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Bautzener Stadtführer sucht Spender für besonderes Grab

Die Unternehmerfamilie Bulnheim war einst weit über Bautzens Stadtgrenzen hinaus bekannt. Jetzt soll sie aus der Vergessenheit geholt werden.

Für Stadtführer Heinz Henke ist die Restaurierung der Grabstelle der Bautzener Familie Bulnheim ein Herzensprojekt. Für die Finanzierung sucht er jetzt Unterstützung.
Für Stadtführer Heinz Henke ist die Restaurierung der Grabstelle der Bautzener Familie Bulnheim ein Herzensprojekt. Für die Finanzierung sucht er jetzt Unterstützung. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es ist ein Herzensprojekt. Heinz Henke steht hinter dem Metallkreuz am Eingang des Taucherfriedhofes in Bautzen. Ein paar Ornamente an der geschmiedeten Arbeit sind schon abgebrochen. So fällt das mit Efeu überrankte Grab mit dem rostigen Andenken und der Inschrift Familie Hermann Bulnheim nicht gleich ins Auge. „Als gelernter Maschinenbauer bin ich dem Eisen verbunden. Aus meiner Kenntnis ist diese Arbeit hier das einzige historisch kunstgeschmiedete Kreuz auf dem Taucher – und für mich das Faszinierendste auf dem Friedhof“, sagt Henke.

Auf das vergessene Grab ist der Stadtführer bei den Recherchen zu einem Buchprojekt zu Bautzens letzten Ruhestätten auf dem knapp acht Hektar großen Areal mitten in der Stadt gestoßen. Schnell war für ihn klar, dass er diesen Ort unter seine Fittiche nehmen muss – und begeisterte den Rest seiner Familie von der Idee, eine Patenschaft für das Grab zu übernehmen. Schließlich gehörten die Bulnheims mit ihrer Feinstahlbaufirma im ausgehenden 19. Jahrhundert zu den angesehenen Familien an der Spree.

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Nachbarn der berühmten Familie Weigang

Auf der Wilhelmstraße waren sie Nachbarn der berühmten Unternehmerfamilie Weigang, weiß der Stadtführer. Das Bulnheimsche Unternehmen, in der heutigen Wilthener Straße, war spezialisiert auf den Bau von schmiedeeisernen Oberlichtern. Solche Konstruktionen interessierten zum Beispiel auch die Bauhaus-Architekten – und gingen bis nach Übersee. Die genauen Details der Geschichte der Bulnheims will Heinz Henke noch zusammentragen und hofft dabei auch auf Hinweise von Bautzenern. Aber auch beim zweiten Projekt wünscht er sich die Unterstützung vieler.

Deshalb hat die Stadtführerfamilie – Maria Henke ist bekannt als Bautzens Türmerin, Tochter Franziska nimmt als Teda, die Tuchhändlerin, ihre Gäste mit ins Mittelalter – jetzt mit dem Verein „Wirtschaftsfrauen“ ein Crowdfunding für die Restaurierung des Grabes ins Leben gerufen. Crowdfunding bedeutet, dass eine Vielzahl von Menschen – die Crowd – ein Projekt finanziell unterstützt und somit dieses ermöglicht. Das Funding läuft über die Volksbank Dresden-Bautzen. Das gesammelte Geld fließt ohne Abstriche in Restaurierung und Neugestaltung des Grabes.

Was soll aber mithilfe der Crowd finanziert werden? „Das Eisen muss vor Korrosion geschützt werden, verlorene Kunstschmiedeeisenarbeiten sollen ersetzt sowie Fundament und Sockelstein müssen überarbeitet werden“, sagt der Ideengeber. Das Grab soll zudem wieder gärtnerisch hergerichtet werden.

Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten soll die Geschichte der Bulnheims und zur Rettung des Grabs in einem QR-Code an der Grabstelle hinterlegt werden, vielleicht an einer noch aufzustellenden steinernen Bank. Ein QR-Code kann mithilfe einer App gelesen werden.

Wer das Projekt „Wir erwecken“ finanziell unterstützt, erhält ein Dankeschön, unter anderem eine Führung über den Bautzener Taucherfriedhof. Neben der Restaurierung der Grabstelle möchten die Henkes vor allem das Interesse an der Geschichte der Stadt und ihren Geschichten wiedererwecken, auch bei jungen Leuten. „Auf dem Bautzener Taucherfriedhof liegen bedeutende Persönlichkeiten, deren Geschichte(n), wie bei den Bulnheims, nicht in Vergessenheit geraten dürfen“, sagt Heinz Henke.

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