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Löbau

17-Jährige gewinnt Solo mit Orchester

Annika Jannasch kommt aus Oppach und lernt in Zittau an der Musikschule Geige. Bei den Musikfesttagen Hoyerswerda erlebte sie fünf Minuten für die Ewigkeit - nach holprigem Start.

Annika Jannasch spielt mit der Neuen Lausitzer Philharmonie im Eröffnungskonzert der Musikfesttage Hoyerswerda. © Foto: Gernot Menzel

Langes schwarzes Kleid, die üppigen Dreadlocks hochgesteckt - und ein kleines bisschen Aufregung: So hat Annika Jannasch am Sonntag die Bühne der Musikfesttage Hoyerswerda betreten. Vor wenigen Wochen hatte die 17-jährige Oppacherin beim Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" die Jury begeistert und den Ehrenpreis der Stadt Hoyerswerda gewonnen. Zu diesem Preis gehört dann auch die besondere Pflicht,  die Hoyerswerdaer Musikfesttage zu eröffnen - mit großem Orchester.

Verdient hat sie sich den Preis allemal, sagt Susanne Delitz, ihre Zittauer Geigenlehrerin, schmunzelnd. Seit mehr als zehn Jahren begleitet die 67-Jährige ihre Schülerin. Auch jetzt noch ist Annika Jannasch ihr Schützling, obwohl Frau Delitz eigentlich schon in "Muikschullehrerrente" ist. "Annika ist eine Schülerin, die viel hinterfragt", beschreibt Susanne Delitz ihre aufgeweckte Preisträgerin. Und sie lasse sich zudem auch von Neuem begeistern, fügt die Lehrerin hinzu.

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Das spürt man auch daran, dass Annika Jannasch zwar immer Geige gelernt, aber viele andere Instrumente wenigstens mal ausprobiert hat - ein bisschen Klarinette, ein bisschen Bass, ein bisschen Gesang. Neben dem Einzelunterricht in Zittau, besucht sie in Löbau regelmäßig die Proben des Musikschulorchesters und ist Mitglied der Band Haywire. "Da spiele ich Geige oder singe", erklärt sie.

Der Auftakt zum großen Eröffnungskonzert in Hoyerswerda verlief allerdings alles andere als spielend: Die einstündige Probe in Görlitz mit der Neuen Lausitzer Philharmonie war für die Schülerin eher ernüchternd. Ein bisschen geknickt war die sonst eher selbstbewusste junge Frau, die an der Schkola in Ebersbach in die elfte Klasse geht. "Es ging alles rasend schnell, wenig Zeit zum Üben. Und ich hatte ein ganz anderes Tempo als das Orchester", erinnert sie sich. 

Bislang musste sich Annika Jannasch auch nur mit der Klavierbegleitung zusammenfinden - mit einem ganzen Orchester und einem Dirigenten ist das weitaus komplizierter, erklärt sie. Zumal der Tango von Astor Piazolla eigentlich viel Raum für Gefühl und Freiheiten bei der Interpretation lässt.

Umso größer war die Erleichterung bei der jungen Violinensolistin als die Probe direkt vor dem Auftritt in Hoyerswerda so ganz anders verlief und das Orchester sich ganz auf sie eingestellt hatte. "Ich habe mich danach auf den Auftritt gefreut und ihn auch sehr genossen", erzählt Annika Jannasch erleichtert und stolz die fünf, sechs Minuten Musik auf der großen Bühne, die sie wohl lange nicht vergessen wird. Viele Musiker hätten ihr Lob zugesprochen, manche gar Tipps gegeben und auch Dirigent Marc Niemann verhalf seiner jungen Solistin zu mehr Sicherheit.

Dass sie am Ende kaum noch Lampenfieber hatte, lag wohl auch am Publikum: "Ich habe ja nicht vor einer kritischen Jury gespielt, sondern vor einem Publikum, das extra gekommen ist, um das Konzert zu erleben", erklärt sie. Und dass neben einigen Musikschullehrern auch ihre Großeltern, Eltern und viele Freunde im Publikum gesessen haben, hat sie keineswegs nervös gemacht. "Ich habe danach den Rest des Konzertes richtig genießen können", freut sie sich.

Den Ehrgeiz, Berufsmusikerin zu werden - wie es beispielsweise einst ihre Lehrerin Susanne Delitz bei großen Orchestern in Jena oder Senftenberg war - hat Annika Jannasch nicht. "Ich mag Musik und werde immer Musik machen", sagt sie. Als Studienfach könne sie sich aber eher etwas wie Kulturmanagement vorstellen. Ganz entschieden hat sie sich noch nicht. Aber das hat ja noch Zeit - mehr als fünf, sechs Minuten Tango.

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