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Großpostwitz: Investor plant Heim und Seniorenresidenz

In der Gemeinde sollen altengerechte Wohnungen, eine Tagespflege und ein Pflegeheim entstehen. Doch etwas Entscheidendes fehlt noch.

In Großpostwitz sollen am Raschaer Berg bis zum Herbst des kommenden Jahres 18 betreute Wohnungen für alte Menschen entstehen, außerdem eine Tagespflege mit bis zu 18 Plätzen.
In Großpostwitz sollen am Raschaer Berg bis zum Herbst des kommenden Jahres 18 betreute Wohnungen für alte Menschen entstehen, außerdem eine Tagespflege mit bis zu 18 Plätzen. © Visualisierung: creativ consult

Großpostwitz. Ohne Einschränkungen altern; auf dem Dorf leben und dennoch die Vorteile der Stadt nutzen können - Senioren, die im Alltag auf Unterstützung angewiesen sind, müssen mit diesem Anspruch im ländlich geprägten Oberland des Landkreises Bautzen teils lange nach einer passenden Bleibe suchen. Der Grund: Es gibt nicht ausreichend Angebote für altengerechtes Wohnen, für Tages- oder Intensivpflege.

Das, so erzählt Investor Peter Würgatsch, aus der Oberlausitz stammend und in Berlin lebend, habe er selbst erfahren müssen, als er auf der Suche nach einem Betreuungsplatz für seine Mutter war. Hinnehmen wollte er, mit ausreichend Immobilien-Know-how und finanziellem Hintergrund ausgerüstet, das nicht. Würgatsch sagt, um diesen Mangel zu beseitigen, sei er selbst aktiv - und dabei auf Großpostwitz aufmerksam geworden.

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Die Lage der 3.000-Seelen-Gemeinde an der Bundesstraße 96 ganz in der Nähe zur Kreisstadt Bautzen sei für Senioren günstig. Auch, weil die Natur vor der Haustür genauso nah ist wie die nächste Bushaltestelle. Am Raschaer Berg wurde Peter Würgatsch fündig, kaufte zwei Grundstücke, gründete gemeinsam mit einem Partner eine Gesellschaft und kündigte den Bau einer Seniorenresidenz an - eines betreuten Wohnprojektes für alte Menschen.

Ein Jahr Planungsverzug wegen Corona

Spruchreif wurde das im Mai vergangenen Jahres. Im Herbst 2020, das war zu diesem Zeitpunkt noch Würgatschs Plan, sollte der Bau beginnen. Daraus wurde nichts. Corona-bedingt, wie er erklärt: "Wir selbst hatten natürlich krankheitsbedingte Ausfälle." Ein solches Projekt bedürfe zudem umfangreicher Vorbereitungen. In den Ämtern sei dafür während der Pandemie nur eine Notbesatzung im Einsatz gewesen. Diese Gemengelage habe die Arbeiten um ein Jahr verzögert.

Die Realisierung des Vorhabens ging dennoch weiter: "Wir sind hinter der Bühne die ganze Zeit am Arbeiten", versichert der Investor und zählt auf: Zusätzlich zu den bereits erworbenen 2.000 Quadratmetern Grundstück kaufte die Seniorenresidenz Oberlausitz GmbH im November 2020 rund 650 Quadratmeter; etwa die Hälfte des angrenzenden Parkplatzes. "Weil wir für die Baugenehmigung Stellflächen brauchen", erklärt Peter Würgatsch. Denn neben 18 betreuten Wohneinheiten für bis zu 36 Bewohner sollen am Raschaer Berg auch Räume für eine Tagespflegeeinrichtung mit bis zu 18 Plätzen entstehen.

Neben dem unbebauten Grundstück am Raschaer hat der Investor auch einen Teil des angrenzenden Parkplatzes gekauft.
Neben dem unbebauten Grundstück am Raschaer hat der Investor auch einen Teil des angrenzenden Parkplatzes gekauft. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Und damit nicht genug. Laut Pflegekonzeption der Kommunen Obergurig, Schirgiswalde-Kirschau, Sohland, Cunewalde und Großpostwitz empfiehlt sich letztere Gemeinde als Standort für ein regional orientiertes Pflegeheim. Jahrelang kündete an der Ampelkreuzung im Ort ein Bauschild von entsprechenden Plänen der Kommunalinvest AG. Das Schild ist verschwunden, "weil es alt und keimig war", wie Würgatsch sagt.

Die Pläne nahmen indes an Fahrt auf. Derzeit, teilt Würgatsch mit, richte die Kommunalinvest AG ein Büro in Großpostwitz ein, im Einkaufszentrum Ladenpassage an der Bautzener Straße 1. Würgatsch selbst wurde in den Vorstand geholt. Künftig will er zwischen Berlin und Großpostwitz pendeln und hier sowohl das Wohnprojekt der Seniorenresidenz Oberlausitz GmbH als auch die Pflegeheimpläne der Kommunalinvest AG nach außen vertreten.

Im Gepäck haben beide Gesellschaften offenbar ausreichend liquide Mittel: Es wäre Kaffeesatzleserei, sagt Würgatsch, würde er jetzt benennen, wie viel Seniorenpflegeheim und Seniorenresidenz nach der Fertigstellung gekostet haben. Aber: "Ein Pflegeplatz kostet rund 100.000 Euro", sagt er und veranschlagt für die Wohnanlage mit Tagespflege am Raschaer Berg ein Investitionsvolumen von rund sechs, für das Pflegeheim mit seinen 80 Plätzen sogar von etwa acht Millionen Euro. Weitere 3,5 Millionen Euro sollen in ein Projekt nach Lückendorf im Zittauer Gebirge fließen.

Von einem Büro an der Bautzener Straße 1 in Großpostwitz aus wollen zwei Unternehmen ihre Vorhaben für altengerechtes Leben künftig vor Ort vorantreiben.
Von einem Büro an der Bautzener Straße 1 in Großpostwitz aus wollen zwei Unternehmen ihre Vorhaben für altengerechtes Leben künftig vor Ort vorantreiben. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Auf Fördermittel wollen die Investoren bei ihren Vorhaben nicht zurückgreifen, zu gering seien die Gelder, die bewilligt werden könnten, zu groß der Aufwand bei der Beantragung, sagt Würgatsch und fügt hinzu: "Obwohl in Sachsen ständig betont wird, dass es an Plätzen für die Betreuung alter Menschen mangelt, gibt es für deren Einrichtung keinerlei Fördermittel." Deshalb sei geplant, die Investitionen auf Basis von Eigenmitteln und einem Bankdarlehen zu tätigen.

Betreiber für die Pflegeeinrichtungen sind gesucht

Wenn das klappt, steht immerhin die altengerechte Hülle, aber: "Wir selber können keine Pflege machen", sagt Würgatsch, der aus diesem Grund aktuell nach Trägern für die Vorhaben sucht und mit den entsprechenden Einrichtungen im Gespräch ist. Das Problem dabei: "Insbesondere unter den Vorzeichen der Pandemie sind die Ressourcen für solche Planungen selbst bei den großen Trägern in der Altenpflege derzeit knapp." "Sobald ein Betreiber da ist", fährt er fort, "kann es losgehen" und kündigt den Baubeginn für die Seniorenresidenz für Herbst dieses Jahres an. Mit ein bis anderthalb Jahren Bauzeit rechnet er.

Derzeit sei der Bauantrag für das altengerechte Wohnprojekt am Raschaer Berg eingereicht; im Mai oder Juni, schätzt Würgatsch, könnte der positive Baubescheid erteilt werden.

18 altengerechte Wohnungen sollen am Raschaer Berg in Großpostwitz ab Herbst 2022 Platz für bis zu 36 Menschen bieten. Im Erdgeschoss des Neubaus soll eine Tagespflege eingerichtet werden.
18 altengerechte Wohnungen sollen am Raschaer Berg in Großpostwitz ab Herbst 2022 Platz für bis zu 36 Menschen bieten. Im Erdgeschoss des Neubaus soll eine Tagespflege eingerichtet werden. © Visualisierung: creativ consult

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