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So schön war die WM der leeren Ränge

Die Bob- und Skeleton-WM 2021 in Altenberg ist Geschichte. Orga-Chef Jens Morgenstern zieht eine positive Bilanz. Diese Wettkämpfe bleiben in Erinnerung.

Jens Morgenstern kann an der leeren Altenberger Bobbahn aufatmen nach einer Bob - und Skeleton-WM ohne Zwischenfälle.
Jens Morgenstern kann an der leeren Altenberger Bobbahn aufatmen nach einer Bob - und Skeleton-WM ohne Zwischenfälle. © Egbert Kamprath

Herr Morgenstern, die Bob- und Skeleton-WM 2021 in Altenberg ist Geschichte. Ging es denn noch lange am Sonntagabend?

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Ausschreibung der Gemeinde Lohsa

Wir suchen zur Betreibung der Kindertagesstätten in Lohsa einen Träger.

Bei mir nicht. Ich bin relativ früh nach Hause.

Ohne Tränchen zum Abschied?

Wir waren froh, als der Letzte im Ziel war. Dass alles gut funktioniert hat, nichts Schlimmes passiert ist, alle unsere Konzepte aufgegangen sind. Letztes Jahr haben wir uns alle nochmal im Zelt getroffen und gefeiert. Das gabs natürlich nicht.

Was wird Ihnen von dieser WM in Erinnerung bleiben?

Dass es eine ganz eigenartige WM war, eben ohne Zuschauer. Wir haben probiert, wenigstens etwas WM-Flair an die Bahn zu bringen - mit Stimmung aus der Konserve, Musik, Videoeinspielungen und einem Banner voller Zuschauer. Aber das ersetzt natürlich nicht Tausende Fans an der Straße, am Start und am Ziel. In Erinnerung bleibt die WM der leeren Ränge.

Wie ist das für die Sportler? Nehmen fehlende Zuschauer auch ein wenig Druck raus?

Es puscht mehr, wenn die Tribüne am Start voll ist und die Leute jubeln. Selbst auf der Strecke, wenn die Sportler viel zu schnell unterwegs sind, um mitzukriegen, was am Rand passiert, spornt sie die Stimmung unterbewusst mit an. In Kanada und den USA haben sie nicht so einen Zuspruch. Dort füllt Eishockey und Baseball die Hallen, aber nicht Rodel oder Skeleton.

Doch für die stille 2021er-WM hatten die Sportler Verständnis, oder?

Sie waren froh, dass sie überhaupt ihre Weltmeisterschaft austragen konnten. Wir sind einer der wenigen Verbände, die die komplette Weltcupsaison durchführen konnten. Sportlich gesehen war es eine super Geschichte, tolle Leistungen und Erfolg mit der neuen Disziplin Frauen-Monobob. Da sind schöne Bilder um die Welt gegangen.

Gibt es den besonderen Moment, für den die WM 21 in Altenberger stehen wird?

Sogar mehrere. Einmal ist es natürlich die überragende Leistung von Francesco Friedrich, der seine Doppelweltmeisterschaft im Zweier- und Viererbob auch dieses Jahr wiederholen konnte und sich als größter Bobfahrer aller Zeiten präsentierte. Dann auch die Titelverteidigungen von Tina Hermann und Christopher Grotheer im Skeleton. Oder die erste WM im Frauen-Monobob mit Kaillie Humphries als Siegerin. Für mich persönlich war das letzte negative Testergebnis am Donnerstag das Super-Highlight. Nach gut 2.500 Tests konnten wir sagen: Unser Hygieneplan ging auf. Wir hatten nicht einen Ansteckungsfall – ein riesiger Erfolg.

Gibt es schon Nachfragen nach Ihrem Hygiene-Konzept?

Noch nicht. Aber wenn jemand von unseren Erfahrungen mit Konzepten und Behördenabsprachen profitieren möchte, stellen wir die gern zur Verfügung.

Was war die größte Herausforderung dieser WM?

Zum ganzen Sportbetrieb parallel mussten wir die Organisation der Corona-Maßnahmen meistern. Dafür hatten wir zwei Teams zur Absicherung: Eins nahm die Einlass- und Auslasskontrollen und das Scannen vor, damit sich im Zweifel nachvollziehen ließ, wer wann an der Bahn war. Auch zwischen den einzelnen Bahnabschnitten hatten wir Security – es durfte nicht jeder in den Start- und Zielbereich. Gleichzeitig nahm unser zweites Team im Feuerwehrhaus in Oberbärenburg die Tests vor. So hatten wir auch ohne Publikum einen hohen Personalaufwand.

Was geschieht als nächstes auf dem Eiskanal?

Am Sonntag war unser letzter Betriebstag. Jetzt bauen wir die ganzen temporären Bauten ab: Zelte, das Pressezentrum, die Umkleide- und Toilettencontainer. Die Fahrzeuge werden zurückgebracht, die Finanzen geregelt. Das wird jetzt noch zwei Wochen in Anspruch nehmen.

Die WiA Altenberg hatte für die Eröffnungsshow im Internet zum Jerusalema-Tanz aufgerufen – haben Sie nun Ärger mit den Urheberrechten?

Wir haben uns im Vorfeld mit den entsprechenden Agenturen in Verbindung gesetzt, Nutzungsverträge abgeschlossen und auch Geld in die Hand genommen. Böse Überraschungen dürfte es nicht geben.

Auf was freuen Sie sich jetzt?

Erst einmal freue ich mich, dass wir die Saison mit dem Sportbetrieb so gut absolviert haben. Auch wenn es schade ist, dass wir weder touristische Angebote machen, noch den Kinder- und Nachwuchssport fortführen konnten.

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Ich bin all unseren Unterstützern dankbar, die finanziell, personell und organisatorisch die WM ermöglichten: Angefangen vom Bund über den Freistaat Sachsen bis zum Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Stadt Altenberg. Unsere Sponsoren Ideal und Sachsenenergie sind uns treu geblieben. Das gesamte Corona-Team vom Deutschen Roten Kreuz und die beteiligten Ärzte, die Kampfrichter, die Security, der Fahrdienst, die Presse – sie alle haben beigetragen, dass wir die Saison und schließlich die WM so gut bewältigen konnten.

Was mit dem Sommerbetrieb wird – Sommerbob, Bahnführungen, Events auf der Anlage – das weiß zur Zeit keiner. Ob ich mich da auf was freuen kann oder nicht, ist noch unklar.

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