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Nach B178-Absage: Neue Idee vom Landrat

Bernd Lange schlägt die Leistungssteigerung anderer Bundesstraßen vor. Das brächte dem Südkreis gleich zwei schnelle Trassen.

Görlitz' Landrat Bernd Lange hat eine sinnvolle Alternativ-Idee zur abgesagten Verlängerung der B178.
Görlitz' Landrat Bernd Lange hat eine sinnvolle Alternativ-Idee zur abgesagten Verlängerung der B178. © Nikolai Schmidt Archiv

Die Sächsische Staatsregierung hat jüngst allen Hoffnungen und Vorstellungen eine Absage erteilt, die Schnellstraße B178 künftig von der A4 weiter in Richtung Norden bis zur A15 bei Cottbus  weiterzubauen. Die Befürworter versprechen sich davon einen besseren Anschluss der Oberlausitz an den Ballungsraum Berlin. Die Staatsregierung argumentiert jedoch, weder würde diese zusätzliche Straße wirklich gebraucht, noch stünde ihr Nutzen in Verhältnis zu den erwartbaren Baukosten. Gegen diese Absage regt sich nun Widerspruch - andere dagegen begrüßen die Entscheidung der Staatsregierung.

Mächtigste Stimme im Konzert der Kritiker ist die von Görlitz' Landrat Bernd Lange (CDU). "Die Absage, wenn es um eine leistungsfähige Straße geht, ist kontraproduktiv zu den Ansätzen des Strukturwandels", sagt er auf SZ-Anfrage. Andererseits ist Lange Realist und weiß, wie lange die Planung und der Bau einer solchen Verlängerung dauern würden. Daher fordert er für den Landkreis eine leistungsfähige Alternative - die noch dazu viel schneller zu realisieren wäre.

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Ausbau von B99 und B115 würde Zittau genauso nutzen

Dreh- und Angelpunkt seiner Überlegungen ist die Ertüchtigung der B115, die von Görlitz aus auf rund 100 Kilometern Strecke zur A15 führt. "Die Leistungsfähigkeit der B115 entspricht nicht dem, was wir brauchen. Unsere Forderung ist daher, die B115 auszubauen", sagt der Landrat. Unter diesen Umständen wäre eine Verlängerung der B178 verzichtbar. "Der Lkw-Verkehr könnte dann vom B178-Autobahnanschluss in Weißenberg auf der A4 bis Kodersdorf fahren und dort auf der B115 in Richtung Norden", erklärt er. Für diese Leistungssteigerungen wäre der Bau von Ortsumfahrungen in Kodersdorf, Rietschen und Krauschwitz erforderlich. In Niesky sei die Ortsumfahrung bereits realisiert.

Als zweite dringende Maßnahme fordert Lange den Bau einer Ortsumfahrung Görlitz der B99, die bei Markersdorf an die bereits bestehende Görlitzer Ortsumfahrung der B6 anschließen würde. Das würde auch dem Südkreis enorme Vorteile bringen. "Von Zittau aus gäbe es dann mit der  B178 und der B99 zwei Routen, schnell in Richtung Norden zu kommen", erklärt der Landrat und: "Das wäre eine zukunftsfähige Straßeninfrastruktur und schnell realisierbar." Wenn man es jetzt angehe, könnten B99 und B115 im Jahr 2038 entsprechend ausgebaut sein. Mit Blick auf den Zuzug neuer Unternehmen sagt Bernd Lange: "Wenn jemand hier investieren will, dann schaut der: Bauen die oder reden die nur?"

Hat die B178-Verzögerung schon eine Firma vertrieben?

"Das ist ein klares Votum gegen die Entwicklung der Region", empört sich Michael Hiltscher, CDU-Kreisrat und Sprecher der "Interessengemeinschaft B178" (IG B178). Die Argumentation, dass es mit drei Bundesstraßen bereits genügend leistungsfähige Nord-Süd-Verbindungen in der Region gebe, will er nicht gelten lassen. "Wer den Strukturwandel sieht, der uns hier erwartet, muss Angebote für Investoren bereitstellen", sagt Hiltscher.

Ohne entsprechende schnelle Straßenverbindungen würden sich Investoren gar nicht erst ansiedeln - oder gar abwandern. Als Beispiel nennt Hiltscher etwa die beschlossene Schließung der zur "Confiserie Riegelein" gehörenden Schokoladenfabrik Kathleen in Oderwitz. Schon Hans Riegelein habe stets betont, wie wichtig ein zügiger Ausbau der B178 für das Unternehmen sei. "Die Straße spielt eine besondere Rolle beim Weggang von Riegelein", sagt Hiltscher. Er denkt auch über die südlichen Grenzen der Oberlausitz hinaus. "Die Verlängerung der B178 würde auch im böhmischen Bereich die Entwicklung von Industriegebieten fördern, weil die so schnell an den norddeutschen Raum und auch die Häfen angebunden würden", argumentiert Michael Hiltscher.

Er hält auch die Auslastungsprognose für die bereits jetzt geplanten Abschnitte der B178 für falsch, aufgrund derer nur ein dreispuriger statt vierspuriger Ausbau realisiert wird. "Es ist bundesweit so, dass eine nur in Teilabschnitten gebaute Straße weniger genutzt wird als eine fertige", sagt Hiltscher. Man könne vorher gar nicht seriös sagen, wie viele Fahrzeuge eine vollständig fertiggestellte Trasse mal nutzen würden. Als Beispiel führt er an, dass tatsächlich etliche Lkw auf dem Weg zur A4 gar nicht den (vierspurigen) Streckenabschnitt der B178 zwischen Löbau und Nostitz nutzen, sondern ab Löbau über die B6 und Bautzen fahren. "Dieser B178-Abschnitt ist in vielen Lkw-Navigationsgeräten gar nicht verzeichnet", sagt er.

Lieber in Schienen-Verbindungen investieren

Begrüßt wird die Absage der B178-Verlängerung dagegen von den Grünen im Landkreis. "Es gibt kein größeres öffentliches Interesse daran", sagt Kreisvorstand Sylvio Pfeiffer-Prauß auf SZ-Anfrage. Der Wunsch nach der Verlängerung sei eine "merkwürdige Idee einzelner politischer Akteure." Er jedenfalls kenne im Südkreis niemanden, der eine solche Verlängerung gefordert hätte. Die Forderung käme vielmehr von "einzelnen Interessenträgern im ländlichen Raum" entlang der Trasse, auf der die verlängerte B178 verlaufen wäre. "Wem soll diese Straße nutzen, wenn wir drei Bundesstraßen flankirend haben?", fragt Pfeiffer-Prauß. 

Der Grünenpolitiker verlangt vielmehr eine Stärkung und Wiederbelebung von Schienenverbindungen. Wenn man die Verkehrswende in der Oberlausitz schaffen und die Klimaziele einhalten wolle, sei es verfehlt, jetzt noch damit zu beginnen, Straßen mit langfristigen Planungszeiträumen zu planen. Allerdings sprechen sich die Grünen für eine zügige Fertigstellung der bereits beschlossenen Abschnitte der B178 aus. "Jetzt, wo sie angefangen wurde, ist es wichtig, sie zügig fertigzustellen, um ihr überhaupt noch einen Nutzen zukommen zu lassen", sagt er. Das würde vielen Orten entlang der alten B178-Führung und auch entlang der B6 Entlastung bringen.

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