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Riesenglück: Reiche Ernte statt Dürre-Frust

Während die Landwirte im Norden des Kreises Görlitz unter der Trockenheit leiden, stehen ihre Kollegen im Süden überraschend gut da. Warum ist das so?

Nach einer guten Ernte im Süden des Kreises, wird schon wieder gesät: Hier soll für die Miku Oberseifersdorf nächstes Jahr Weizen wachsen.
Nach einer guten Ernte im Süden des Kreises, wird schon wieder gesät: Hier soll für die Miku Oberseifersdorf nächstes Jahr Weizen wachsen. © Matthias Weber/photoweber.de

Bauern klagen immer - sagt der Volksmund. Diesen Spruch kennt auch Robert Otto. "Natürlich", nickt er schmunzelnd, doch dann wird der Vorstand der Eibauer Agrargenossenschaft ernst: "Das wäre in diesem Jahr mit Blick auf die Ernte aber wirklich fehl am Platz", betont er und erklärt: "Wir haben Glück gehabt, der Regen ist immer dann in ausreichenden Mengen gekommen, wenn ihn die Pflanzen gebraucht haben." Dieses Glück hatten nicht nur die Eibauer: Viele Landwirtschaftsunternehmen haben inzwischen den vierten Grünschnitt des Jahres eingefahren - in den vergangenen zwei Jahren waren es auch mal nur drei oder gar zwei. Dieses Jahr können die Tiere ausreichend versorgt werden und vielleicht bleibt ein Futter-Polster. Auch bei Getreide und Raps war die Ernte eine gute bis sehr gute, beim Mais sieht es ebenfalls sehr gut aus.

Doch nur wenige Kilometer weiter, im ehemaligen NOL-Kreis, ist die Lage ganz anders: Während im Süden beispielsweise bei der Agrargenossenschaft Bertsdorf-Olbersdorf der Mais in Spitzen bis zu 3,50 Meter hoch steht, sind im Norden Werte um einen Meter keine Seltenheit. Außerdem ist der Mais im Norden sehr trocken und kann schlechter zu Silage verarbeitet werden - ganz anders als im Südkreis, bestätigt Knut Vorberger vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfUlG) auf Nachfrage. Auch beim Grünfutter gibt es diese sehr deutlichen Unterschiede: "Da war im südlichen Landkreis Menge und Qualität dieses Jahr gut gewesen, im nördlichen Landkreis wurde etwa ein Drittel weniger als üblich geerntet", sagt er.

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Auch die Eiszeit-Folgen spielen eine Rolle

Doch woher kommen die Unterschiede? Hat es schlicht weniger geregnet oder liegt alles nur am Boden? Es ist wohl eine Mischung aus beidem. In der für die Landwirtschaft besonders relevanten Zeit von Anfang März bis Ende August hat es in der südlichen Oberlausitz tatsächlich mit 366 Litern pro Quadratmetern rund 80 Liter mehr geregnet als im Norden, wo es nur 285 Liter waren. Das zeigen zumindest die Messstellen in Eibau für den Süd- und Baruth für den Nordkreis. Auch insgesamt war das Jahr im Süden feuchter.

Hinzu kommt die Bodenbeschaffenheit - ursprünglich durch Eiszeiten geprägt - die das Trockenheitsproblem im Norden verschärft. Denn die sandigen, leichten Böden können das Wasser nicht halten, es sickert schnell weg. "Die Grenze zwischen sandigem, leichten und schwerem, lehmigeren Boden verläuft etwa mit der Autobahn 4", sagt Kai Fischer von der Informations- und Servicestelle des Landesamtes in Löbau. Das kann man nicht nur an den Erträgen, sondern auch am Dürremonitor gut erkennen.

Ein Ausschnitt aus dem aktuellen Dürremonitor: Je dunkler, desto trockener ist der Gesamtboden. Das südliche Kreisgebiet ist deutlich heller gefärbt.
Ein Ausschnitt aus dem aktuellen Dürremonitor: Je dunkler, desto trockener ist der Gesamtboden. Das südliche Kreisgebiet ist deutlich heller gefärbt. © Quelle: UFZ/Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

Dass die Unterschiede zwischen Nord und Süd im Kreis so enorm sind, ist auch für den Vorstandsvorsitzenden der Agrargenossenschaft Bertsdorf-Olbersdorf, Harald Weickelt, verblüffend. "Dass wir mit unseren schweren Böden eine so viel bessere Weizenernte eingefahren haben, ist schon erstaunlich", ordnet er ein. Was den Niederschlag betrifft, so sei auch den eigenen Messungen zufolge das Jahr ein "ganz normales" gewesen. "Es gibt sogar wieder nasse Stellen auf manchen Flächen, etwas, das wir aus den vergangenen zwei Jahren gar nicht mehr kannten", sagt Weickelt. Der erfahrene Landwirt weiß aber auch, dass trotz eines normalen Regenjahres die Defizite in den tieferen Bodenschichten nicht ausgeglichen sind und das macht ihm und seinen Kollegen generell Sorgen.

Das ist auch bei der Agram in Ebersbach nicht anders. Momentan freut man sich da aber erst einmal, dass dieses Jahr erntetechnisch ein Jahr zum Durchatmen ist. Bei Weizen, Gerste, Raps war es mindestens ein gutes Jahr, bestätigt Katrin Tischer. Auch bei Kartoffeln, die jetzt aus dem Boden geholt werden, laufe es auf eine gute Erträge hinaus, optimistisch sei man auch bei Zuckerrüben und Mais. "Aber für die neue Aussaat könnte es jetzt schon wieder so langsam mal regnen", blickt Frau Tischer in die Zukunft.

Wetterextreme sind Herausforderung

Allerdings muss es nicht gleich so viel auf einer Stelle regnen wie bei der Schlammlawine in Oderwitz am Langen Garten, wo ein heftiger Guss den frisch gesäten Raps und vor allem reichlich Erde in Häuser, Höfe und auf Straßen gespült hat. "Das war wirklich eine sehr unglückliche Verkettung der Dinge, zwei Wochen zuvor oder zwei danach, wäre das so nicht passiert", erklärt Robert Otto von der Eibauer Agrargenossenschaft, deren Acker betroffen war. "Aber nach der Aussaat war der Boden eben noch locker, da kann man es nicht verhindern, dass bei einem solchen Regenguss auch Erde mit weggespült wird", bedauert er.

Auf solche Szenarien - plötzliche, heftige und zum Teil sehr lokale Regengüsse - müssen sich aber die Landwirte künftig ebenso einstellen wie eben auch auf Dürre. "Die Witterung und vor allem auch die Frage nach dem Wasser ist und bleibt eine Herausforderung für die Landwirtschaft", betont Kai Fischer. Dass bei dieser zunehmenden Unberechenbarkeit die Erträge stetig wachsen werden - wie in vergangenen Jahrzehnten - sieht er nicht. Was am Ende geerntet werden kann, wird zunehmend auch vom Boden abhängen. 

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