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Womit der Ex-Theater-Chef bei "Bares für Rares" verblüfft

Der einstige Geschäftsführer des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau will in der Show ein Armband verkaufen - und fällt damit doppelt aus dem Rahmen.

Horst Lichter und Dr. Heide Rezepa-Zabel. Die Expertin nahm auch das Armband von Caspar Sawade unter die Lupe.
Horst Lichter und Dr. Heide Rezepa-Zabel. Die Expertin nahm auch das Armband von Caspar Sawade unter die Lupe. © Copyright: ZDF/Frank Dicks

Caspar Sawade kennt sich als Theater-Mann mit Inszenierungen aus. Aber dass sich Horst Lichters Stirn beim Anblick des alten Korallen-Armbands so sehr in nachdenkliche Falten legt, hat auch der einstige Kaufmännische Geschäftsführer des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau nicht erwartet. "Wahnsinniger Raubbau" an der Natur sei bei der Korallenernte - auch für dieses Armband - betrieben worden, betont Lichter bei seiner Zwischenfrage. Eindeutig die Schattenseite des ansonsten wunderschönen und sehr gediegenen Armbandes, das Sawade zum Verkaufen mitgebracht hat. Expertin Heide Rezepa-Zabel bestätigt dann auch, dass man die Korallenernte inzwischen zum Schutz eingedämmt habe, aber in der Tat im 19. Jahrhundert darauf wenig geachtet wurde. Koralle hatte eben Konjunktur.

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Caspar Sawade war viele Jahre Geschäftsführer des Theaters Zittau.
Caspar Sawade war viele Jahre Geschäftsführer des Theaters Zittau. © Matthias Weber/photoweber.de (Archiv)

Diese Wendung kam in der Sendung, die am 1. September ausgestrahlt wurde, völlig überraschend. "Nein, das hat sich auch im Vorfeld nicht abgezeichnet", sagt Sawade, der seit rund einem Jahr als geschäftsführender Direktor am Stadttheater Lübeck tätig ist. Gemeinsam mit seiner Partnerin Livia Knebel, die beim Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien arbeitet, war er zur Aufzeichnung der Sendung angereist. Dass sie als Paar aus Görlitz bezeichnet wurden, auch wenn Sawade jetzt im Norden Deutschlands lebt, kommt dabei nicht von ungefähr: "Die Aufzeichnung war im Winter 2020/21 und beworben habe ich mich mit dem Armband sicherlich rund zwei Jahre zuvor", sagt er der SZ am Telefon. Damals war er in der Tat noch Görlitzer - und hat auch jetzt noch einen Zweitwohnsitz in der Oberlausitz, wo seine Partnerin nach wie vor wohnt.

Aufregung nicht nach Drehbuch

Die Aufregung um das Armband und die Korallen-Produktion, die dann auch in verschiedenen Berichten nach der Sendung nochmals verstärkt wurde, kann Sawade nicht ganz teilen: "Das Stück ist nun einmal in der Welt - mit den Sünden von vor rund 100 Jahren", sagt er - und fügt hinzu: "Ich würde heute selbstverständlich keinen Schmuck aus Raubbau kaufen, aber es ist nun einmal da." Wenn es danach gehe, müsse man bei allen kunstvollen Elfenbeinschnitzereien oder sogar beim Betrachten der Pyramiden in Ägypten ein schlechtes Gewissen haben. Denn auch da wurden Tiere oder eben Menschen nicht geschont.

Dass er das Armband überhaupt angeboten hat, hatte mit dem Korallen-Thema nichts zu tun. "Es war schon lange im Besitz der Familie und lag mit drei, vier Ringen und anderem Kleinkram in einer Schachtel", sagt der Mann, der die Dreharbeiten sehr interessant und angenehm empfunden hat. Das Armband sei das wertvollste Stück gewesen - aber es hat schon lange eben niemand mehr getragen. "Vermutlich stammt es von einem Teil der Familie, der einst in Wien gelebt hat", schätzt Caspar Sawade. Ganz genau weiß er es nicht.

Ein echtes Stück "Bella Italia"

Wenn schon die Familien-Analen nicht viel erzählen, so hofften der Theater-Mann und seine Partnerin, wenigstens von den Experten etwas mehr zu dem Schmuckstück zu erfahren - und nebenbei ein hübsches Sümmchen zu erlösen, dass vielleicht nicht nur für ein Abendessen reicht, sondern auch als Reisekasse gut wäre. Was die Infos betrifft, so konnten die Experten durchaus einiges erzählen: Heide Rezepta-Zabel schätzt die Entstehungszeit des sechssträngigen Armbandes mit den handgefertigten Perlen und dem auffälligen Frauenkopf-Verschluss, der in Gold und Emaille eingefasst ist, auf 1830 bis 1850. Typisch waren solche Arbeiten für Italien, zumal die Sardegna Koralle - eine Koralle aus dem Mittelmeer, benannt nach dem Fundort nahe Sardiniens - dort abgebaut wurde.

Was den Preis angeht, so machte Frau Rezepa-Zabel allerdings nicht viel Hoffnung auf die erhofften 1.000 Euro. 750 bis 800 Euro schätzte sie - und Horst Lichter reichte den beiden Görlitzern dann das Händlerkärtchen. Verkaufen wollten sie trotzdem, machten sie klar. Dass ihnen das am Ende nicht schwer fiel, war rasch zu erkennen - und war wohl die zweite Überraschung bei der Sendung. Denn Händlerin Susanne Steiger war von dem gut erhaltenen und alten Stück buchstäblich verzückt. Rasch war der Preis auf 1.100 Euro geklettert - was Caspar Sawade und Livia Knebel gern hörten. Auf die Frage, warum sie denn das tolle Schmuckstück abgeben wollten - wo doch Koralle Glück bringen soll - antwortete Sawades Partnerin nur lächelnd: "Wir haben so viel Glück, da können wir gern davon abgeben."

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Das letzte Quäntchen Glück lässt nach dem Verkaufserfolg nun aber doch noch etwas auf sich warten: Die angekündigte Reise, für die beide das Geld nutzen wollen, haben sie noch nicht antreten können. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Update, 21. September, 14 Uhr: In einer vorangegangenen Version wurde der Anschein erweckt, dass seine Lebensgefährtin mit Caspar Sawade in den Norden umgezogen ist. Sie lebt aber weiterhin in Görlitz und arbeitet nach wie vor für den Kulturraum.

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