merken
PLUS Bautzen

Das ist der bekannteste Garten im Kreis Bautzen

Sächsische.de zeigt die schönsten Gärten. Heute: Zu Besuch bei Stefan Michalk in Doberschau, der als Blogger die ganze Welt in seine Parzelle lässt.

Ordentlich aufgeräumt sind die Sämereien in einer alten Zigarrenkiste. Mit einem Blick weiß Gärtner und Gartenblogger Stefan Michalk, der seine Parzelle in Doberschau bei Bautzen hat, welche Wintergemüse im Sommer noch in die Erde können.
Ordentlich aufgeräumt sind die Sämereien in einer alten Zigarrenkiste. Mit einem Blick weiß Gärtner und Gartenblogger Stefan Michalk, der seine Parzelle in Doberschau bei Bautzen hat, welche Wintergemüse im Sommer noch in die Erde können. © SZ/Uwe Soeder

Doberschau. Die orangefarbenen Köpfe der Taglilien wippen im leichten Sommerwind. Ihr Kontrast zum Gewittergrau an diesem milden Juli-Nachmittag lässt die Blüten der Sommerschönheit noch stärker leuchten. Mit einem kurzen Quietschen öffnet Stefan Michalk das Tor zu seinem Refugium in einer Kleingartensparte in Doberschau.

Die Polster kommen schnell auf die Sitzgruppe gleich neben dem Aufblaspool, vom Johannisbeerstrauch pflückt er ein paar rote Beeren und lässt sie ins Wasser in der Karaffe plumpsen. Seine Parzelle 94 ist für ihn Oase, Laboratorium und Wohlfühlort in einem. „Ich bin Gartenmensch, Gärtner, Enthusiast und Gartenblogger“, sagt der 43-Jährige lachend.

Anzeige
Moderner Wohnen? Wann, wenn nicht jetzt!
Moderner Wohnen? Wann, wenn nicht jetzt!

Neue Fassade, Dach, Bad oder eine Solaranlage? Die Kreissparkasse Bautzen bietet finanzielle Lösungen - auch für altersgerechtes Wohnen.

Leidenschaft fürs Gärtnern seit der Kindheit

Lange hält es Stefan Michalk nicht auf dem Polster. 400 Quadratmeter sattes Grün umgeben ihn. „Dieses Gartenjahr ist superschön. Es stimmt der Wechsel von Sonne und Regen“, sagt der Grafiker.

Seine Leidenschaft für Beete, Gewächshaus und alte Sorten hat er von seiner Großmutter geerbt. Sie hat ihn schon als Dreikäsehoch mit in die Sparte genommen. Auf einem eigenen kleinen Beet konnte er werkeln, später gab es einen Klein-Hang-Garten in Wilthen, bis er 2011 das Idyll vor den Toren der Stadt Bautzen fand. Irgendwie muss es grüne Liebe auf den ersten Blick gewesen sein.

Taglilien gehören zu Stefan Michalks Blumenlieblingen. Die Langblüher geben dem Garten Struktur.
Taglilien gehören zu Stefan Michalks Blumenlieblingen. Die Langblüher geben dem Garten Struktur. © SZ/Uwe Soeder

Der erste Rundgang durch den Garten dient dem Überblick, begleitet vom satten Duft der 16 Rosensorten kletternd, an Gerüsten oder einfach freistehend kokettierend. In der Ferne schmeißt ein Nachbar den Rasenmäher an. Michalks Parzelle unterscheidet sich von den meisten Grundstücken rechts und links. Auf einem Weg lässt der üppig blühende Lavendel schon längst keinen Platz mehr zum Treten, durch die Fugen kraucht anderenorts Trittthymian oder zäher Ackerschachtelhalm. Rahmenbeete geben einem Teil der Anlage eine Struktur, eine neue Pergola für Wein und Rosen trennt Arbeit und Erholung voneinander. Ein weiterer Teil ist Beeren und Obstbäumen vorbehalten.

Gibt Tipps zum Gärtnern in seinem Blog

Bei einem Apfelbaum bleibt Stefan Michalk stehen. Die Blätter kräuseln sich, die kleinen Früchte sehen trotz wechselndem Wetter nicht gut aus. Der Gärtner fotografiert das Schadbild. „Das muss ich mal meinem Apfelkumpel schicken“, sagt er. Vielleicht wird das Ergebnis gleich ein Tagebucheintrag fürs Internet. Mit der Übernahme seiner Parzelle 94 hat er auch den gleichnamigen Ratgeber-Gartenblog aus dem Schrebergarten ins Leben gerufen. Dort teilt er sein Garten-Wissen mit der Netz-Gemeinschaft. Es gibt Tipps rund um Gartengestaltung, Gemüseanbau, Gewächshausbau, Beet-Bewässerung, Likör- oder eigene Saatherstellung. Außerdem schreibt er in der Kolumne „Über’n Gartenzaun“ in der Sächsischen Zeitung über alles, was Gärtner in Sachsen bewegt.

Tomaten dürfen im Schrebergarten nicht fehlen, darunter sind beim Gartenblogger auch so ungewöhnliche Sorten.
Tomaten dürfen im Schrebergarten nicht fehlen, darunter sind beim Gartenblogger auch so ungewöhnliche Sorten. © SZ/Uwe Soeder

Der Mirabellenbaum protzt schwerbehängt mit seinen Früchten an den Ästen. Stefan Michalk nennt ihn Pralinenbaum wegen der süßen Früchte. Er bückt sich und bringt die aufgesammelte Weinbergschnecke in Sicherheit. „Ich finde, ich habe einen typischen, arbeitsoptimierten Schrebergarten. Ich achte auf Vielfalt, insektenfreundlichen Anbau und biete den Mitbewohnern im Garten Unterschlupf. Vielleicht habe ich deshalb selten Probleme mit Schädlingen – und aus Ackerschachtelhalm lässt sich hervorragende Pflanzenjauche machen“, sagt der Gartenblogger, während nun sein aufmerksamer Blick der Gemüseabteilung gilt.

"Der Garten hält jedem den Spiegel vor"

Kleine Brettchen liegen dort auf den Beeten. Der Inspizient hebt eins nach oben. Die kleinen Quadrate sind ein willkommener Unterschlupf für die gefräßigen Nacktschnecken, die auf diese Art einfach abgesammelt werden können. Die neuen Schneckenringe um die Dahlien hatten dagegen, wie man an den angefressenen Pflanzen sieht, wenig den Schleimern entgegenzusetzen. „Ich komme aller zwei, Tage in den Garten – zum Arbeiten wie zum Erholen“, sagt Stefan Michalk und macht einen Abstecher zu seinen Tomaten. Ganz unterschiedliche Sorten wachsen im Freiland wie unter einem Foliendach in großer Eintracht nebeneinander.

Rahmenbeete strukturieren die Parzelle 94. In den Konstruktionen wachsen Gemüse, Zwiebeln und auch Kräuter.
Rahmenbeete strukturieren die Parzelle 94. In den Konstruktionen wachsen Gemüse, Zwiebeln und auch Kräuter. © SZ/Uwe Soeder

Seine Lieblinge sind der Zauberstab, die San Marzano und die Gezahnte Bührer Keel. An dieser außergewöhnlich geformten Tomate entdeckt der Gärtner braune Stellen an den Früchten. „Blütenendfäule. Da fehlt Calcium, Algenkalk“, kommentiert er das Gesehene. Auch diese Gebrauchsanweisung für schöne Tomaten wird in seinem Blog landen. Jetzt aber holt Stefan Michalk die Sämereien in einer alten Zigarrenkiste. Für ihn ist immer Gartenjahr. „Jetzt können noch die Wintergemüse, wie Rosenkohl, Grünkohl, Lauch, Winterpostelein in die Erde. Die Pflanzen können bis Oktober reif werden, dann verwandelt sich der Garten in einen riesigen Kühlschrank und ich kann bis März ernten“, sagt der Schrebergärtner.

Sein Saatgut bezieht er aus verschiedenen Quellen – von Freunden, Saatgutbörsen oder auch aus dem Baumarkt. Ein bisschen sei sein grünes Refugium auch immer Versuch und Irrtum, denn nicht alles wächst auf dem Doberschauer Boden. Doch Stefan Michalk ist nicht nur leidenschaftlicher Mann mit grünem Daumen, ein bisschen ist er auch Garten-Philosoph. „Der Garten hält jedem den Spiegel vor. Du bekommst ein Feedback innerhalb von drei Monaten. Auf meiner Parzelle gibt es viel zu gucken, viel zu naschen, viel zu ernten und viel zu erzählen“, sagt er und flucht dann doch zumindest ein bisschen über die gefräßigen Nacktschnecken.

Weiterführende Artikel

Ein verstecktes Paradies am Waldesrand

Ein verstecktes Paradies am Waldesrand

Sächsische.de zeigt die schönsten Gärten im Kreis Bautzen. Heute: Eine Großröhrsdorferin verbindet nahe der Massenei zwei Leidenschaften miteinander.

"Gerade Gurken gibt es nur im Supermarkt"

"Gerade Gurken gibt es nur im Supermarkt"

Sächsische.de zeigt die schönsten Gärten im Kreis Bautzen. Heute: Corina Cwolek baut in Neukirch viel Gemüse an. Auf einen Ernteerfolg ist sie besonders stolz.

"Unkrautjäten ist meine Meditation"

"Unkrautjäten ist meine Meditation"

Sächsische.de zeigt die schönsten Gärten im Kreis Bautzen. Heute: Annegret Petasch hat in Obergurig ein parkähnliches Idyll angelegt - auf 20.000 Quadratmetern.

Ein Stück England mitten in Kamenz

Ein Stück England mitten in Kamenz

Sächsische.de zeigt die schönsten Gärten im Kreis Bautzen. Heute: Wo einst viel Gemüse wuchs, lässt es Familie Schöne üppig blühen - im Cottage-Stil.

Die Nimmersatten haben trotz der kleinen Brettchen ein größeres Loch in die Salatsaat gefressen. Die Lücken wird der Gärtner wieder füllen. Jetzt aber packt er erstmal zusammen, das Grau des Himmels schickt nun Nieselregen. Zarter Rosenduft verabschiedet den Gärtner. Er schließt das Gartentor. Morgen ist ein neuer Parzelle 94-Tag in diesem Gartenjahr 2021.

Mehr zum Thema Bautzen