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So gelingt die digitale Arbeit

Ist sie schon da oder kommt sie erst – die Künstliche Intelligenz im Job? In den meisten Fällen ist sie längst im Einsatz. Das ist einer Untersuchung zufolge aber nicht jedem Mitarbeiter bewusst.

Von Annett Kschieschan
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In der Industrie wird schon lange auf Robotik gesetzt. Aber auch in vielen anderen Berufsbildern halten nach und nach KI-basierte Prozesse Einzug. Nicht allen Beschäftigten ist das bewusst.
In der Industrie wird schon lange auf Robotik gesetzt. Aber auch in vielen anderen Berufsbildern halten nach und nach KI-basierte Prozesse Einzug. Nicht allen Beschäftigten ist das bewusst. © AdobeStock

Noch sitzt Kollege Roboter nicht am Nachbarschreibtisch, und die Prüfberichte werden auch noch immer persönlich verfasst. Irgendwann, so die Meinung vieler Berufstätiger hierzulande, wird sie natürlich kommen, die Künstliche Intelligenz. Aber ein bisschen wird es wohl noch dauern. Falsch gedacht. Die KI ist längst Teil der Arbeitswelt - auch dort, wo kein Roboterarm ins Geschehen eingreift. Das ist offenbar vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht bewusst. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die im Rahmen des Projekts „Beschäftigungsrisiken und Arbeitsqualität in der digitalen Transformation: Empirische Analysen zu KI, Plattformarbeit und digitalen Arbeitsplätzen“ entstanden ist und von der Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft des Bundes gefördert wurde.

Ein Ergebnis: Viele Menschen haben eine eher enge Vorstellung vom KI-Einsatz – zum Beispiel eben durch Roboter oder in komplett von ChatGPT verfassten Abschlussarbeiten. Dass die Künstliche Intelligenz auch jetzt schon Teil ihres Arbeitsalltags ist, wird oft erst durch konkrete Nachfragen deutlich. Die Wissenschaftler haben genau das getan, indem sie der allgemeinen Frage Beispiele nachgeschoben haben. Waren zunächst nur 20 Prozent der Befragten der Meinung, am Arbeitsplatz mit KI konfrontiert zu sein, gaben nach der Konkretisierung doppelt so viele Beschäftigte sicher, doch mit Künstlicher Intelligenz zu arbeiten. Zum Beispiel mit Systemen, die Sprache oder Sprachbefehle automatisch erkennen und verarbeiten oder die Fachwissen automatisch abrufen. „Das legt nahe, dass die aktuelle Debatte um befürchtete Arbeitsplatzverluste durch KI um Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschinen erweitert werden muss“, so eine Erkenntnis der Forscher.

Transparenz sei wichtig, damit die KI einerseits ihren Schrecken verliert, andererseits aber auch klar ist, wo sie überall zum Einsatz kommt. Das Thema gilt als besonders wichtig bei der gegenwärtigen Transformation in vielen Arbeitsprozessen. „Die überwiegende Mehrheit der sächsischen Beschäftigten arbeitet heute bei Kommunikation und Projektkooperation, Arbeitsplanung oder in der Produktion digital“, war etwa ein Ergebnis im vor kurzem veröffentlichten Index „Gute Arbeit“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Weiterbildung nützt allen

Das stellt auch neue Anforderungen beim Thema Weiterbildung. „Neue Technologien ermöglichen eine höhere Produktivität und sollten die Arbeit erleichtern, bringen jedoch oft neue Belastungen mit sich. Arbeitgeber und Beschäftigte können mehr erreichen, wenn sie zusammenarbeiten. Damit kann die Arbeitsqualität auch in Zeiten der Digitalisierung gesichert oder sogar erhöht werden. Wir unterstützen Betriebe und Beschäftigte bei ihrer beruflichen Weiterbildung mit unserem neuen Förderprogramm. Dabei übernimmt der Freistaat in der Regel die Hälfte der Weiterbildungskosten“, verspricht Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Dulig.

Damit ist Sachsen auf einem guten Weg. Auch die von der Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft geförderte Studie legt den Fokus auf Weiterbildung. Denn fachlich top-fitte Mitarbeiter sind heute mehr gefragt denn je. Wichtig sei es, Ängste abzubauen. Vor allem Ältere plagt häufig die Sorge, nicht mithalten zu können, wenn es um den Einsatz neuer Technik geht, oder ihren Arbeitsplatz durch die KI ganz zu verlieren. Experten geben hier Entwarnung. Zwar werden bestimmte Arbeitsschritte und damit auch Berufsbilder durch den Einsatz der Künstlichen Intelligenz verschwinden, dafür entstehen aber neue Arbeitsbereiche. Ohne den Menschen – da ist man sich bislang sicher – geht es auch künftig nicht. Im Idealfall hat er mehr beruflichen Freiraum für kreative und strategische Themen, weil die immer wieder kehrenden Arbeitsschritte durch die KI übernommen werden. Das ist inzwischen längst auch in vielen Handwerksbetrieben der Fall, etwa, wenn in einer Töpferei ein Roboterarm dafür sorgt, dass die Henkel an die Tassen geklebt werden während der früher dafür zuständige Mitarbeiter mehr Zeit für den künstlerischen Aspekt seines Berufes hat.

Aber auch hier gilt es, das gesamte Team früh in die Planungen zur (weiteren) Digitalisierung einzubeziehen und es wo nötig mit dem entsprechenden Wissen auszustatten. Insgesamt 80 Prozent der sächsischen Beschäftigten, die Schulungen zur digitalen Technik absolvierten, gaben im DGB-Index an, dass ihnen die „in hohem oder sehr hohem Maß“ bei der Nutzung digitaler Technik helfen. „Die Digitalisierung der Arbeit gelingt durch Mitbestimmung der Betriebs- und Personalräte besser. Die Beschäftigten sind mit den Veränderungsprozessen und den Ergebnissen deutlich zufriedener, wenn sie beteiligt werden“, so Sachsens DGB-Vorsitzender Markus Schlimbach. Klar sei, „dass es bei der Digitalisierung Leitplanken geben muss, damit sich die Arbeitsbedingungen verbessern und nicht verschlechtern.“