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Wo es in Bautzen für Radfahrer gefährlich ist

In den letzten Jahren ist die Stadt fahrradfreundlicher geworden. Doch einige Stellen sind nach wie vor heikel.

Peter Stürzner vom Bautzener Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs zeigt, wie gefährlich Radfahren in Bautzen sein kann. An dieser Stelle am Gesundbrunnenring kann der Autofahrer den 1,5-Meter-Mindesabstand zum Radfahrer nicht einhalten.
Peter Stürzner vom Bautzener Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs zeigt, wie gefährlich Radfahren in Bautzen sein kann. An dieser Stelle am Gesundbrunnenring kann der Autofahrer den 1,5-Meter-Mindesabstand zum Radfahrer nicht einhalten. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Plötzlich rauscht ein Lkw an dem Fahrradfahrer vorbei. Weniger als ein Meter ist Platz zwischen Radfahrer Peter Stürzner und dem Laster. Vorgeschrieben sind eigentlich 1,5 Meter. „Ich mache den Lkw-Fahrern da keinen Vorwurf“, sagt Peter Stürzner. Der 34-Jährige engagiert sich in der Bautzener Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Seit Jahren erarbeitet sie Konzepte, wie Bautzen fahrradfreundlicher werden kann. „Leider ist die Stadt nicht mutig genug. Doch gebraucht werden eben mutige Radwegekonzepte. Noch steht der Autofahrer zu sehr im Mittelpunkt der Überlegungen“, sagt Stürzner. So gebe es in Bautzen noch einige heikle Stellen für Radfahrer. Gemeinsam mit Sächsische.de ist Peter Stürzner diese Stellen abgefahren. Er erklärt, wo genau die Gefahren liegen.

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Problem 1: Radweg-Ende ohne Markierung

In Bautzen müssen die Radfahrer häufig zwischen Fahrradweg und Straße wechseln. Problematisch wird es dann, wenn das Ende des Radweges nicht klar gekennzeichnet ist – wie zum Beispiel am Ziegelwall. Wer er aus Richtung Berufsakademie kommt, muss sich der Radfahrer in der Kurve in den fließenden Autoverkehr einfädeln. Das birgt Gefahren. „Die Autofahrer sind vor allem auf die kommende Kreuzung und auf die Kurvenfahrt konzentriert“, sagt Peter Stürzner.

Am Ziegelwall: Auf Höhe der Einfahrt zum Friedhof müssen Radfahrer auf die Straße wechseln. Das birgt ein großes Unfallrisiko. Radfahrer werden schnell übersehen. Autofahrer sind vor allem auf die kommende Kreuzung und auf die Kurvenfahrt konzentriert.
Am Ziegelwall: Auf Höhe der Einfahrt zum Friedhof müssen Radfahrer auf die Straße wechseln. Das birgt ein großes Unfallrisiko. Radfahrer werden schnell übersehen. Autofahrer sind vor allem auf die kommende Kreuzung und auf die Kurvenfahrt konzentriert. © SZ/Uwe Soeder

Noch vor zwei Jahren konnten die Fahrradfahrer Am Ziegelwall einen Radweg benutzen, der auch noch vorhanden ist. Er befindet sich aber in einem schlechten Zustand und entspricht auch nicht der Mindestbreite. „Viele Fahrradfahrer fahren trotzdem auf dem alten Radweg, weil sie sich dort sicherer fühlen“, sagt Peter Stürzner. Zwar weist ein Schild auf das Ende des Radweges hin, doch das wird von vielen übersehen oder bewusst missachtet.

Damit sich Radfahrer sicher in den Straßenverkehr einordnen können, müsste auch für die Autofahrer klarer gekennzeichnet werden, dass Fahrradfahrer auf die Straße fahren, meint Peter Stürzner. „Ich selbst versuche so oft wie möglich auf der Straße zu fahren, denn so werde ich von dem Autofahrer auch gesehen.“

Problem 2: Radweg-Ende mit unzureichender Markierung

Aber nicht nur dass Markierungen fehlen, ist ein Problem, sondern auch wenn sie unzureichend sind – so wie am Röhrscheidtbad im Stadtteil Gesundbrunnen. Dort wird die Markierung, die den Radverkehr auf die Straße führt, von den Autofahrern in der Regel einfach überfahren. Sie müssten sonst in die linksabbiegende Gegenspur ausweichen, um den Überholabstand einzuhalten zu können. „Meist müssen Fahrradfahrer dann auf eine große Autolücke warten, um sicher auf die Straße fahren zu können“, sagt Peter Stürzner.

Gesundbrunnenring: Bei der Schwimmhalle werden Radler mithilfe einer Markierung auf die Straße geleitet. Autofahrer überfahren diesen Sperrstreifen oft, da sie sonst in die linksabbiegende Gegenspur ausweichen müssten - gefährlich für Auto- und Radfahrer.
Gesundbrunnenring: Bei der Schwimmhalle werden Radler mithilfe einer Markierung auf die Straße geleitet. Autofahrer überfahren diesen Sperrstreifen oft, da sie sonst in die linksabbiegende Gegenspur ausweichen müssten - gefährlich für Auto- und Radfahrer. © SZ/Uwe Soeder

Besser geregelt ist dagegen der Übergang von der Friedensbrücke auf die Clara-Zetkin-Straße. Dort wird der Fahrradschutzstreifen klar ersichtlich von der Straße getrennt. Eine ähnliche Lösung wünscht sich Peter Stürzner auch für die Stelle am Gesundbrunnenring.

Problem 3: Autobahnbrücke Muskauer Straße

Seit mehreren Jahren schon ist die Durchfahrt an der Autobahnbrücke Muskauer Straße/Burkauer Straße ein großes Problem. Der gemeinsame Geh- und Radweg ist nur knapp anderthalb Meter breit – viel zu schmal für Radfahrer und Fußgänger aus beiden Richtungen.

Autobahnbrücke Muskauer Straße: Die Brückendurchfahrt ist schwer einzusehen. Und der Radweg ist viel zu schmal für zwei Fahrradfahrer. „Wenn die A 4 ausgebaut wird, hoffe ich sehr, dass der Radweg verbreitert wird", sagt Peter Stürzner vom ADFC.
Autobahnbrücke Muskauer Straße: Die Brückendurchfahrt ist schwer einzusehen. Und der Radweg ist viel zu schmal für zwei Fahrradfahrer. „Wenn die A 4 ausgebaut wird, hoffe ich sehr, dass der Radweg verbreitert wird", sagt Peter Stürzner vom ADFC. © SZ/Uwe Soeder

Zudem ist es von beiden Seiten viel zu spät ersichtlich, ob andere Verkehrsteilnehmer von der anderen Seite kommen. Besonders im Sommer wird diese Strecke sehr oft genutzt, um zum Stausee und ins Teichgebiet zu fahren.

Problem 4: Umlaufsperren

Auch Umlaufsperren sind für Radfahrer gefährlich. Besonders nachts sind sie nicht sichtbar, da die Straßenbeleuchtung teilweise noch aus DDR-Zeiten stammt und die Hindernisse nicht reflektieren. Peter Stürzner nennt für dieses Problem exemplarisch den Rad- und Fußweg, der die Dr.-Salvador-Allende-Straße und die Bertolt-Brecht-Straße miteinander verbindet. Dieser Weg kreuzt die Johannes-R.-Becher-Straße. Dort ist eine Umlaufsperre angebracht. Radfahrer sollen so zum Absteigen gezwungen werden, um die Straße zu überqueren.

Johannes-R.-Becher-Straße: Umlaufsperren wie diese gibt es in Bautzen einige. Eigentlich sollten sie den Radfahrer zum Absteigen zwingen, doch meist sind diese Hindernisse schiebend schwieriger zu passieren als fahrend, sagt Peter Stürzner.
Johannes-R.-Becher-Straße: Umlaufsperren wie diese gibt es in Bautzen einige. Eigentlich sollten sie den Radfahrer zum Absteigen zwingen, doch meist sind diese Hindernisse schiebend schwieriger zu passieren als fahrend, sagt Peter Stürzner. © SZ/Uwe Soeder

Doch: „Umlaufsperren sind schiebend meist schwieriger zu passieren als fahrend“, sagt Peter Stürzner. Die meisten Radfahrer steigen deswegen nicht ab. Außerdem ist die Stelle schwer einsehbar. „Vor allem Kinder sind viel zu spät für den Autoverkehr sichtbar. Der ADFC fordert deshalb eine vorgezogene Verkehrsinsel, damit nicht bis zum Übergang geparkt wird und eine größere Sichtachse entsteht. Die ist auch für Fußgänger und Fahrradfahrer wichtig.“

Wie fahrradfreundlich ist Bautzen? Noch bis zum 30. November können Radfahrer ihre Stadt im Fahrradklima-Test bewerten.

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