langen, ausgefahrenen Sicherungs- und Rettungskorb.
Blick auf das neue Drehleiterfahrzeug der Wilsdruffer Feuerwehr mit ihrem 32 Meter langen, ausgefahrenen Sicherungs- und Rettungskorb. © Daniel Schäfer
Der Rettungs- und Sicherungskorb kann bis zu fünf Personen transportieren.
Der Rettungs- und Sicherungskorb kann bis zu fünf Personen transportieren. © Daniel Schäfer
So sieht es aus, wenn man aus dem hochgefahrenen Korb nach unten schaut.
So sieht es aus, wenn man aus dem hochgefahrenen Korb nach unten schaut. © Daniel Schäfer
Diese Technik hat das neue Fahrzeug an Bord.
Diese Technik hat das neue Fahrzeug an Bord. © Daniel Schäfer
Knapp 30 Jahre Entwicklung liegen zwischen diesen beiden Drehleiterfahrzeugen. Unverkennbar: Links steht die neue.
Knapp 30 Jahre Entwicklung liegen zwischen diesen beiden Drehleiterfahrzeugen. Unverkennbar: Links steht die neue. © Daniel Schäfer

Außerdem lässt sich das oberste Teil der Leiter absenken. "Das ist ein Riesenvorteil", sagt Arnhold. Damit könnte man schneller in den Korb gelangen, und schneller mit dem Einsatz beginnen. Zudem komme man damit einfacher hinter die Dachgiebel. Die Technik der Drehleiter erlaubt es zudem, Bewegungen zu speichern.

Das bei Einsätzen, bei denen mehrere Menschen gerettet werden müssten, hilfreich. "Und die Leiter lässt sich automatisch zurückholen." Und letztlich sind auf der neuen Drehleiter viel mehr Geräte an Bord. Und es gibt mehr Technik.

Mit der müsse man sich in den nächsten Tagen vertraut machen, sagt Wilsdruffs Stadteilwehrleiter Daniel Quint. Jeder, der die Drehleiter in Zukunft fahren wird, muss einen 14-stündigen Kurs besuchen. Am Ende sollen zwölf Kameraden die Drehleiter fahren können, davon gehören neun zur Wilsdruffer Stadtteilwehr.

Auch wenn es sich niemand wünscht, zu tun gibt es immer etwas. "Wir haben große Gewerbegebiete mit hohen Hallen", sagt Quint. "Mit der alten Drehleiter waren wir zwischen 30 und 40 Mal im Einsatz", schätzt er. In vielen Fällen habe man lose Äste von den Bäumen geholt und andere Sturmschäden in den Baumkronen beseitigt. Aber auch bei Bränden in Wilsdruff und in angrenzenden Regionen war sie im Einsatz.

Dieses Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug vom Typ HLF 20 wurde bereits im Frühjahr in Dienst gestellt. Es besitzt einen 2.000 Liter fassenden Wassertank, einen 200 Liter großen Schaumtank und viel Technik.
Dieses Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug vom Typ HLF 20 wurde bereits im Frühjahr in Dienst gestellt. Es besitzt einen 2.000 Liter fassenden Wassertank, einen 200 Liter großen Schaumtank und viel Technik. © Daniel Schäfer

Und wie geht es mit der alten Drehleiter weiter? Die wird verkauft. "Das soll noch in diesem Jahr geschehen", sagt Menzel, der stellvertretende Ortswehrleiter in Wilsdruff ist. Sie soll versteigert werden. Er hofft auf einen guten Preis und wird das Ganze organisieren. Menzel war auch maßgeblich am Kauf der neuen Drehleiter beteiligt. Um diese kostengünstiger zu bekommen, tat sich Wilsdruff mit Pirna und anderen Städten zusammen. Damit hatte man nicht nur eine bessere Verhandlungsbasis, sondern bekam auch noch eine zusätzliche Förderung vom Freistaat Sachsen.

Erster Einsatz kurz nach der Inbetriebnahme

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Die neue Drehleiter soll nun noch feierlich in Betrieb genommen werden. Geplant ist das für Anfang September. Dann trifft sich die Feuerwehr zu ihrer Jahreshauptversammlung. Dort wird sicher auch das neue Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug vom Typ HLF 20 vorgestellt. Dieses wurde im Frühjahr geliefert. "Im Lockdown ging das unter", sagt Arnhold. Dabei hatte es noch am Tag seiner Indienststellung seinen ersten Einsatz.

Auch dieses 410.000 Euro teure Fahrzeug, das mit einem 2.000 Liter Wassertank, einem 200 Liter Schaumtank und viel Technik, ausgestattet ist, wird gebraucht, sagt Menzel. Vor allem bei Einsätzen auf der Autobahn.

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