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Unterrichtsmaterial zum Sorbischen lässt auf sich warten

Das sächsische Kultusministerium prüft seit rund zwei Jahren Arbeitsblätter zum Sorbischen. In Bautzen wird man langsam ungeduldig.

Von Katja Schlenker
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Die sorbische Lebenswelt soll in den Schulen im Landkreis Bautzen noch präsenter werden. Doch neue Unterrichtsmaterialien dazu lassen auf sich warten.
Die sorbische Lebenswelt soll in den Schulen im Landkreis Bautzen noch präsenter werden. Doch neue Unterrichtsmaterialien dazu lassen auf sich warten. © Symbolfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wann gibt das sächsische Staatsministerium für Kultus endlich Unterrichtsmaterialien zum Sorbischen frei? Diese Frage ist jüngst erneut im Arbeitskreis für sorbische Angelegenheiten in der Stadt Bautzen diskutiert worden.

Sogar Bautzens Oberbürgermeister Karsten Vogt (CDU), vor seinem Amtsantritt selbst Schulleiter am Philipp-Melanchthon-Gymnasium, hat sich bei dem Thema bereits eingeklinkt und den sächsischen Kultusminister Christian Piwarz (CDU) angeschrieben.

Neuer Termin für Sorbisch-Arbeitsblätter

In der Antwort sei man nicht besonders konkret geworden, was die Unterrichtsmaterialien angehe, berichtete er in der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises. Vom ersten Quartal 2023 sei die Rede gewesen, um die Unterrichtsmaterialien freizugeben.

Laut Informationen des Kultusministeriums wird dieser Termin jedoch nicht zu halten sein. „Während der Erstellung der Materialsammlung traten Probleme hinsichtlich urheberrechtlicher Fragen sowie bei der Beschaffung geeigneter Fotos auf“, teilt Referentin Susann Meerheim mit. „Daher hat sich die Fertigstellung und Freigabe des Materials verzögert.“

Es sei nun vorgesehen, die besagte Materialsammlung bis zum Ende des Schuljahres 2022/2023 auf dem Bildungsserver des Freistaats Sachsen zu veröffentlichen, damit sie allen Lehrkräften rechtzeitig vor dem Beginn des Schuljahres 2023/2024 vorliegt und in die Unterrichtsplanung einbezogen werden kann.

Bereits jetzt werden laut Schulgesetz an allen Schulen im Freistaat Sachsen Grundkenntnisse aus der Geschichte und Kultur der Sorben vermittelt, erklärt Susann Meerheim weiter. „In den Lehrplänen des Freistaats Sachsen sind diese Lerninhalte verbindlich verankert“, sagt sie. „Die in Sachsen genutzten Lehrbücher enthalten in der Regel themenspezifische Angaben zur Geschichte und Kultur der Sorben.“ Wie diese Inhalte konkret im Unterricht umgesetzt würden, liege im Ermessen des Fachlehrers.

Domowina unterstützt Initiative zum Sorbischen

Um die Informationen in den Lehrbüchern zu ergänzen, ist im Auftrag des Kultusministeriums von Fachleuten die besagte Materialsammlung für den Unterricht zu mehreren Themenbereichen entwickelt worden. Dabei geht es unter anderem um „Bräuche der Sorben“, „Sorbische Sagen“ und „Bautzen“. Es handelt sich um Arbeitsblätter für Schüler. Diese sind überwiegend für Grundschulen konzipiert, können aber auch an weiterführenden Schulen eingesetzt werden.

Unter anderem in das Entstehen der Arbeitsblätter involviert war die Domowina. Dort habe sich das Kultusministerium ebenfalls gemeldet, nachdem der Oberbürgermeister den Minister Ende 2022 angeschrieben hatte, informierte Benjamin Wirth, der Sprecher des Arbeitskreises für sorbische Angelegenheiten. Man habe sich gewundert, dass der OB deswegen nachfrage.

60.000 Sorben leben in Deutschland

Auch Benjamin Wirth hat wegen der Unterrichtsmaterialien unterdessen die Initiative ergriffen, einfach um zu zeigen, dass das Thema wichtig ist, wie er sagte. So habe er diesbezüglich zum einen Kontakt mit dem Verantwortlichen für sorbische Angelegenheiten in Hoyerswerda aufgenommen und zum anderen den CDU-Landtagsabgeordneten Marko Schiemann darauf angesprochen. Der Abgeordnete habe zugesagt, ebenfalls nochmal beim Kultusministerium nachzuhaken.

Rund 60.000 Sorben leben laut Angaben der Staatsregierung in Deutschland – davon etwa 20.000 Niedersorben in der brandenburgischen Niederlausitz und zirka 40.000 Obersorben in der sächsischen Oberlausitz zwischen Kamenz, Bautzen, Weißwasser und Hoyerswerda. Deren Lebenswelt soll durch die Initiative bereits von der Schulzeit an bewusster wahrgenommen werden.