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Einzigartige Collagen in der Galerie Budissin

Der Kunstverein Bautzen zeigt Arbeiten von Eberhard Peters aus Weißwasser. Der 85-Jährige ist noch immer täglich in seinem Atelier - nicht nur zum Arbeiten.

Mit „Malerei und Collagen“ ist der Künstler Eberhard Peters aus Weißwasser zu Gast in der Bautzener Galerie Budissin. Seit über 60 Jahren hält er sine Heimat aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln fest.
Mit „Malerei und Collagen“ ist der Künstler Eberhard Peters aus Weißwasser zu Gast in der Bautzener Galerie Budissin. Seit über 60 Jahren hält er sine Heimat aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln fest. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es braucht ein bisschen Fantasie, um Ordnung in das abstrakte Farbchaos auf der Leinwand zu bringen. Eberhard Peters steht vor seinem Großformat, versunken schaut er seinen Pinselstrichen hinterher. „Es ist auch ein Selbstporträt, ein Kopf von hinten. Alles, was im Kopf passiert, ist die Basis unseren Tuns“, sagt der Künstler. Seine Arbeiten sind jetzt in der Galerie Budissin in Bautzen zu sehen. Für den Maler aus Weißwasser ist es nicht der erste künstlerische Ausflug an die Spree.

Lehrer inspiriert ihn zu Stadtlandschaften

Eberhard Peters setzt sich. Er lässt seine Gedanken schweifen, so wie wenn er ins Atelier fährt. „Jedes Werk beginnt mit einem Bildgedanken, dann bohrt und gärt es im Maler, bis der Kragen platzt. Ich will mit meinen Bildern etwas vermitteln, jeder will doch etwas in die Diskussion bringen“, sagt der 85-Jährige. Sein Werk fasziniert durch die Frische. Galeristin Tanja Böhme sagt dazu: „Es ist beeindruckend eigenständig, ich kenne in der Region niemanden, der solche Collagen macht. Diese Arbeiten nehmen in der Lausitzer Kunstszene einen ganz eigenen Platz ein.“

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Seine eigene Handschrift sucht Eberhard Peters schon lange. Seine ersten Zeichenstriche macht er in der Schule. Ehefrau Krista erzählt: „Ich erinnere mich daran, als ich ein Schulmädchen war, dass mein Mann im Hof saß und ein Pferd modellierte.“ Ein Lehrer inspiriert den talentierten Jungen, Stadtlandschaften zu malen.

Die Idee eines Kunststudiums liegt dem Kind aus einer Glasmacherfamilie fern. Stattdessen beginnt er 1951 seine Lehre als Glasgraveur. Es ist einer der ersten Jahrgänge; nur ein Jahr vorher wurde im ehemaligen Glaswerk Gelsdorf - es galt als die älteste Glashütte Weißwassers - das Lehrkombinat der Vereinigung Volkseigener Betriebe Ostglas eröffnet.

Nach der Wende die Liebe zur Objektkunst entdeckt

Über 40 Jahre arbeitet Eberhard Peters in diesem Beruf, bis 1989 bildet er den Nachwuchs als Lehrbeauftragter im Kombinat Lausitzer Glas aus. Neben seiner beruflichen Tätigkeit bleibt er immer dem Zeichnen treu. Er wird Mitglied im Mal- und Grafikzirkel des Kulturhauses der Glasmacher Weißwasser. Besonders prägen ihn die künstlerischen Fortbildungskurse für Wandgestaltung und Wandmalerei in Cottbus bei Kurt Heinz Sieger und in den 1980er-Jahren die Ausbildung an den zentralen Fortbildungsstätten des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes der DDR in Berlin bei Wolfgang Speer. Er beteiligt sich ebenfalls an Werkstätten des Förderkreises für sorbische Volkskultur unter der Leitung von Jan Buck.

Die Mentoren Sieger, Speer und Buck prägen den Autodidakten - jeder auf seine Weise. Doch der Arbeiter-Künstler will in keine DDR-Kunstschublade. Erst nach der Wende, so sagt er, habe er seine expressive Handschrift gefunden. Der Weg dorthin führt ihn über die Beschäftigung mit der klassischen Moderne ab Anfang der 1990er-Jahre, mit Künstlern des Expressionismus, des Konstruktivismus oder Surrealismus. In den vergangenen Jahren entdeckt er mehr und mehr seine Liebe zu Collagen mit plastischen Objekten und zur Objektkunst. Die Arbeiten sind auch immer wieder in der Galerie Budissin zu sehen, zum Beispiel in den jährlichen Weihnachtsausstellungen.

Jeden Tag fährt ihn seine Frau ins Atelier

Eberhard Peters lässt sich noch jeden Tag von seiner Frau ins Atelier fahren. Jeden Tag ist er in seinem Refugium zu finden, auch einfach, um nur einen Strich zu machen oder zum Denken. Er schweigt dann mit seinen Bildern, lässt sie sprechen, welche Veränderungen sie noch zulassen würden. Sein Werk setzt sich mit den Fragen der Zivilisation und ihren Folgen auseinander, mit der Kritik des Überflusses. „Fülle der Inspiration“ nennt er es.

„In der Kunst musst Du filtern wie im Leben“, sagt er. Vor seinem Ausstellungsprojekt in Bautzen waren Peters Arbeiten im Schloss Königshain zu sehen. In der Galerie Budissin zeigt der Künstler Malerei und Collagen aus seiner jüngsten Schaffensphase.

Zu erleben ist Eberhard Peters beim Kunstgespräch „Treffpunkt Galerie“ am 14. Oktober um 19 Uhr in der Schloßstraße 19. Den Abend moderiert Kunstvereinsmitglied Sabine Kambach. Die Ausstellung ist bis 5. November zu sehen; Dienstag bis Sonnabend von 14 bis 18 Uhr.

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