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Das ist Bautzens neue Bücher-Fundgrube

Viele Jahre existierte in der Altstadt ein Antiquariat. Doch voriges Jahr war Schluss. Jetzt gibt es ganz in der Nähe eine neue Adresse.

Michael Kunze hat vor Kurzem sein Antiquariat am Dom in Bautzen eröffnet.
Michael Kunze hat vor Kurzem sein Antiquariat am Dom in Bautzen eröffnet. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Unterschiede fallen gleich beim ersten Blick auf: Das neue „Antiquariat zum Dom“ in Bautzen hat große Schaufenster, die viel Einblick ins Innere und auf die Auslagen gewähren. Auch im Inneren hebt sich das Geschäft von Michael Kunze deutlich vom Antiquariat von Arnd Keller ab, dessen Nachfolge es in gewisser Weise antritt.

„Was kann ich dem Kunden präsentieren, auch wenn ich nicht im Laden bin?“ Diese Frage hat sich Michael Kunze bei der Suche nach einem geeigneten Laden gestellt - und die passenden Räume im Erdgeschoss des Hauses An den Fleischbänken 3 gefunden. Hier gab es früher eine Bankfiliale und später einen Möbelladen. Jetzt werden darin vor allem Bücher verkauft. „Es gibt viel Licht, helle Räume, große Schaufenster, aber es ist natürlich nicht mit den Räumen von Arnd Keller zu vergleichen“, sagt Michael Kunze.

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Im Haus An den Fleischbänken 3 in Bautzen befindet sich das "Antiquariat zum Dom".
Im Haus An den Fleischbänken 3 in Bautzen befindet sich das "Antiquariat zum Dom". © SZ/Uwe Soeder

Dessen Geschäft war nur zwei Hausnummern entfernt, es befand sich im denkmalgeschützten Gebäude mit der Nummer sieben. Im vergangenen Jahr hatte Arnd Keller überraschend die Kündigung bekommen und Ende September sein Antiquariat geschlossen. Deswegen kam eine Übernahme an diesem Standort auch nicht infrage.

Aber 13.000 Titel aus seinem Bestand hat Michael Kunze übernommen. Allein für den Transport sei die räumliche Nähe beider Läden ein großer Vorteil gewesen, sagt der neue Antiquar in der Bautzener Altstadt, der seinem Vorgänger sehr dankbar ist für dessen Hilfe und Beratung beim Aufbau des Geschäfts.

Seit November ist Michael Kunze Mieter des Ladens mit Blick zum Dom. Öffnen wollte er eigentlich am 17. Dezember, aber kurz zuvor wurde der Lockdown auch für den größten Teil des Einzelhandels beschlossen. „Ich verkaufe aktuell natürlich viel weniger“, sagt Michael Kunze.

Das Format Click & Collect funktioniere bei ihm bislang nur mäßig, „weil die Leute meinen Laden nicht kennen. Da müsste ich mein Sortiment online stellen, und man müsste suchen können. Bei Herrn Keller wussten die Leute, was er hat. Da hätte das vielleicht funktioniert.“

Er versuche aktuell vor allem über die Facebook- und Instagram-Seiten seines Antiquariats zu verkaufen. Zu den jüngsten Angeboten dort gehören etwa eine Zeichnung von Otto Dill sowie historische Wanderführer und Landkarten. Außerdem biete er regelmäßig Bücher zu bestimmten aktuellen Anlässen, Bildbände oder Werke zu Stadt- und Lokalgeschichte an.

Ein Archiv zum Einkaufen

Michael Kunze sagt, er sei nicht wegen des Geldes, sondern wegen seiner Leidenschaft für Bücher Antiquar geworden - und meint lachend, dass er wohl etwas verrückt und bekloppt sei, mitten in diesen Zeiten so ein Geschäft zu eröffnen. „Hier geht es auch darum, die Weltsicht verfügbar zu machen, auch überkommene Ansichten zu zeigen, die es mal gab, die aber nicht weg sind, wenn wir das Buch wegwerfen. Ein Antiquariat ist so etwas wie ein Archiv, nur zum Einkaufen“, beschreibt er seine Sicht.

Es sei also ganz viel Liebhaberei dabei, aber man müsse auch davon leben können. „Es geht immer um die Frage: Lässt es sich verkaufen?“, fügt Michael Kunze hinzu, der wie Arnd Keller kein gelernter Antiquar ist, sondern Autodidakt. Ihm helfe dabei seine Handbibliothek mit Bibliographien zu Verlagen und Genres. Mitunter sei es akribische Arbeit und man müsse unheimlich viel wissen.

Unzufrieden im alten Beruf

Der gebürtiger Zwickauer hat Politikwissenschaften, Soziologie und Geografie studiert, später noch promoviert. Er lebt seit rund zehn Jahren in Dresden. Die Entscheidung für ein eigenes Antiquariat habe auch mit der Unzufriedenheit in seinem Beruf zu tun. Seit 2009 hatte Michael Kunze als Journalist für verschiedene Zeitungen gearbeitet, bei der Freien Presse ein Volontariat absolviert und zuletzt in der dortigen Lokalredaktion Freiberg gearbeitet.

Jetzt, mit Ende 30, könne er sich diesen Freischuss erlauben, auch weil er keine Kinder oder anderen sozialen Verpflichtungen habe. „Vielleicht gibt es das Antiquariat auch in einem Jahr nicht mehr. Dann muss ich mir was Neues suchen.“ So bleibt er zwar realistisch, aber auch optimistisch, indem er auf baldige Öffnung des Einzelhandels hofft. Neben dem Verkauf würde er in seinem Laden gern auch Lesungen veranstalten.

Sein Antiquariat sei ein allgemeines, das gut zur Stadtgröße von Bautzen passe. Hier gibt es Titel zu Biologie, Jagd und Reise genauso wie Gedichtbände, Belletristik, sorbische Literatur oder Kupferstiche, Drucke, Lithografien sowie Holzschnitte, zählt Michael Kunze auf. „In einem Antiquariat findet man Dinge, die man nicht gesucht hat.“

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