Arbeit und Bildung
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Die emotionale Seite der Arbeit

Mehr als zwölf Millionen Erwerbstätige in Deutschland haben täglich mit anderen Menschen zu tun. Das kann auch besondere Belastungen bringen.

Von Annett Kschieschan
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Der Lehrerberuf kann sehr erfüllend sein, aber auf Dauer auch psychisch belasten. Oft drohen dann Depressionen oder gar der Ausstieg aus dem Job.
Der Lehrerberuf kann sehr erfüllend sein, aber auf Dauer auch psychisch belasten. Oft drohen dann Depressionen oder gar der Ausstieg aus dem Job. © AdobeStock

Der Lehrer, die Erzieherin, der Krankenpfleger, die Betreuerin – gut 12 Millionen Menschen - etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen in Deutschland - arbeiten in sogenannten personenbezogenen Tätigkeiten. Das heißt, sie haben täglich ganz praktisch mit anderen Menschen zu tun. Der direkte Kontakt kann erfüllend sein, aber auch emotional belasten. Etwa dort, wo Kundenberater angepöbelt, Retter bedroht oder Betreuer beschimpft werden. Solche Vorkommnisse nehmen zu.

Die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) veröffentlichte „Studie zur mentalen Gesundheit bei der Arbeit“ (S-MGA) zeigt, welche Folgen das für Beschäftigte in den genannten Berufsfeldern haben kann. Demnach sind Berufe mit personenbezogenen Tätigkeiten besonders stark durch emotionale Anforderungen geprägt. Kommen weitere Faktoren wie etwa die oft kritisierte Überlastung in der Pflege, zahlreiche Überstunden ohne angemessenen Ausgleich oder ein schlechtes Betriebsklima dazu, drohen schnell auch gesundheitliche Probleme. Dass Stress auf Dauer krank machen kann, ist keine neue Erkenntnis, aber eine, die nicht zuletzt aufgrund des Fachkräftemangels immer stärker in den Fokus von Unternehmen rückt. Dabei lässt sich der Handlungsbedarf nach Einschätzung der Baua-Experten aber nur bedingt verallgemeinern. „Vielmehr müssen die spezifischen Belastungsfaktoren für die jeweilige Tätigkeit erfasst werden, um passgenaue Verbesserungsmaßnahmen ableiten zu können“, heißt es in der Auswertung der Studie.

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Wie wichtig das ist, zeigt die Tatsache, dass ein hoher Anteil der Befragten befürchtet, den Arbeitsanforderungen auf Dauer nicht gewachsen zu sein. Fast ein Zehntel berichtet bereits von Erfahrungen mit Burnout oder Depressionen. Angebote des Betrieblichen Gesundheitsmanagements müssen sich also künftig stärker als bisher mit der Prävention psychischer Krankheiten beschäftigten. Wer täglich mit Menschen arbeitet, braucht unter anderem auch die Möglichkeit, im Team beziehungsweise mit Vorgesetzten über emotional besonders belastende Situationen sprechen zu können. Dafür muss entsprechend Zeit eingeplant werden.Die demografische Entwicklung legt nahe, dass der Bedarf an Jobs in personenbezogenen Arbeitsbereichen weiter steigen wird. Umso wichtiger wird es sein, Menschen, die in diesen Jobs arbeiten, ein möglichst sicheres berufliches Umfeld zu bieten. Das ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern inzwischen auch eine relevante gesellschaftliche Aufgabe.

H. Burr, F. Buchallik, P. Ingenfeld, J. Moser, U. Rösler, R. Zeibig: Psychische Belastung und mentale Gesundheit bei personen­bezogenen Tätigkeiten.1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2021.

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