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Bautzen: So werden die Schulen digital

Seit dieser Woche wird auch an den 130 Schulen im Landkreis Bautzen wieder online gelernt. Dahinter steckt viel Aufwand.

Robert Püschner (l.) und Wolfram Wiezorek vom Medienpädagogischen Zentrum Bautzen haben in den letzten Monaten die Schulen für das Lehren mit den sächsischen Lernplattformen vorbereitet.
Robert Püschner (l.) und Wolfram Wiezorek vom Medienpädagogischen Zentrum Bautzen haben in den letzten Monaten die Schulen für das Lehren mit den sächsischen Lernplattformen vorbereitet. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wolfram Wiezorek ist in diesen Tagen viel beschäftigt. Immer wieder klingelt sein Telefon. Gerade hat ein Lehrer der Grundschule Pulsnitz angerufen, er hatte noch eine Frage zur Lernplattform Moodle. Spätestens seit der erneuten Schließung der Schulen gehört diese neben der gerade sehr in der Kritik stehenden Plattform Lernsax im Kreis Bautzen zum Alltag. Wolfram Wiezorek hat die Schulen gemeinsam mit seinem Team vom Medienpädagogischen Zentrum darauf vorbereitet. „Bis auf vier nutzen jetzt alle 130 Schulen im Landkreis eine Lernplattform“, sagt er nicht ohne Stolz.

Seit März habe er gemeinsam mit seinen Kollegen in Hoyerswerda und Kamenz intensiv daran gearbeitet, die Lernplattformen für die Schulen aufzusetzen und die Lehrer im Umgang damit zu schulen, „sodass jetzt wesentlich bessere Voraussetzungen für das häusliche Lehren und Lernen bestehen“. Wolfram Wiezorek ist dabei der Einzige aus dem Team, der nicht mehr im Schuldienst ist. Alle anderen Medienpädagogen sind auch als Lehrer tätig. In den letzten Wochen und Monaten haben sie unter Hochdruck gearbeitet. Oft auch über den Feierabend hinaus. Zwei bis drei Schulen haben sie pro Woche auf das Online-Lernen vorbereitet.

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Lehrer wurden in Übungsstunden vorbereitet

Wenn eine Schule sich entschieden hatte, mit einer Lernplattform zu arbeiten, haben die Mitarbeiter des Zentrums die Pädagogen beraten und bei der Entscheidung geholfen, welche im konkreten Fall die richtige Plattform ist. Dann wurde sie entsprechend der Daten über Lehrer, Schüler, Klassen und Fächer eingerichtet. „Da gibt es an den verschiedenen Schulen auch verschiedene Bedingungen. Beim Sorbischen Schulzentrum zum Beispiel gibt es sorbische Sprachteile, die eingerichtet werden müssen. An einer Förderschule gibt es pro Klasse mehrere Lehrer, die müssen alle den richtigen Zugang bekommen“, erklärt Wolfram Wiezorek.

Anschließend habe das Medienpädagogische Zentrum vor Ort eine Ersteinweisung für die Lehrer und eine Einführung für die Schüler gegeben. Und bei Bedarf seien auch einige Wochen später noch Übungsstunden angeboten worden. „Einige Schulen hatten schon vor unserer Beratung eine Lernplattform und waren vertrauter mit der Technik“, sagt Wiezorek. Am Freitag vor der Schließung der Schulen sei er noch bei der Grundschule in Kirschau gewesen – damit die Eltern rechtzeitig die Zugangsdaten für das Online-Lernen bekommen.

Schüler können Fragen in geschütztem Raum stellen

Über die Plattformen können die Lehrer jetzt Audiodateien und Übungsaufgaben hochladen. Die Nutzungsmöglichkeiten seien vielfältig. Auch er lerne dabei immer noch dazu, sagt Wolfram Wiezorek. So können die Schüler auch über eine Chatfunktion miteinander oder mit ihren Lehrern kommunizieren. Bei den Grundschülern laufe das meistens über die Eltern. „Es ist gerade jetzt wichtig, dass der Kontakt aufrechterhalten werden kann“, meint der 62-Jährige.

Das schätzen auch die Schüler besonders an den Online-Angeboten – zumindest laut einer Umfrage an der Daimler-Oberschule, an der Wolfram Wiezorek bis vor Kurzem noch als Lehrer gearbeitet hat. „Für die Schüler ist es von Vorteil, wenn sie ihre Fragen in einem geschützten Raum stellen können und keine Angst haben müssen, eine vermeintlich dumme Frage zu stellen.“

Digitalisierung ist kein Wundermittel

Die Resonanz der Lehrer schätzt der Mitarbeiter des Medienpädagogischen Zentrums positiv ein. Oft hätten sie zu Beginn Berührungsängste. Trotzdem seien viele sehr motiviert. „Die meisten haben sich wirklich reingekniet, um die Technik richtig anwenden zu können – egal in welchem Alter sie sind.“ Um den Umgang mit den Lernplattformen zu erleichtern, hat er Handreichungen erstellt, in denen die verschiedenen Nutzungsweisen erklärt werden. In den kommenden Monaten will er noch entsprechende Videoclips als Hilfestellung produzieren. Seine Botschaft: „Ich bin für die Schulen und Lehrer im Landkreis da.“

Wolfram Wiezorek ist begeistert von der Idee des digitalen Unterrichts. „Jetzt sind wir endlich aufgewacht, und die Entwicklungen in diesem Bereich werden beschleunigt.“ Dennoch ist die Digitalisierung im Unterricht für ihn kein Wundermittel. „Die Lehrer müssen schon nachhaken und die Schüler begleiten. Wer in der Schule fleißig ist, ist auch beim Lernen zu Hause fleißig. Wer in der Schule eher faul ist, wird mit dem Online-Lernen nicht plötzlich zum Überflieger.“ Auch wenn vereinzelt Schüler in der heimischen Lernumgebung über sich hinausgewachsen seien.

In der Zukunft könne er sich vorstellen, dass der Lehrer mehr als Moderator in den Klassen arbeitet und die Schüler begleitet, sagt Wiezorek. Er betrachtet die Medien als Werkzeug für individualisiertes Lernen, so könne man Potenziale fördern. „Und dabei trotzdem nicht den praktischen Bezug verlieren! Es ist alles eine Frage der Dosis“, betont der Medienfachmann. Wo man Unterrichtsstoff praktisch erfahren kann, solle man das weiterhin nutzen. „Auch Soziales, Natur, Emotionen, Streitkultur, … das alles bleiben wichtige Lehrinhalte.“

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