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Frohe Adventszeit im Büro?

Die einen zelebrieren die Wochen vor dem Heiligen Abend, die anderen können „Jingle Bells“ nicht mehr hören. Wie viel Weihnachten passt an den Arbeitsplatz – und was kann richtig für Ärger sorgen?

Von Annett Kschieschan
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Wie viel Weihnachten braucht das Büro? Und wie viel vertragen die Kollegen? Wer sich die heimelige Stimmung der Adventszeit an den Arbeitsplatz holen will, sollte Einiges beachten.
Wie viel Weihnachten braucht das Büro? Und wie viel vertragen die Kollegen? Wer sich die heimelige Stimmung der Adventszeit an den Arbeitsplatz holen will, sollte Einiges beachten. © AdobeStock

Die Fernsehwerbung reiht einen Weihnachtsspot an den anderen, auf Instagram taumeln die Influencer schon glühweinselig um den längst geschmückten Tannenbaum und aus dem Auto auf dem Parkplatz nebenan schmettert Helene Fischer Weihnachtslieder - keine Frage, der 24. Dezember ist nicht mehr weit und es weihnachtet quasi überall. Auch am Arbeitsplatz? Hinter der vermeintlich harmlosen Frage verbergen sich mehr Fallstricke als man denken mag. Denn hier gilt ausnahmsweise: erlaubt ist nicht alles, was gefällt. Zwar finden viele Mitarbeiter etwas Weihnachtsstimmung im Arbeitsalltag gut – in einer Studie der Manpower Group waren es satte 92 Prozent – der Teufel steckt aber auch hier im Detail, konkret zum Beispiel im Adventskranz. Grundsätzlich stellen es die meisten Unternehmen ihren Beschäftigten frei, ihren eigenen Arbeitsplatz zu gestalten. Wer die Vorweihnachtszeit aber mit echten Kerzen zelebrieren möchte, kann schnell ein Problem bekommen.

So sieht der „Leitfaden für den Brandschutz im Betrieb“ des VdS, das nach eigenen Angaben größte europäische Institut für Unternehmenssicherheit, ein Verbot von Kerzen in „Büro-, Betriebs- und Werkstatträumen“ vor. Rechtlich bindend ist die Richtlinie nicht. Allerdings geht man in vielen Betrieben doch lieber auf Nummer sicher. Wer trotzdem „lichteln“ möchte, kann auf LED-Leuchten umsteigen. Das duftet dann zwar weniger weihnachtlich, senkt aber die Gefahr eines Feuerlöschereinsatzes am Schreibtisch deutlich.

Weniger ist auch bei der Deko mehr

Auch bei der persönlichen Deko am Arbeitsplatz gilt: weniger ist meistens mehr. Die Brandschutzordnung sollte auch im Blick haben, wer eigene Adventskalender oder gar kleine Weihnachtsbäume mit ins Büro bringen möchte. Werden etwa Fluchtwege verstellt, kann das im Zweifel sogar teuer werden.

Aber nicht nur optisch hält die Weihnachtszeit einige Hürden bereit. Auch akustisch gilt es einiges zu beachten. So schreibt die sogenannte Betriebssicherheitsverordnung eine regelmäßige Sicherheitsüberprüfung für alle Geräte im Unternehmen vor. „Damit soll vermieden werden, dass unerkannte Gefahrenquellen an Arbeitsplätzen entstehen“, heißt es bei der DGB Rechtsschutz GmbH, einer Tochtergesellschaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes. „Das schließt auch CD-Player oder andere Geräte zum Abspielen von Musik ein. Bei Nichtbeachtung drohen dem Arbeitgeber Ordnungsgelder.“ Wer „Jingle Bells“ oder „Stille Nacht“ bei der Arbeit hören möchte, sollte das eher per Kopfhörer tun. Das verhindert auch Konflikte mit Kollegen, die womöglich einen anderen Musikgeschmack haben.

In der Mittagspause mal schnell auf den Weihnachtsmarkt – das ist natürlich kein Problem. Zumindest, solange der Rundgang alkoholfrei endet. Wer angetrunken zurück an den Arbeitsplatz kommt, riskiert unter Umständen seinen Job, denn in vielen Branchen ist Alkohol im Dienst streng verboten. Im Zweifel sollte der Marktbesuch auf den Feierabend verschoben werden.

Kekse von der Chefetage

Generell gilt: Auch in der Weihnachtszeit müssen persönliche und Interessen des Teams abgewogen werden. Wer ein eigenes Büro hat, hat mehr Freiheiten als jemand, der sich den Arbeitsplatz mit mehreren Kollegen teilt. Arbeitspsychologen verweisen zudem darauf, dass Menschen in Großraumbüros oder Werkhallen ohnehin einer permanenten Geräuschbelastung ausgesetzt sind. Kommen nun noch Weihnachtsmusik, der Duft von Räucherkerzen oder klingelnde Glöckchen am Tannenzweig dazu, kann der Stresspegel schnell steigen. So verkehrt sich eine gute Absicht schnell ins Gegenteil und statt Harmonie gibt es vielleicht sogar Streit am Arbeitsplatz.

Unternehmen, die hier gegensteuern wollen, können selbst für eine – moderate – Dekoration in der Weihnachtszeit sorgen. Teller mit Keksen in der Büroküche dürften bei den meisten Mitarbeitern gut ankommen. Und bei einer gemeinsamen Weihnachtsfeier gibt es dann auch die Möglichkeit, gefahrlos gemeinsam den einen oder anderen Glühwein zu trinken. Für alle, die dem Weihnachtstrubel auch in dezenterer Form nicht viel abgewinnen können, bleibt immerhin eine Hoffnung: In einem Monat ist alles vorbei.