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"Wir sind ein Corona-Gewinner!"

Markus Hecker leitet seit 1991 die Sachsen-Niederlassung des Logistikers Wackler. Und er hat noch große Pläne.

Markus Hecker (56) hat die sächsische Niederlassung des Göppinger Logistikers Wackler aufgebaut. Die Erfolgsgeschichte begann vor 30 Jahren in Dresden. Seit 2008 ist das Unternehmen in Wilsdruff tätig.
Markus Hecker (56) hat die sächsische Niederlassung des Göppinger Logistikers Wackler aufgebaut. Die Erfolgsgeschichte begann vor 30 Jahren in Dresden. Seit 2008 ist das Unternehmen in Wilsdruff tätig. © Daniel Schäfer

Herr Hecker, wie ist Wackler durch die Corona-Krise gekommen?

Wir haben Stand jetzt zweistellige Zuwachsraten im nationalen und im internationalen Geschäft gegenüber 2019 und 2020.

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Kann man sagen, dass Wackler ein Corona-Gewinner ist?

Theoretisch ja. Aber: Dieses Mehrgeschäft zu stemmen, ist gerade das Problem. In der ganzen Logistik-Welt stehen die Netzwerke kurz vor dem Kollaps. Es sind zu viele Güter unterwegs, uns fehlen die Kapazitäten. Deutlich aufwendiger ist auch das Endkundengeschäft geworden, also die Anlieferung an Privatkunden.

Warum?

Dieses Geschäft machte 2019 etwa 6 Prozent unseres Umsatzes aus, inzwischen sind es 27 Prozent. Wir liefern zum Beispiel Kreissägen oder Rasenmäher auf Paletten an. Wir müssen Termine vereinbaren, dann treffen wir den Kunden nicht an. Wir müssen ihn suchen. In anderen Fällen müssen wir Sonderwünsche erfüllen. Das bremst uns aus. Bei Firmen ist das anders: Die haben eine Rampe, und wir wissen, wo wir uns melden müssen.

Wird das Endkundengeschäft weiterwachsen?

Das würde mich nicht wundern. Denn die Baumärkte haben nun wieder geöffnet, der Anteil des Endkundengeschäftes ist in den letzten Wochen auf dem gleichen Niveau geblieben. Es ist ja auch bequem, im Internet zu kaufen – zumindest für die Leute, die wissen, was sie wollen. Es gibt immer mehr Onlinehändler. Ich möchte darüber nicht klagen, wir leben davon. Wir müssen Wege finden, diese Sendungen industrieller zu produzieren.

Ihr Unternehmen ist also ohne größere Probleme durch die Corona-Zeit gekommen?

Nicht ganz. Auch wir haben Probleme. In den letzten Wochen hat sich der Preis für die billigsten und einfachsten Einwegpaletten verdoppelt. Meine Kollegen zimmern deshalb aus drei kaputten eine ganze zusammen. Wenn das nicht mehr geht, müssen wir teure Euro-Paletten nehmen, die auch schon knapp werden. Verpackungsmaterial aus Kunststoff ist exorbitant teuer geworden. Warum das so ist, weiß ich nicht. Sicher gibt es einige, die die Situation ausnutzen und Produkte künstlich verknappen. Die EU blockiert gegenwärtig Einfuhren aus Weißrussland und damit auch die Einfuhr von Holz. Das kann da reinspielen.

Wackler gibt es inzwischen seit 30 Jahren in der Region. Was hat sich geändert?

Vieles. In den Anfangsjahren haben wir kaum Sendungen zu Privaten gebracht. Wir hatten da einen Kunden in Göppingen, der über uns fünf bis sechs Meter lange Markisen verkaufte – auch an Privatempfänger. Jede zweite kam beschädigt an, weil sie nicht in das Stückgutnetzwerk passte. Weitere Privatlieferungen gab es nicht. Damals haben wir nur zwischen Produzenten und Großhändlern beziehungsweise Einzelhändler transportiert.

Seitdem ist einiges passiert…

Wackler in Wilsdruff ist eine absolute Erfolgsgeschichte. 1991 haben wir in Dresden mit einem Mann angefangen, das war ich. Jetzt sind wir reichlich 260 Mitarbeiter und da kommen noch 150 Fahrer zu. Es gab aber auch Rückschläge, wie die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009. Auch die Corona-Krise Ende März 2020 setzte uns kurzzeitig zu. Das internationale Geschäft war bis zum August 2020 eingebrochen. Die Wirtschaft hat aber schnell gelernt, wie sie um Corona herum funktionieren kann. In der zweiten Welle gab es keinen großen Einbruch mehr.

Spiegelt sich das auch in den Umsatzzahlen wider?

Ja. 1991 hatten wir einen Umsatz in Höhe von rund 240.000 Euro, 1994 lag er bei 1,2 Millionen Euro, 2020 hatten wir trotz Corona fast 55 Millionen, und in diesem Jahr hoffen wir auf 57 Millionen Euro.

Und wenn es eine vierte Welle gibt?

Dann wäre diese selbstverschuldet. Es wären die Impfgegner und -verweigerer, die diese Welle tragen würden. Die Frage ist, ob sich die Menschen dann noch wegsperren lassen. Diejenigen, die geimpft sind, werden sich sagen: Ich nehme jetzt keine Einschränkung hin.

Anfang des Jahres hat Ihr Unternehmen ein neues Gefahrstofflager eingeweiht. Arbeitet es nach Ihren Erwartungen?

Wir liegen im Anlaufplan, haben gegenwärtig eine Auslastung von rund 25 Prozent. Es ist spürbar, dass wir uns in einer Wirtschaftskrise und einem Strukturwandel befinden. Die Kunden sind interessiert, treffen aber keine Entscheidung. Große Geschäfte werden diskutiert, aber nicht entschieden. Es gibt aber kleine Erfolge und das lässt hoffen. Vielleicht kommt es zu keiner vierten Welle, sondern zu einer Euphorie in der Wirtschaft. Das kann Wunder bewirken.

Die großen Hallen von Wackler stehen im Wilsdruffer Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe.
Die großen Hallen von Wackler stehen im Wilsdruffer Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe. © Daniel Schäfer

Wackler bildet auch aus. Wissen Sie, wie viele Lehrlinge hier ausgebildet wurden?

Nein, nicht auf Anhieb. Bis vor fünf Jahren waren 60 Prozent aller Mitarbeiter Eigengewächse. Dieser Anteil hat abgenommen, weil wir keine Lehrlinge mehr finden. Vom Ziel, zwölf Azubis auszubilden, sind wir weit entfernt. Wir geben nicht auf und werden weiter bei lokalen Ausbildungsmessen für uns werben.

In den letzten Jahren haben Sie viel gebaut. Ist noch eine Erweiterung geplant?

Wir stehen mit dem Rücken an der Wand und müssen ganz dringend unsere 5.700 Quadratmeter große Umschlagsfläche um rund 2.000 Quadratmeter erweitern. Und dann brauchen wir noch Abstellflächen und Parkplätze. Das ist die Herausforderung. Es gibt die Idee, eine Halle nach Süden zu erweitern. Das Grundstück dafür liegt im Bebauungsgebiet, ist aber noch eine Ausgleichsfläche. Wir möchten sie gern nutzen und dafür auf anderen Flächen Bäume und Sträucher pflanzen. Mal sehen, was wir da hinbekommen. Ich bin mit der Stadt Wilsdruff in Kontakt und hoffe, dass hier was geht. Gerade die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Logistik ist. Unsere Kunden haben sich in den letzten Jahren auf die Produktion konzentriert und ihre Lager an Wackler übergeben. Unser Unternehmen ist wichtig für die regionale Wirtschaft.

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Vieles ist vorhersehbar, aber wir sind keine Hellseher. Der Mensch vergisst und macht dieselben Fehler. Ich weiß nicht, wie man es besser machen könnte. Es war aber gut, dass die Politik ruhig geblieben ist und keine Hektik verbreitet hat, wie man es in Südamerika beobachten konnte.

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