merken
PLUS Freital

Tharandts Umwelt-Proteste

Seit fast zwei Jahren gehen die Klima-Aktivisten auf die Straße - auch in Tharandt. Was sie von Fridays for Future unterscheidet.

Paula Sinapius und Robin Vollhardt von „Tharandt for Future“ sind zwar keine Schüler mehr, haben aber trotzdem viel an der Umweltpolitik zu kritisieren.
Paula Sinapius und Robin Vollhardt von „Tharandt for Future“ sind zwar keine Schüler mehr, haben aber trotzdem viel an der Umweltpolitik zu kritisieren. © Norbert Millauer

Es war im Sommer 2019, als Paula Sinapius aus Spechtshausen einen Aufruf startete. Gemeinsam mit Thomas Ristau wollte sie, dass Fridays for Future nicht nur in Dresden sondern auch in der umliegenden Region aktiv wird. Und so stand sie mit 40 weiteren Bürgern am 20. September 2019 erstmalig vor dem Tharandter Rathaus. Seitdem gab es immer wieder Aktionen von Tharandt for Future(TFF). Warum es TFF braucht, erklären die Forststudentin Paula Sinapius und der Gitarrenlehrer Robin Vollhardt. Beide sind zwar keine Schüler mehr, aber trotzdem Anhänger von Tharandt for Future.

Warum engagiert ihr euch bei Fridays for Future?

Anzeige
Dieses Jahr etwas Besonderes verschenken
Dieses Jahr etwas Besonderes verschenken

Auf der Suche nach einem perfekten Geschenk? Ein Geschenk, das nicht sofort wieder weggelegt wird, sondern das ganze Jahr über hält?

Paula: Man könnte auch die Gegenfrage stellen: Warum engagiert sich jemand nicht für Fridays for Future oder eine ähnliche Initiative? Wenn man sich die ganzen Geschehnisse auf der Welt anschaut, dann kann man eigentlich nicht mehr leugnen, dass sich etwas ändern muss.

Wieso sollte sich etwas ändern?

Robin: Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet. Das Bundesnaturschutzgesetz verpflichtet uns, die ökologischen Grundlagen für Leben und Gesundheit auch in Verantwortung für zukünftige Generationen zu erhalten und zu schützen. Und auch die Klimaabkommen von Rio de Janeiro und Paris ziehen uns in die Verantwortung. Es gibt so viele Gründe, warum wir es müssen, dass man die Frage, warum wir es machen, gar nicht mehr stellen dürfte. Letztlich ist es die Frage: Warum agiert eigentlich niemand danach?

Warum braucht es ein eigenes Tharandt for Future?

Robin: Tharandt als Wiege der Nachhaltigkeit und Forstwissenschaft ist 300 Jahre nach diesen bahnbrechenden Erfindungen eben doch nur eine ganz normale Kleinstadt. Es wäre schön, wenn die Grundsätze der Nachhaltigkeit auch in der realen Stadtpolitik ankommen würden. Außerdem finde ich es sinnvoll, hier vor Ort aktiv zu werden. Es macht eben doch einen großen Unterschied, ob zehn Leute aus Tharandt auf einer 10.000 Mann starken Demo in Dresden sind oder stattdessen zehn Menschen in Tharandt protestieren. 

Was macht "Tharandt for Future" neben Demos noch?

Paula: Unser erster großer Schritt war es, aus der "Filterblase" rauszukommen. Bei den Demonstrationen sprechen wir ja besonders Sympathisanten an, die sich bereits für das Thema engagieren und interessieren. Deshalb wollten wir ein neues Format schaffen, wo wir wirklich auf Augenhöhe ins Gespräch kommen. Das funktioniert unserer Meinung nach nicht im Stadtrat. Daraus entstand dann das Format "Tharandt spricht". Das offene Gesprächsformat  wurde  am 7. September 2020 zum ersten Mal in der Kuppelhalle Tharandt veranstaltet und vom Kulturbüro Sachsen e.V. moderiert.

Über welche Themen habt ihr gesprochen?

Paula: Wir haben über Bürgerbeteiligung gesprochen, weil wir denken, dass sich die Strukturen ändern müssen, um wirklich Klimaschutz betreiben zu können. Es braucht andere Formate, wo Bürger und Bürgerinnen mitwirken können. So haben wir über Hindernisse sowie Chancen der Bürgerbeteiligung geredet und wie man die Hürden überwinden kann. Es wurde sehr kontrovers und breit diskutiert. Mit dabei waren Vertreter aus Politik und Verwaltung, aus der Universität und interessierte Einwohner. Wir haben es geschafft, aus unserer Blase rauszukommen. Letztendlich gab es viel positive Resonanz und viele Teilnehmer haben gesagt, dass es gut ist, so ein Format zu haben, wo man wirklich offen diskutieren kann. Wir wollen das im nächsten Jahr fortsetzen.

Was fordert ihr von der Stadt Tharandt?

Robin: Wir möchten, dass sich die Stadt mit einer Vision klar positioniert. Wir wollen, dass die Stadt eine Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit einnimmt - mit allem was dazu gehört. Dazu müssen wir als Stadt aber zuerst Bereitschaft aufbringen. Wir müssen unseren Verbrauch von Ressourcen drastisch senken. Wir müssen etwas machen, dass nicht im Sinne des herkömmlichen Wirtschaftswachstums nach vorne geht, nicht Neues baut, nicht mit Geld messbar ist, sondern wo es um andere Werte geht, wie zum Beispiel um saubere Luft oder gute Böden.

Das klingt sehr abstrakt. Was heißt das denn konkret für die Stadt, eine Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit einzunehmen?

Paula: Auch wenn die Möglichkeiten begrenzt, und Geld sowie Zeit knapp sind, muss etwas verändert werden. Unsere wichtigste Forderung ist, dass in allen Beschlüssen der Stadt der Klimaschutz mitgedacht werden muss. Wir brauchen ein umfassendes Klimaschutzkonzept, welches auch zügig umgesetzt wird.

Was sind eure nächsten Schritte?

Paula: Am 6. November planen wir  um 12 Uhr eine weitere Demo vor dem Tharandter Rathaus und am 1. Februar 2021 gibt es wieder eine Veranstaltung von "Tharandt spricht". Außerdem kann man jeden Montagnachmittag an unserem Plenum teilnehmen. Bei uns sind Schüler, Studierende, Eltern und Wissenschaftler aktiv. Es ist jede und jeder willkommen. Den Weg zu uns findet man am besten über einen Kontakt via E-Mail.

Warum sollte man bei Tharandt for Future mitmachen?

Paula: Weil man zusammen noch mehr bewirken kann. Wenn wir mehr Menschen sind, dann können wir mehr anpacken. Man fühlt sich wirksam, kriegt Einblicke in die Kommunalpolitik, bildet sich weiter. Man kann aktiv was verändern und ein konkretes Projekt angehen. Das ist ein Weg seine unmittelbare Lebensumgebung zu gestalten. Wir lernen auch immer wieder voneinander und hinterfragen unsere bisherigen Gewohnheiten.

Was sind eure ganz persönlichen Tipps, um die Umwelt zu schützen?

Paula: Lieber lokal und saisonal und Bio einkaufen. Weniger Plastikmüll produzieren. Weniger tierische Produkte konsumieren. Mehr reparieren, statt wegschmeißen. Weniger fliegen, weniger Auto fahren und mehr den ÖPNV nutzen. Es ist ganz einfach: Weniger ist oft mehr. Und natürlich: darüber mit anderen reden, was man verändern kann, wie man sich einsetzen kann. 

Weiterführende Artikel

Die Stadt Tharandt entscheidet, aber wie?

Die Stadt Tharandt entscheidet, aber wie?

Wie kann man sich als Bürger in der Kommune einbringen? Eine Online-Veranstaltung in Tharandt will darauf Antworten finden.

Deutschlands einziger Klimastreik

Deutschlands einziger Klimastreik

Mit Maske stehen sie in Tharandt vor dem Rathaus - es ist die einzige Fridays-for-Future-Demo deutschlandweit. Warum die Aktivisten trotzdem auf die Straße gehen.

Robin: Ich komm da schwer an einer Systemkritik vorbei. Ich würde sagen: Wenn ihr wollt, dass es euren Kindern später gutgeht, dann baut nicht noch mehr. Wir können diese Form von Wohlstandswachstum, das in den letzten Jahrzehnten tatsächlich für Verbesserungen gesorgt haben mag, nicht mehr betreiben. Wir müssen schauen, was es tatsächlich für ein gutes Leben braucht. Und mein Tipp: Mehr spazieren gehen, als in den Urlaub zu fliegen.

Mehr Nachrichten aus Freital und Umgebung lesen Sie hier.

Täglichen kostenlosen Newsletter bestellen.

Mehr zum Thema Freital