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Schon wieder Bahnstreik: Sympathien sind verspielt

50 Stunden lang kein ICE, kein IC - und auch kaum ein Regio: Die EVG wird den Bahnverkehr zum dritten Mal in diesem Jahr lahmlegen. Doch kann der Ausstand zu einer Lösung des Tarifkonflikts führen?

Von Wolfgang Mulke
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Bei allem Verständnis für die hohen Lohnforderungen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erscheint ein zweitägiger flächendeckender Streik im Schienenverkehr als Kampf mit dem Säbel statt dem Florett.
Bei allem Verständnis für die hohen Lohnforderungen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erscheint ein zweitägiger flächendeckender Streik im Schienenverkehr als Kampf mit dem Säbel statt dem Florett. ©  [M] dpa/SZ

Bei allem Verständnis für die hohen Lohnforderungen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erscheint ein zweitägiger flächendeckender Streik im Schienenverkehr als Kampf mit dem Säbel statt dem Florett. Nach neun Wochen ist es den Tarifparteien bei der Bahn immer noch nicht gelungen, in ernsthafte Verhandlungen einzusteigen. Naturgemäß weisen sich Arbeitgeber und Gewerkschaft gegenseitig die Schuld daran zu. Allmählich drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass die Gewerkschaft an einer kurzfristigen Lösung kein Interesse hat.

Ein Grund dafür könnte sein, dass die EVG nach sehr bescheidenen Abschlüssen in den vergangenen Jahren Durchsetzungsvermögen beweisen will. Anders ist schwer zu verstehen, dass die Gewerkschaft schon vor dem Beginn von Detailverhandlungen hohe Hürden aufbaut. So verspielt die EVG die Sympathien für ihre im Grunde nachvollziehbar hohen Forderungen. Ganz so nachgiebig, wie sich die Arbeitgeber hier darstellen, sind sie allerdings auch nicht. Der Branchenführer Deutsche Bahn hat auf Zeit gespielt, erst einmal den Abschluss im öffentlichen Dienst abgewartet und nur stückweise Konzessionen an die EVG gemacht.

Nun müssen beide Seiten über ihre Schatten springen und glaubhaft den Verhandlungsweg einschlagen. Alles andere hätte gravierende Folgen, vor allem für die Bahnreisenden und die Wirtschaft. Denn als Alternative bliebe nach einem endgültigen Scheitern der Gespräche wohl nur ein unbefristeter Streik im Frühsommer oder Sommer, also zur besten Reisezeit. Das kann niemand ernsthaft wollen. Legitim wäre es trotz allen Ärgers. Doch die Rufe nach Streikverboten in Betrieben der kritischen Infrastruktur würde schnell wieder laut und die Akzeptanz für die Strategie der EVG schnell dahin.