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Arbeit und Bildung

Die Zukunft hat längst begonnen

Ob Biotechnologie, Medizintechnik oder Biophysik – die sogenannten Life Sciences stellen die Weichen für die nächsten Jahrzehnte. In Sachsen gibt es dazu konzentrierte Forschung und wirtschaftliche Erfolge.

Die sogenannten Life Sciences sind einer der Wachstumsmärkte schlechthin. In Sachsen gibt es inzwischen viele Firmen und Forschungsinstitute, die sich damit befassen.
Die sogenannten Life Sciences sind einer der Wachstumsmärkte schlechthin. In Sachsen gibt es inzwischen viele Firmen und Forschungsinstitute, die sich damit befassen. © AdobeStock

Die Zukunft hat längst begonnen: in der Krebstherapie, bei Robotern in der Gefäßchirurgie, bei den neuesten Entwicklungen in der Lebensmitteltechnologie. Und: Auch in Sachsen. Und zwar nicht erst, seit das Dresdner Unternehmen Gemoab vor kurzem 250 Millionen US-Dollar für seine Arbeit einwerben konnte - noch nie gab es mehr Risikokapital für eine ostdeutsches Biotech-Firma.

Im Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum an der Leipziger Universität etwa wird schon seit Jahren erfolgreich zu molekularer und zellulärer Biotechnologie und zu den neuesten Erkenntnissen in der regenerativen Medizin geforscht. Ebenfalls im medizinischen Bereich unterwegs sind die Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie und in der Forschungsstelle des Helmholtz-Instituts. Allesamt arbeiten innerhalb der sogenannten Life Sciences, vereinfacht gesagt: an der interdisziplinären Forschung zu den Lebensgrundlagen der Zukunft. Gemäß einer Untersuchung der Wirtschaftsförderung Sachsen waren im Freistaat Ende 2020 über 300 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit rund 15.500 Beschäftigten und zahlreichen Arbeitsgruppen in diesem Bereich aktiv.

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Mitarbeiterzahl steigt deutlich

Den ersten Mieter gibt es bereits. Die im ersten Bauabschnitt geplante Mietfläche soll künftig von dem Biotechnologieunternehmen c-LEcta genutzt werden. Das Unternehmen entwickelt unter anderem Enzyme und Mikroorganismen, die für Anwendungen im Bereich der Pharmaindustrie eingesetzt werden. Auf dem Campus sind mehrere Bereiche für Büro- und Laborflächen, biotechnologische Anlagen sowie Ausbildungs- und Konferenzflächen geplant. Hinzu kommen 128 Tiefgaragen- und 26 Außenstellplätze. Der Baubeginn ist für das zweite Quartal 2022 avisiert. „Der Standort ‚Alte Messe‘ hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum für innovative Forschungseinrichtungen und Technologieunternehmen entwickelt“, so Klaus Kirchberger, Vorsitzender der Geschäftsführung der OFB. Man sehe deshalb „einen wachsenden Bedarf“ für Immobilien, die speziell auf die Anforderungen dieser Zielgruppe zugeschnitten sind. „Es freut mich sehr, dass wir mit c-LEcta einen innovativen Mieter gewinnen konnten, der exakt zu diesem Standort passt.“

Bei c-LEcta sind derzeit rund 100 Mitarbeiter beschäftigt – Tendenz deutlich steigend. Die Firma hat bereits ihren Sitz in Leipzig und will komplett in die neuen Räume ziehen. Die Erwartungen sind hoch. „Wir fühlen uns dem Standort Leipzig sehr verbunden. Insofern sind wir sehr froh, als Unternehmen den nächsten Wachstums-Schritt hier auf dem Gelände der ‚Alten Messe‘ vollziehen können. Wir freuen uns sehr auf das gemeinsame Projekt mit der OFB“ so Marc Struhalla, CEO und Managing Director von c-LEcta.

Das Projektgrundstück liegt direkt neben dem Doppel-M der Leipziger Mustermesse. Die benachbarte S-Bahnstation „Völkerschlachtdenkmal“ sowie mehrere Tram- und Buslinien garantieren eine optimale Verkehrsanbindung. Der neue Mieter an der „Alten Messe“ dürfte sich schnell heimisch fühlen. In den vergangenen Jahren haben sich hier verschiedene Forschungseinrichtungen und Unternehmen angesiedelt, neben dem Fraunhofer- und dem Max-Planck-Institut auch das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung. Die Konzentration macht die Stadt und Sachsen insgesamt attraktiv für Studierende aus aller Welt, aber auch für weitere Unternehmen aus den Life Sciences.

Forschung zur Biodiversität

Und weil Klappern nicht nur zum Handwerk, sondern auch zur Wirtschaftsförderung gehört, wird das Bild von Sachsen als Standort für Zukunftsbranchen inzwischen sehr gezielt in die Welt getragen. So waren die Wirtschaftsförderer des Freistaats in diesem Jahr zusammen mit acht Unternehmen bei der China International Medical Equipment Fair (CMEF), einer der größten und wichtigsten Medizintechnikmessen der Welt, präsent. Mit an Bord war unter anderem biosaxony aus Dresden. Der Verein fördert und koordiniert sächsische Initiativen in den Bereichen Biotechnologie und Medizintechnik. Ebenfalls vor Ort waren die Leipziger Firma Roboscreen, die sich mit quantitativer molekulare Diagnostik von Nukleinsäuren auf der Basis einer eigenen Technologieplattform beschäftigt, und das Radeberger Unternehmen Alpha Plan, das sich auf Technologien für die Bearbeitung von Membranen und die Herstellung von Filtrationsprodukten spezialisiert hat.

Nach Angaben des Sächsischen Wirtschaftsministeriums arbeiten allein im Bereich der Medizintechnik rund 10.500 Beschäftigte. Im vergangenen Jahr haben die sächsischen Unternehmen in diesem Sektor einen Umsatz von 940 Millionen Euro erwirtschaftet, 66 Prozent davon als Auslandsumsatz.

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