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Mobile Arbeit hat sich etabliert

Die steigenden Infektionszahlen haben den Trend zum Homeoffice weiter verstärkt. Doch die neue Arbeitskultur bringt auch neue Fragen mit sich.

Von Annett Kschieschan
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Freudig auf dem Weg ins Homeoffice oder eher skeptisch wegen der Verlagerung von Verantwortlichkeiten in den privaten Raum? Die Meinungen sind geteilt. Der Trend zum Arbeiten von zu Hause aus steigt mit den Infektionszahlen.
Freudig auf dem Weg ins Homeoffice oder eher skeptisch wegen der Verlagerung von Verantwortlichkeiten in den privaten Raum? Die Meinungen sind geteilt. Der Trend zum Arbeiten von zu Hause aus steigt mit den Infektionszahlen. © AdobeStock

Die Arbeit von zu Hause aus ist vor allem in vielen klassischen Bürojobs international selbstverständlich. In Deutschland taten sich viele Branchen schwer damit. Der eher konservative Fokus auf die Präsenzkultur hat sich durch die Corona-Pandemie verschoben.

Dabei spiegelt ein Blick in die Statistik auch die Wellenbewegung der Pandemie wieder. Die steigenden Infektionszahlen haben dafür gesorgt, dass aktuell wieder viele Menschen im Homeoffice arbeiten. Im Dezember waren es deutschlandweit zeitweise knapp 28 Prozent. Im August 2021 lag die Zahl bei knapp 24 Prozent, im März bei fast 32 Prozent. Das geht aus einer Umfrage des ifo-Instituts hervor, die jetzt veröffentlicht wurde. Möglicherweise wird die Zahl durch Omikron-Gefahr weiter steigen. Demnach beachteten derzeit noch nicht so viele Unternehmen „die Ende November 2021 wieder eingeführte Homeoffice-Pflicht wie seinerzeit im Frühjahr 2021. Die Quote ist zwar wieder gestiegen, sie liegt jedoch gut vier Prozentpunkte unter dem Höchstwert“, so Jean-Victor Alipour, Experte für Homeoffice beim ifo-Institut und Verantwortlicher für die Studie, Bei dem Institut geht man derzeit davon aus, dass über alle Branchen hinweg 56 Prozent der Beschäftigten zumindest teilweise im Heimbüro arbeiten könnten.

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Zuschüsse und Outsourcing

„Was für die einen Segen ist, scheint für die anderen zum Fluch zu werden“, so Hans-Joachim Kraatz, Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe – LFB Sachsen. Das beginne schon bei der Gestaltung der Arbeitsplätze. „Allein Zuschüsse, wie die Homeoffice-Pauschale in Höhe von 600 Euro pro Jahr, die anstelle der Pendlerpauschale auch 2021 den Werbekosten zugerechnet werden kann, sind nicht nur für Menschen, die keinen echten Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden haben, ein schwacher Trost“, so Kraatz. Wenn ein Arbeitnehmer kein richtiges Büro zu Hause hat, aber dennoch von daheim aus arbeiten muss, greife zumindest das sogenannte Wahlrecht und bringe eine Anrechnung der Miete von bis zu 1250 Euro. Doch generell sind viele Praxisfragen mit Blick auf die veränderte Arbeitskultur noch nicht abschließend geklärt. Befürworter sprechen angesichts von Omikron und steigenden Inzidenzwerten von einer Chance auf dem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Zudem habe Homeoffice „entzerrende, positive Umwelteffekte gerade in Ballungsgebieten“.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Sie verweisen darauf, dass der Trend zum mobilen Arbeiten die Outsourcing-Prozesse in Unternehmen beschleunigen und damit unter Umständen auch zum Abbau von Stellen führen könnte. Den Beschäftigten würde oft viel zusätzliche Verantwortung aufgebürdet. Dabei verfüge in Deutschland noch nicht einmal jeder über einen entsprechend leistungsfähigen Internetanschluss.Auch vor diesem Hintergrund ist noch Einiges zu klären, bevor die Arbeit von zu Hause aus auch nach der Pandemie selbstverständlich wird. 50,3 Prozent der in den Freien Berufen arbeitenden Personen haben der ifo-Studie zufolge diese Arbeitsweise als Normalität für sich angenommen. Spitzenreiter waren Angestellte in der Informationstechnologie-Branche mit einem Anteil von 76 Prozent. Im verarbeitenden Gewerbe lag die Pharmaindustrie mit 36 Prozent vorn. „Es gilt also, im Einzelfall alle Faktoren in die Waagschale zu werfen und sich über das Für und Wider klar zu werden. Dies spätestens für die Zeit nach Corona“, so der LFB-Präsident, dessen Verband die Interessen von rund 46.000 Freiberuflern mit knapp 200.000 Arbeitnehmern im Freistaat Sachsen vertritt.

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