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So wird das Hexenhäusl märchenhaft

Alte Balken, eine Schwarzküche, mittelalterliche Techniken: Die Mieterin von Bautzens ältestem Haus hat viel vor - und gerade ein besonderes Detail entdeckt.

Die neue Mieterin von Bautzens ältestem Haus, Gerlind Alius, will das Gebäude wieder altertümlich herrichten - und darin ein Museum einrichten.
Die neue Mieterin von Bautzens ältestem Haus, Gerlind Alius, will das Gebäude wieder altertümlich herrichten - und darin ein Museum einrichten. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Staub und Schutt liegen auf dem Fußboden des Wohnraums im Erdgeschoss von Bautzens ältestem Haus, dem als Hexenhäusl bekannten Wahrzeichen an der Spree. Gerlind Alius steht vor dem Haufen und blickt sich um. Ihr Blick bleibt hängen – aber nicht an dem Schutt und auch nicht an den Figürchen oder den Lämpchen in den Fenstern. Ihr Blick bleibt hängen an einem Balken, in der Ecke des Raumes. Diesen Balken hat die neue Betreiberin des Hexenhauses gemeinsam mit ihrem Partner Ronny Neumann freigelegt. Und dieser Balken ist es, der das Herz von Gerlind Alius hüpfen lässt.

„Ich habe im Archiv Fotos von diesem Raum gefunden“, sagt sie und zieht eine Kopie des Bildes aus ihrer Tasche. „Darauf war er zu sehen - mit der Bemalung darauf.“ Um herauszufinden, ob sich der Balken noch immer in dem Raum befindet, musste Gerlind Alius sich an die Wände wagen – und die Platten herausreißen, die sie verdeckten. „Als ich an einer Stelle die Verkleidung gelöst habe und etwas Rotes herausguckte, war ich ganz aufgeregt“, sagt sie. Vor allem über ein Detail freut sie sich: „Sogar die alten Verzierungen sind noch da.“

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Im Archiv fand Gerlind Alius ein historisches Foto des Hexenhauses. Auf dem Bild sind die Verzierungen auf dem Balken zu sehen, die sie nun wieder entdeckt hat.
Im Archiv fand Gerlind Alius ein historisches Foto des Hexenhauses. Auf dem Bild sind die Verzierungen auf dem Balken zu sehen, die sie nun wieder entdeckt hat. © Repro: SZ/Uwe Soeder

Die alten Relikte in dem Haus wiederzufinden, herauszuputzen, wieder aufzuarbeiten – das ist Gerlind Alius‘ Ziel. Seit dem Sommer hat sie das Hexenhäuschen gemietet. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten will sie es zu einem Museum herrichten und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Sie will zeigen, wie Leute früher gewohnt haben.

Um ihr Ziel zu erreichen, wollen Gerlind Alius und Ronny Neumann alte Techniken anwenden. Die Bautzenerin, die viele als Türmerin der Neuen Wasserkunst kennen, zeigt auf die Decke über dem Balken. „Die legen wir gerade frei“, sagt sie. Dann soll eine klassische Stürzerdecke aus Holz eingesetzt werden. Auch an den Wänden will Gerlind Alius arbeiten: „Dort wollen wir Lehm auftragen, wie das früher so üblich war.“ Dieser wird mit Strohschnetzeln verarbeitet. Mit der Hand wird er an die Wand geworfen, dann verrieben. „Eine mittelalterliche Technik“, erklärt Gerlind Alius. Und zwar eine, die ganz schön viel Arbeit bedeutet: „Ein halbes Jahr brauchen wir allein dafür sicherlich“, sagt sie. „Man kann die Technik auch nur im Sommer anwenden, wenn es warm ist und der Lehm schnell trocknet.“

Ehemalige Garage wird zum Filmraum

Und nicht nur in dem Wohnraum im Erdgeschoss kommen alte Techniken zum Einsatz. Im Keller des Hauses wollen Gerlind Alius und Ronny Neumann einen Filmraum einrichten, in dem die Besucher sich über das Hexenhaus informieren können. Ein Raum dort unten ist in den vergangenen Jahren als Garage genutzt worden. Damit dieser für Stühle und Leinwand groß genug ist, hat das Paar ein Tor in eine Zwischenwand gebaut. Ebenfalls mit alten Techniken: Dicke Holzbalken stützen nun das Gemäuer, Zusammengehalten werden sie von Nägeln aus Holz.

Bautzens ältestes Haus, das als Hexenhäusl bekannt ist, steht unterhalb der Friedensbrücke an der Spree.
Bautzens ältestes Haus, das als Hexenhäusl bekannt ist, steht unterhalb der Friedensbrücke an der Spree. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Besonders freut sich Gerlind Alius auf das, was sie im heutigen Flur des Hexenhäuschens vorhat. Denn der muss einst ganz anders ausgesehen haben als heute, ist sie überzeugt. Die Treppe und die Tür zum Keller gab es vermutlich ebensowenig wie das heutige Badezimmer dahinter. Stattdessen müsste dort einst eine sogenannte Schwarzküche gestanden haben. Das ist eine offene Feuerstelle, über der gekocht wurde. Ein Kaminschacht habe früher vermutlich bis zum Dach geführt, erzählt Gerlind Alius.

„Schwarzküche heißt es deshalb, weil dort alles verrußt war“, erklärt sie. Sicher – die Treppe und die Kellertür müssen bleiben, und einen Schacht zum Dach kann Gerlind Alius auch nicht ziehen. Aber Gerlind Alius will nachstellen, wie die Schwarzküche in etwa einmal ausgesehen haben könnte.

Im Übrigen sollen die Hexenhaus-Besucher auch die Küchen- und Wohn-Einrichtungen anderer Epochen im Hexenhaus anschauen können: im Miniaturformat. In einem der oberen Räume will Gerlind Alius einen Teil aus dem Puppenmuseum in Lichtenberg ausstellen – und das zeigen, was sie im Original in Groß im Hexenhaus nicht zeigen kann.

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