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Kann sich Bautzen das Theater nicht mehr leisten?

Die Stadt Bautzen trägt mit mehr als 900.000 Euro pro Jahr zur Finanzierung bei. Warum sie ihren Anteil nun infrage stellt und was das für die Bühne bedeutet.

Kanonendonner am Bautzener Theater: So starteteder Vorverkauf fürs Sommertheater. Für eine gewisse Erschütterung sorgt jetzt allerdings auch die Forderung der Stadt Bautzen, dass man sich Gedanken über die künftige Finanzierung des Theaters macht.
Kanonendonner am Bautzener Theater: So starteteder Vorverkauf fürs Sommertheater. Für eine gewisse Erschütterung sorgt jetzt allerdings auch die Forderung der Stadt Bautzen, dass man sich Gedanken über die künftige Finanzierung des Theaters macht. © Archiv/Theater Bautzen

Bautzen. „Sherlock Holmes“ begeistert derzeit die Zuschauer beim Bautzener Theatersommer auf der Ortenburg. Damit es auch weiterhin solche Freilichtaufführungen, Puppentheater und das Schauspiel am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen (DSVth) geben kann, muss die Finanzierung abgesichert sein.

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) hatte vor Kurzem gefordert, dass man dafür nach anderen Lösungen suchen müsse. Ist die Finanzierung des Bautzener Theaters ernsthaft gefährdet? Sächsische.de hat nachgefragt.

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Wie wird das Bautzener Theater jetzt finanziert?

Das Deutsch-Sorbische Volkstheater befindet sich in Trägerschaft des Landkreises Bautzen und wird von diesem sowie dem Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, der Stadt Bautzen als Sitzgemeinde, der Stiftung für das Sorbische Volk sowie aus eigenen Einnahmen, hauptsächlich aus den Ticketverkäufen, finanziert, erklären das Theater und der Landkreis. „Das DSVTh hat in der Vergangenheit Strukturveränderungen mit Spartenschließungen und Personalabbau realisiert. Gleichzeitig konnten dank hoher Zuschauerzahlen die eigenen Einnahmen auf ein sachsenweit einmaliges Niveau gesteigert werden“, fügen beide hinzu.

Bautzens Intendant Lutz Hillmann (l.) eröffnete zusammen mit OB Alexander Ahrens (SPD/Mitte) und Landrat Michael Harig (CDU) vorige Woche den Theatersommer. Viele Zuschauer tragen ebenso zur Finanzierung des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters bei wie die St
Bautzens Intendant Lutz Hillmann (l.) eröffnete zusammen mit OB Alexander Ahrens (SPD/Mitte) und Landrat Michael Harig (CDU) vorige Woche den Theatersommer. Viele Zuschauer tragen ebenso zur Finanzierung des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters bei wie die St © SZ/Uwe Soeder

Das Theater weise eine stabile wirtschaftliche Situation auf. Auch im Hinblick auf die mittelfristige Finanzplanung seien keine finanziellen Schwierigkeiten erkennbar, soweit die Zuwendungsgeber ihren Verpflichtungen nachkommen.

Die Stadt Bautzen tut das nach eigenen Angaben zumindest bis einschließlich 2022. „Der Zuschuss der Stadt Bautzen an das DSVTh 2020 und 2021 beträgt jeweils 926.000 Euro“, erklärt der kommissarische Pressesprecher, Markus Gießler. Die Zahlung des Sitzgemeindeanteils durch die Stadt Bautzen erfolge nach sächsischem Kulturraumgesetz und sei eine angemessene Beteiligung an den Kosten der Einrichtung.

Welche Schwierigkeiten gibt es bei der Finanzierung?

Die Stadt Bautzen verweist bei Finanzierungsfragen an den Träger und lobt „das bestehende Finanzierungsmodell als das derzeit tragfähigste im Kulturraum“, teilt Markus Gießler mit. Die grundsätzliche Herausforderung bestehe in der stetigen Kostensteigerung des Theaterbetriebs im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit der Zuschussgeber. „So ist es problematisch, einerseits das Theaterangebot bis weit über die Grenzen des Kulturraumes auszuweiten und andererseits hierfür auf Gemeindeebene ausschließlich die Stadt Bautzen zur Finanzierung heranzuziehen.“

Denn Bautzen sei nicht der einzige Spielort. So waren in den Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 Gastspiele an verschiedenen Einrichtungen in den Landkreisen Bautzen und Görlitz sowie in Südbrandenburg und Radebeul geplant, argumentiert die Stadt Bautzen.

Der Träger des Theaters müsse entscheiden, ob er sein Angebot kostensenkend anpasst, die wachsenden Kosten selbst trägt oder die Finanzierungsbasis auf Gemeindeebene erweitert. Ausschließlich darin könne eine Alternative zum derzeitigen Finanzierungsmodell bestehen.

Verschärft wird die Situation durch das aktuelle Haushaltsdefizit der Stadt, wie Markus Gießler bestätigt. „Die finanziellen Herausforderungen des städtischen Haushaltes zwingen uns, für die weitere Zukunft nach anderen Lösungen in der Finanzierungsstruktur zu suchen.“ Für 2022 sei die Finanzierung des Sitzgemeindeanteils eingeplant. Für die Zeit danach müsse sich der Träger mit der Stadt Bautzen Alternativen überlegen.

Zudem habe der Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien seine Förderrichtlinie im März 2021 geändert. Die Erhöhung des Sitzgemeindeanteils sei für das Förderjahr 2022 beantragt worden, fügt Gießler hinzu. Wie das Landratsamt und das Theater erklären, soll der seit 2013 konstante Sitzgemeindeanteil demnach um 32.000 Euro erhöht werden. „Soweit die Stadt Bautzen diesen Anteil aber kürzt und somit nicht aufbringen würde, wäre der Weiterbetrieb des Theaters gefährdet.“ Denn die Förderung durch den Kulturraum ist an die Zahlung des beschlossenen Sitzgemeindeanteils und einen insgesamt gesicherten Haushalt gebunden, sie würde somit entfallen.

Wie können diese Probleme gelöst werden?

Der Wert des Theaters sei für die Stadt enorm. Wie Markus Gießler erklärt, ist es „mehr als nur ein Aushängeschild. Es ist in seiner kulturellen Bedeutung ebenso wie in seiner Bedeutung für die Stadtgesellschaft aufgrund seines gesellschaftspolitischen Engagements ein regelrechter Fixstern für uns.“

Welche Alternativen für die Finanzierung infrage kommen, scheint aber noch nicht geklärt zu sein. An perspektivischen Plänen des Trägers sei die Stadt Bautzen derzeit nicht beteiligt, so Gießler.

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Solche Pläne gibt es bisher allerdings nicht, wie eine Sprecherin des Theaters erklärt. Demnach kämen die Äußerungen der Stadt zur weiteren Finanzierung sehr unerwartet. Da man davon ausgehe, dass Bautzen seinen Sitzgemeindeanteil ungekürzt leiste, gebe es bislang auch keine Überlegungen zu möglichen Alternativen.

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