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Sachsen

Leipziger erfinden App gegen Schmerzen

Sie kommen aus dem Sport und haben eine digitale Knie-Therapie erfunden. Die Firma eCovery ist für den Preis „Sachsen gründet – Start-up 2021“ nominiert.

Sie bewerben sich um den Preis bestes Start-up 2021: Die Chefs der Leipziger Firma eCovery Benedict Rehbein, Marcus Rehwald und Dr. Alexander Georgi (v.l.n.r.).
Sie bewerben sich um den Preis bestes Start-up 2021: Die Chefs der Leipziger Firma eCovery Benedict Rehbein, Marcus Rehwald und Dr. Alexander Georgi (v.l.n.r.). © Andre Kempner

Von Andreas Dunte

Sie kommen beide aus dem Leistungssport und beide haben sie mit Knieproblemen zu tun. Der eine behandelt täglich Patienten mit diesen und anderen Leiden. Dem anderen ist schon zweimal selbst das Kreuzband gerissen. „Dieses verbindende Element hat uns letztlich auf die Idee gebracht, eine Firma zu gründen“, meint Benedict Rehbein.

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Rehbein war wie sein Freund Alexander Georgi Ringer, trainierte wie er im Leipziger Leistungszentrum. „Alexander bevorzugte den griechisch-römischen Stil, ich war Freistilkämpfer“, meint Rehbein und erklärt damit auch die stärkere Belastung seiner Knie im täglichen Training. Beruflich trennten sich die Wege der beiden: Der Schwabe Rehbein studierte Kommunikationswissenschaften an der Uni Leipzig, der Vogtländer Georgi Medizin, war nach dem Studium erst beim St. Elisabeth und später im Uniklinikum als Unfallchirurg tätig.

Bei einem Treffen erzählte der Chirurg seinem Trainingskameraden Rehbein von den Problemen, die Patienten abseits des betreuten Trainings im Krankenhaus oder der Praxis haben. „Die OP verläuft prima. Aber bei der ambulanten Reha hat es in den letzten Jahren so gut wie keine technischen Fortschritte gegeben.“

Was nicht an den Physiotherapeuten liegt, so der Doktor der Medizin, sondern am Heimtraining der Patienten: „Die meisten halten da einen Zettel mit Übungen in der Hand. Das war es dann aber auch schon. Wie oft, wie gut und mit welchem Erfolg Patienten zu Hause trainieren, ist für die Behandler meist nur eine Blackbox. Dabei ist die Reha zu Hause wesentlicher Bestandsanteil des Heilungsprozesses.“

So entstand die Idee zu einer digitalen Therapie-App. „Wir hatten die Vision, endlich das neueste medizinische Wissen und die heutigen digitalen Möglichkeiten zusammenzubringen, um damit möglichst vielen Patienten zu helfen.“ Rehbein nennt das den „Physiotherapeut für die Hosentasche“. Und ein Smartphone habe heute fast jeder. „Wer seinen Enkeln eine WhatsApp senden kann, kann auch mit eCovery trainieren.“ So lautet der Name des Programms. eCovery, sagt der Chirurg Georgi, bietet medizinisch fundierte Trainingsvideos in einem festen Rahmen, der von Ärzten und Therapeuten mit entwickelt wurde. So kann jeder Patient zu Hause unter einer digitalen Anleitung trainieren, Muskeln aufbauen und die Stabilität erhöhen.

Klingt einfach, ist es aber nicht. Um ein solches Medizinprodukt auf den Markt zu bringen, bedarf es eines hohen Aufwands. Bei eCovery sind es rund 900 A4-Seiten Dokumentation, die die Sicherheit des Produktes garantieren sollen. Ohne das Uniklinikum Leipzig, das bei der „Geburt“ mitgeholfen hat und wo derzeit eine vielversprechende Studie läuft, wie Georgi sagt, wäre es nicht gegangen.

Und auch nicht ohne den dritten Mitgründer und Juristen Marcus Rehwald: Mit ihm zusammen haben Benedict Rehbein und Alexander Georgi die eCovery GmbH gegründet und starten nun die Digitalisierung der Rehabilitation. Der gebürtige Südthüringer Rehwald wollte nach dem 1. Staatsexamen noch etwas Neues probieren und mehr für die Gesellschaft bewirken. Aus Sicht seiner beiden Mitstreiter ist er dafür bei eCovery als Geschäftsführer nun genau an der richtigen Stelle.

Als erste Anwendungsfälle für die Therapie-App hat das eCovery-Team Patienten mit Knieschmerzen wie zum Beispiel Meniskusproblemen oder Arthrose ausgewählt. Das kommt laut dem Marketingexperten Rehbein genau zur richtigen Zeit. Statt in Corona-Zeiten lange mit dem Bus oder der Bahn zur Reha zu fahren, kann der Patient zu Hause trainieren. eCovery bietet Trainingsvideos, gibt Anleitungen, dokumentiert und erinnert auch an noch ausstehende Übungen.

Allen Reha-Zentren, Therapiepraxen und den unter der Krise leidenden Gesundheits- und Reha-Sportvereinen bundesweit bieten die Leipziger die Lösung derzeit günstiger (knapp 40 Euro für zwölf Wochen Trainingstherapie) an – so können Reha-Sportler während des Lockdowns zu Hause weiter trainieren. Und mit Physiotherapeuten in ganz Sachsen arbeiten die Leipziger Seite an Seite, wie Marcus Rehwald betont: „Wir wollen die Physiotherapie mit eCovery ja nicht ersetzen, sondern ihre wertvolle Arbeit ergänzen – und damit gemeinsam Patienten schneller und besser wieder gesund machen.“

Finanzielle Unterstützung für dieses Vorhaben erhalten die drei Gründer unter anderem aus europäischen Fördermitteln, vom Freistaat Sachsen und auch von der Stadt Leipzig. Die Firma selbst ist im „Spin Lab“, der Leipziger Heimat für Start-ups, untergebracht und dort bereits auf 12 Mitarbeiter angewachsen, darunter IT-Spezialisten, eine Motivationspsychologin und eine Expertin für künstliche Intelligenz.

Der Wirtschaftspreis „Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von Sächsischer Zeitung, Freier Presse, Leipziger Volkszeitung und MDR sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft KPMG, der LBBW und der Gesundheitskasse AOK Plus. Alle nominierten Unternehmen und alle wichtigen Infos finden Sie unter www.unternehmerpreis.de

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