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Leag verzichtet auf Kohle unter Welzow

Das Bergbauunternehmen passt sein Revierkonzept an, hält an der Abbaggerung von Mühlrose aber fest.

Mit der Kohle aus Welzow werden vor allem die Kraftwerke Jänschwalde (Foto) und Schwarze Pumpe versorgt.
Mit der Kohle aus Welzow werden vor allem die Kraftwerke Jänschwalde (Foto) und Schwarze Pumpe versorgt. © dpa

Die Lausitzer Energie und Kraftwerke AG (Leag) wird ihr Revierkonzept von 2017 ändern. Das gab das Unternehmen mit Sitz in Cottbus am späten Mittwochabend bekannt. Zuvor hatte der Bundestag in einer Sitzung dem zwischen Bundesregierung und Kraftwerksbetreibern ausgehandelten Vertrag über die Ausgestaltung des gesetzlichen Kohleausstieges in Deutschland zugestimmt. Damit seien die rechtlichen Grundlagen für den Ausstiegsfahrplan geschaffen, so die Leag. Für die Verluste durch kürzere Laufzeiten von Kraftwerken soll das Unternehmen 1,75 Milliarden Euro Entschädigung erhalten.

Weil Deutschland bis 2038 raus will aus der Kohleförderung und -verstromung, werde deutlich weniger vom fossilen Brennstoff benötigt, als ursprünglich geplant, teilte Leag-Sprecher Thoralf Schirmer nun mit. Deswegen werde die Planung angepasst. Konkret heißt dass, der Tagebau Welzow-Süd in Südbrandenburg wird nicht um das Teilfeld II erweitert. Über 200 Millionen Tonnen Braunkohle bleiben im Boden. Reichlich 800 Menschen aus der Stadt Welzow und dem dazugehörenden Proschim sowie aus Lindenfeld (Gemeinde Neu-Seenlan) müssen nicht umgesiedelt werden.

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See bei Welzow wird vielleicht kleiner

Damit trägt die Leag letztlich auch dem 2019 nach der Landtagswahl in Brandenburg ausgehandelten Koalitionsvertrag zwischen SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen Rechnung. Darin war vereinbart worden, dass es „keine neuen Tagebaue, keine Tagebauerweiterung und keine Umsiedlung von Dörfern“ mehr geben solle. Ursprünglich sollte Welzow II von etwa 2027 bis 2040 beansprucht werden. Mit der Kohle aus Welzow werden vor allem die Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe versorgt. Langfristig muss die Leag nun auch bei der Sanierung der Tagebaulandschaft umplanen. Nach der Kohle sollte ein rund 1.600 Hektar großer See bei Welzow entstehen. Der wird vielleicht kleiner.

Personelle Konsequenzen hat die neue Ausrichtung zunächst nicht, wie Leag-Sprecherin Kathi Gerstner informiert. Auf Tarifebene habe sich Leag aber bereits auf Instrumente zum Personalabbau und deren Konditionen verständigt. Mitarbeiter sollen vor allem altersbedingt ausscheiden, andere können ab dem Alter von 58 Jahren ein gesetzliches Anpassungsgeld erhalten.

In Sachsen wird die Braunkohleförderung im Tagebau Reichwalde im Landkreis Görlitz reduziert. Das ergebe sich aus den Vorgaben des Kohleverstromungsbeendigungsgesetzes, so der Leagsprecher. Damit werde der Bereich der Kommandantur des Bundeswehr-Truppenübungsplatzes Oberlausitz am Standort Haide nördlich von Görlitz nicht in Anspruch genommen. Hier geht es um 70 Millionen Tonnen Kohle, die nicht gefördert werden.

Mühlrose soll trotzdem abgerissen werden

Nichts ändert sich für das Dorf Mühlrose bei Trebendorf im Landkreis Görlitz. Die Ortschaft mit rund 200 Einwohnern liegt am Rande des Tagebaus Nochten. Es soll nach wie vor abgerissen, die Menschen umgesiedelt, die darunterliegende 150 Millionen Tonnen Braunkohle ab 2027 gefördert werden. Dafür gebe es „eine klare und nachweisbare energiepolitische und energiewirtschaftliche Notwendigkeit“, so Thoralf Schirmer. Aufgrund seiner Lage, der Beschaffenheit der Reichwalder Kohle sowie des Tagebaufortschritts gebe es dazu keine Alternative, um vor allem das Kraftwerk Boxberg langfristig zu versorgen. Die letzten beiden Blöcke dort sollen bis 2038 laufen. Erst kürzlich hatte eine Studie, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt worden war, ein anderes Szenario gezeichnet. Demnach könne man auf die Mühlroser Kohle verzichten und mehr Kohle aus Reichwalde fördern. Die Leag wies dies damals zurück, wegen der schlechteren Qualität des Reichwalder Brennstoffs.

Die Umsiedlung von Mühlrose läuft; es gibt einen rechtskräftigen Umsiedlungsvertrag. Recherchen vor Ort zeigten wiederholt: Die Mehrheit der Bewohner hat sich entweder damit abgefunden oder begrüßt das inzwischen. Nur ein kleiner Teil will bis heute nicht umziehen. Jörg Funda, der Amtsverweser und künftige Bürgermeister von Schleife, wo ein Großteil der Mühlroser leben wird, weiß aus seinen Gesprächen mit den Betroffenen vor allem: „Sie wünschen sich, zur Ruhe zu kommen.“

Die Umweltgruppe Cottbus kritisierte das neue Konzept. Es sei schon jetzt überholt. Um die EU-Klimaziele zu erreichen, müsse deutlich mehr Kohle im Boden bleiben, so Sprecher René Schuster.

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Auch Sachsens Grüne zeigen sich skeptisch. Das Revierkonzept der Leag ändere nichts am weiterhin fehlenden Nachweis der Notwendigkeit des Abbaus der Kohle unter dem Dorf Mühlrose“, teilt Daniel Gerber, energiepolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag mit. „Das Papier ist deshalb zunächst nichts mehr als ein Wunschzettel“, so Gerber. Welche Flächen am Ende tatsächlich in Anspruch genommen werden, entscheide sich durch ein Planfeststellungsverfahren. Die Partei fordert, dass keine weiteren Dörfer mehr abgebaggert werden. die Bündnisgrünen im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße begrüßen indes die Entscheidung zu Welzow II.

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