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Ärger wegen Funkturm-Bau in Mittelherwigsdorf

Viele Anwohner sind gegen den Neubau an der Straße der Pioniere. Nun hat der Gemeinderat eine Entscheidung gefällt.

Ein ähnlicher Stahlgitter-Mast soll jetzt in Mittelherwigsdorf für Vodafone errichtet werden.
Ein ähnlicher Stahlgitter-Mast soll jetzt in Mittelherwigsdorf für Vodafone errichtet werden. © Christoph Dernbach/dpa (Archiv)

Die Baupläne für einen Funkmast an der Straße der Pioniere in Mittelherwigsdorf haben während der jüngsten Gemeinderatssitzung für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Zahlreiche Anwohner waren extra deswegen zur Sitzung gekommen. Für eine bessere Mobilfunkversorgung in der Gemeinde und der Umgebung hatte Vodafone bereits 2019 an dem Standort hinter der Schweinemastanlage einen mobilen Funkmast errichtet. Der war vom Betreiber von Anfang an als eine Übergangslösung gedacht, wenn sich der Standort als geeignet erweist.

Laut Vodafone hat er das. Deshalb wurde nun ein Bauantrag für einen festen Funkmast an gleicher Stelle eingereicht. Allerdings soll der neue Stahlgitter-Mast jetzt acht Meter höher als die bisherige mobile Anlage werden. 39 Meter soll er hoch sein, fünf Bühnen und Systemtechnik tragen. Rechnet man die Antennen mit, erreicht der Mast eine Höhe von 44 Meter. Er ist auch für andere Mobilfunkanbieter ausgelegt. Mit Telefonica gibt es dafür bereits einen ersten Interessenten.

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Die Bundesnetzagentur als zuständige Bundesbehörde bescheinigt dem Betrieb der Funkanlagen in Bezug auf die elektromagnetischen Felder die Unbedenklichkeit. Angesichts der Tatsache, dass es aber gerade bei der Strahlung sehr unterschiedliche Ansichten gibt, argumentiert die Gemeinde Mittelherwigsdorf selber etwas vorsichtiger in ihrer Begründung zum Beschlussvorschlag. "Ein wissenschaftlicher Nachweis für gesundheitliche Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern konnte bisher nicht erbracht werden", heißt es da. Die nächste Wohnbebauung liegt etwa 160 Meter entfernt.

Bis zum 20. Juli soll sich Mittelherwigsdorf zum Funkturm-Bau gegenüber dem Landratsamt äußern. Beschließen kann sie dazu nichts. Sie darf lediglich ein sogenanntes gemeindliches Einvernehmen geben oder eben nicht. Die Entscheidung fällt im Landratsamt.

Gemeinderat Thomas Pilz (Offene Liste) kann sich mit dieser Praxis überhaupt nicht abfinden. "Wir haben eine kommunale Selbstverwaltung. Man kann von uns doch nicht ein Abnicken verlangen", sagt er. Er findet es gut, dass viele Anwohner von der Straße der Pioniere zur Ratssitzung gekommen waren. Thomas Pilz möchte ebenfalls im Vorfeld wissen, was an diesem Mast alles dran kommt und nicht im Nachhinein einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden. "Ich bin kein Stimmenvieh", sagte er.

Gemeinderat Bert Salomo (CDU) gab zu bedenken, dass eine gute Netzabdeckung auch einen Standort-Vorteil bringt. Hier für sich selbst eine Entscheidung zu treffen, viel scheinbar einigen Räten nicht leicht. Die Argumente für eine gute Netzabdeckung und einen guten Handy-Empfang standen dem Gesundheitsschutz gegenüber.

"Die Frage ist, wo holen wir die richtigen Informationen dazu her. Corona hat gezeigt, die Welt ist voll von richtigen Informationen", bemerkte Bürgermeister Markus Hallmann (Freier Wählerverein).

Gerade weil das Thema auch bei den Einwohnern viel diskutiert wird, schlug der Bürgermeister eine Abweichung von der Geschäftsordnung vor. Die Räte erlaubten auf seinen Vorschlag hin den Gästen, sich an der Diskussion vor der Abstimmung zu beteiligen. Wovon die anwesenden Anwohner rege Gebrauch machten. Alle sprachen sich dabei gegen den Bau des Sendemastes aus.

"Gerade in Corona-Zeiten heißt es immer wieder, die Gesundheit ist unser höchstes Gut. Bei 5G und höher wird aber zu wenig darauf geachtet", sagte beispielsweise eine Frau. Einige der Bürger fürchten zudem, dass es bei 5G nicht bleiben wird.

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Letztendlich stimmten sieben Räte dafür, dass gemeindliche Einvernehmen für den Bau zu geben, vier dagegen und drei enthielten sich ihrer Stimme. Nicht zuletzt, ließen sich einige Gemeinderäte auch davon leiten, dass die Gemeinde mit der Festlegung von Standorten einen "Wildwuchs" von derartigen Anlagen im Ort verhindern will.

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