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Loriot mit Mundschutz

Das Zittauer Theater eröffnete die Spielzeit am Sonnabend mit beliebten und bekannten Sketchen. Und startete damit in eine ungewöhnliche Saison.

"Loriot" im Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau auf einer zweistöckigen Bühne.
"Loriot" im Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau auf einer zweistöckigen Bühne. © Pawel Sosnowski

Wie kein Zweiter hat Loriot das Missverständnis zwischen Mann und Frau in kleine, unvergessliche Szenen gebannt. Die "Ich bringe sie/ihn um"-Sketche sind inzwischen fast 50 Jahre alt, viele Männer kochen heute ihr Frühstücksei selber und Frauen empfehlen keine "Illustrierten" mehr, wenn der Mann untätig zu sein scheint. Dennoch wird die Art misslingender Kommunikation, wie Vicco von Bülow sie zugespitzt hat, wohl immer etwas sein, in dem sich Paare wiedererkennen. 

"Das Ei ist hart"

Darauf baut das Zittauer Theater mit seiner ersten Premiere "Loriot", in der eheliche Szenen um das harte Ei, den kaputten Fernseher und den Mann, der "einfach nur hier sitzen" möchte, zu den sicher bekanntesten und beliebtesten zählen. 

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Doch auch die Politikerin, die eine flammende Rede aus Worthülsen hält, die Finanzexperten, die mit einem Schwall an Fachwörtern den Betrug am "Kleinsparer" verbergen, oder der Nachrichtensprecher, der die hohe Steuerermäßigung erklärt, die dem 95-jährigen Arbeitnehmer mit seinen 53 Kindern zugutekommt, haben nichts an Aktualität verloren. Die Zuschauer jubeln mit gutem Grund.

Sechs Darsteller in vielfältigen Rollen

Sabine Krug, Martha Pohla, Uwe Körner, Paul Nörpel, Markus Wickert und Tilo Werner begeistern in den verschiedensten Rollen, ob als Einzeldarsteller, als Duo – wie Tilo Werner mit Sabine Krug als Ehepaar oder mit Paul Nörpel in der Badewanne –, als größere Besetzung in Sketchen wie "Lottogewinner" und "Ein Klavier, ein Klavier" oder als Gesangsensemble, das makabere Lieder singt. 

Der Badewannen-Sketch mit Paul Nörpel als Dr. Klöbner und Tilo Werner als Herr Müller-Lüdenscheidt in der Zittauer Inszenierung "Loriot".
Der Badewannen-Sketch mit Paul Nörpel als Dr. Klöbner und Tilo Werner als Herr Müller-Lüdenscheidt in der Zittauer Inszenierung "Loriot". © Pawel Sosnowski

So ist das Theater mit viel Humor und einem zufriedenen Publikum am Sonnabend in die neue Spielzeit gestartet. Eine ungewöhnliche Spielzeit selbstverständlich, die von Corona geprägt ist und die damit verbundenen Bedingungen und Besonderheiten zum Thema macht – sowohl in der Auswahl der Inszenierungen, die in den kommenden Monaten das Thema "Isolation" in den Fokus rücken werden, als auch in der ersten Premiere. Die war zugleich die Eröffnungsgala, eine "Spielzeiteröffnungspremierengala", wie Schauspielintendantin Dorotty Szalma zu Beginn des Abends sagte.

"Sie werden platziert" – und bedient

Durch Corona ist das Theatererlebnis schon rein äußerlich verändert: Das Publikum sitzt bequemer denn je im Saal. Jede zweite Reihe ist ausgebaut, zwischen den Zuschauergruppen sind zwei Sessel Abstand, an kleinen Tischen werden Getränke am Platz serviert. Doch auch auf der Bühne ist Corona mit dabei – dort in Gags verpackt, die nicht von Loriot stammen. Den Ruf nach Abstand gibt es in Patricia Hachtels Inszenierung genauso wie den Kellner mit Mundschutz oder den Paarberater, der sich die Hände desinfiziert, bevor er die Ehepaar zum Küssen auffordert. 

Zwischen den Sketchen braucht es keinen Umbau, weil sich die zweistöckige Bühne, ebenfalls von Patricia Hachtel erdacht, durch farbige Projektionen verändert. Stattdessen sorgt nach jeder Szene jemand mit summendem Handstaubsauger für den Abstand zum nächsten Sketch. Als Parallele dazu geht auch in der Pause im Saal jemand herum, der die Tische der Zuschauer summend säubert, was die Leute amüsiert.

Ausblick auf die Spielzeit

Es wurde aber nicht nur Staub gesaugt zwischen den Sketchen. Hin und wieder verirrten sich auch Figuren aus den kommenden Stücken der Spielzeit zwischen die Loriot'schen Szenen. Das Biest aus dem diesjährigen Weihnachtsmärchen ab 7. November "Die schöne und das Biest" hatte einen kurzen Auftritt. Maria Wagner war da, um anzukündigen, dass sie die Sarah in "Warte nicht auf den Marlboro-Mann" im März spielt.

Und Patricia Hachtel kam kurz herein: Leider sei sie nicht in "Die Schöne und das Biest" besetzt worden, ebenso wenig in Nick Hornbys "Nipple Jesus", das im Januar im Museum Zittau Premiere hat. Dafür aber spielt sie die perfide Kidnapperin in "Misery" nach Stephen Kings Roman "Sie". Von feinem Humor bis zu Horror pur – so bot die Eröffnung einen vielversprechenden Ausblick auf alles Kommende in dieser Spielzeit.

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