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Bautzen

Wird jetzt das Scharfrichterhaus gerettet?

Eine Arbeitsgruppe hat sich jetzt mit möglichen Varianten für das Haus in Lissahora beschäftigt. Es soll umgesetzt werden. Woher das Geld dafür kommt, ist unklar.

Das Scharfrichterhaus in dem kleinen Neschwitzer Ortsteil Lissahora soll gerettet werden. Dazu soll es ab- und an einem neuen Standort aufgebaut werden. © Steffen Unger

Neschwitz. Wieder einmal geht es um ein sehr altes, wenn auch mittlerweile unscheinbares Häuschen im Neschwitzer Ortsteil Lissahora. Das Scharfrichterhaus, also das Haus, in dem einmal der Henker gelebt hat, fällt zusehends zusammen. Eine Gruppe engagierter Geschichtsfreunde möchte es nun umsetzen lassen. Wie das geschehen kann, berichteten sie jetzt dem Gemeinderat Neschwitz.

Arnd Matthes von der Stiftung Umgebindehaus ist einer der Unterstützer dieser Aktion. Er kennt das Haus seit 20 Jahren, nennt den Zustand bedenklich. „Wir können uns Kultur und Geschichte nicht neu kaufen, wir müssen sie erhalten“, sagt er. Wenn also mit dem Haus nicht bald etwas passiert, sei es unwiederbringlich verloren. 

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Es ist nicht das erste Mal, dass sich Neschwitzer um das Haus kümmern, das sich in Privatbesitz befindet. Doch der Eigentümer hat weder das Interesse noch die Mittel, es an diesem Standort zu erhalten. Er würde es abgeben. Dabei hat das Haus auch Familiengeschichte, denn seine Familie hat bis in die 70er-Jahre dort selbst gewohnt, bevor die Scheune zum jetzigen Wohnhaus umgebaut wurde. 

Platz schon gefunden

Erste Sicherungsmaßnahmen am Gebäude wurden schon 2009 von den jetzigen Initiatoren vorgenommen, als ein Sturm die Giebelseite beschädigte. Im vergangenen Jahr war es wiederum ein Sturm, der Ziegel vom Dach holte. Nun liegt eine große Folie über dem Dach. Außerdem haben die Männer im Inneren den Schutt rausgeholt. 

Die Arbeitsgruppe, die innerhalb der Kultur- und Heimatfreunde arbeitet und von Andreas Wirth geleitet wird, möchte nun das Haus umsetzen. Auch einen Ort hat man schon gefunden. Dort, wo die Bockwindmühle Luga steht, sollte es wieder aufgebaut werden. Zum einen, weil auch die Mühle 1977 umgesetzt wurde, zum anderen könnten hier dann noch mehr Angebote gemacht werden.

Laut Arnd Matthes sind 80 Prozent der Holzkonstruktion wiederverwendbar. Alte Lehmwände könnten sogar im Ganzen geborgen werden. Man müsse alles einlagern und aufarbeiten. Beim Aufbauen der Fachwerkteile stellt sich Matthes zum Beispiel die Mitwirkung von Schülern vor. So wie beim Pilgerhaus in Weißenberg. Die Stiftung Umgebindehaus könne fachliche Unterstützung geben, es könnten Weiterbildungen am Objekt angeboten werden. Das Dach könnte mit historischen Dachsteinen gedeckt werden, weil es eine Bauteilbörse der Stiftung gibt. 

Für die Arbeiten werden derzeit 60.000 Euro veranschlagt. Man müsse schnell handeln, um einen Förderantrag im ländlichen Raum zu stellen.

Skepsis und Unterstützung

Der Neschwitzer Bürgermeister Gerd Schuster (CDU) ist skeptisch. Vor allem die Finanzierung macht ihm Sorgen. „Ich möchte nicht, dass hier etwas begonnen wird, wo dann das Geld fehlt“, sagt er. Die Gemeinde könne da nicht mithelfen. Schließlich müsse man sich auch um die spätere Betreibung kümmern. 

Doch aus dem Gemeinderat bekommt die Arbeitsgruppe auch Unterstützung. „Wir sollten die Entscheidung nicht an eine spätere Nutzung binden“, sagt Dietrich Butter. Und Ingo Rienecker bewundert den Mut, das Projekt anzufassen. Er hofft, dass es gelingt.

Viele Fragen blieben bei der Sitzung unbeantwortet. Dieter Petschel, Vereinschef der Kultur- und Heimatfreunde, sagt, dass es keine Komplettlösung gibt. „Aber je länger wir warten, desto schlechter wird der Zustand“, so Petschel. Nächste Woche werden sich deshalb Arbeitsgruppe und Verwaltung noch einmal treffen.