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Zehn Wochen warten auf einen Handwerker

Übervolle Auftragsbücher sorgen gleichermaßen für Freude und Frust. Kunden in Sachsen brauchen neben Zeit auch mehr Geld.

Ein Elektriker ist mit aufgerollten Kabeln und einem Akkuschrauber auf dem Weg zu einer Baustelle.
Ein Elektriker ist mit aufgerollten Kabeln und einem Akkuschrauber auf dem Weg zu einer Baustelle. © Julian Stratenschulte/dpa (Archivbild)

Dresden. Erst Corona. Dann fehlendes Personal und Material. Schließlich die Folgen der jüngsten Hochwasser. Und außerdem sind auch noch Ferien. Kunden von Handwerkern brauchen in diesen Wochen viel Geduld – und auch mehr Geld.

„Ein Großteil der Betriebe hat gut zu tun und verzeichnet langsam steigende Auftragseingänge“, heißt es auf SZ-Anfrage von der Dresdner Handwerkskammer. Insbesondere am Bau und im Ausbau seien die Bücher voll, wenn auch nicht mehr ganz so extrem wie noch vor Monaten.

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Der Garten verwöhnt im Spätsommer mit frischem Obst und Gemüse. Und langsam heißt es auch, sich auf den Herbst und die anstehenden Arbeiten vorzubereiten.

Je nach Branche, Betrieb und Coronaschutzregeln gibt es große Unterschiede. Während der Bau am Limit arbeitet, sind Friseure, Goldschmiede, Fotografen, Maßschneider zu gut zwei Dritteln ausgelastet.

Die Aufträge reichen im Schnitt über alle Gewerke für zehn, am Bau sogar fast 14 Wochen. Dort hat sich die Lage verschärft. Der deutsche Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hatte im Juni noch von im Mittel neun Wochen Wartezeit gesprochen. Schwer haben es kleine und unlukrative Berufe. Maler, Klempner, Elektrotechniker, Tischler, Raumausstatter, Fliesenleger und Glaser haben in Ostsachsen einen Auftragsbestand von gut elf Wochen.

Viele Branchen leiden unter Materialmangel

Die Dresdner Kammer betont: „Bei Notfällen wie Havarien, defekter Heizung oder defektem Abfluss agieren die Betriebe natürlich sofort und sind zur Stelle.“ Das andere Problem: Materialmangel. So klagen Zweiradmechaniker über fehlende Ersatzzeile und Komponenten aus Asien. Zugleich sei die Nachfrage nach Fahrrädern gestiegen. Und was knapp ist, wird entsprechend teurer. Preisschwankungen bei Holz, Stahl, Dämmstoffen und lange Lieferfristen machen vor allem dem Bau zu schaffen. Unterbrochene Lieferketten sowie der Boom in China und den USA sind Auslöser für Engpässe und Teuerung.

Abzuwarten bleibe, inwieweit sich der Wiederaufbau nach dem Hochwasser auswirken werde, heißt es von der Kammer. Trotz steigender Ausbildungszahlen sei der Fachkräftebedarf weiter sehr hoch. So könnten Firmen Aufträge wegen fehlender Mitarbeiter nicht übernehmen oder abarbeiten, erklärt die Interessenvertretung von 22.300 Betrieben in Dresden sowie in den Landkreisen Bautzen, Görlitz, Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

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Wann sich die Lage normalisieren wird, dazu lasse sich wegen der Pandemie „keine seriöse Aussage treffen“, so die Kammer. „Wir brauchen eine durchdachte und längerfristige Strategie, um Leben und Wirtschaften mit und trotz Corona zu ermöglichen“, sagt Kammerpräsident Jörg Dittrich. Regionale Zulieferketten müssten gestärkt werden. Ein erneuter Lockdown, das Schließen von Geschäften oder Betrieben müsse unbedingt verhindert werden.

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