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Autocrosser verkaufen ihren Rennwagen

Das Team von VLG-Racing aus Weifa muss den bisherigen Standort räumen und sich deshalb von seinem Fahrzeug trennen. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Marcel Burkhardt (2. von rechts) und andere Mitglieder vom VLG Racing aus Weifa suchen nach einer neuen Bleibe für den Verein, aber viel Zeit bleibt nicht mehr.
Marcel Burkhardt (2. von rechts) und andere Mitglieder vom VLG Racing aus Weifa suchen nach einer neuen Bleibe für den Verein, aber viel Zeit bleibt nicht mehr. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Steinigtwolmsdorf. Der Autocrossverein VGL-Racing aus dem Steinigtwolmsdorfer Ortsteil Weifa wird sich vorerst nicht mehr aktiv an Autorennen beteiligen. Dem Verein bleibe keine andere Wahl, da er trotz mehrmonatiger Suche keine neuen Räume im Ort gefunden habe, erklärt Marcel Burkhardt, der stellvertretende Vereinsvorsitzende. „Wir räumen unseren bisherigen Vereinssitz gerade aus. Der Verein wird bleiben, aber ohne Rennen.“

Man habe bei den Motoradfreunden im Ort die Möglichkeit, sich zu treffen. Um diese Lösung habe sich der Verein selbst gekümmert. Da es aber keine neuen Räumlichkeiten mit einer Garage oder Werkstatt gibt, müsse der Verein das Schrauben am Wettkampfauto und die Teilnahme an Rennen aufgeben.

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Der Ford Fiesta des Autocrossvereins VLG-Racing aus Weifa wurde neu aufgebaut, und muss jetzt verkauft werden.
Der Ford Fiesta des Autocrossvereins VLG-Racing aus Weifa wurde neu aufgebaut, und muss jetzt verkauft werden. © Autocrossverein VLG Racing

Aus diesem Grund verkauft VLG-Racing auch sein Fahrzeug. Bis vor Kurzem war dazu noch eine Anzeige auf einem gängigen Portal geschaltet. „Wir verkaufen unseren neu aufgebauten Ford Fiesta GFJ mit Escort RS 2.000-Motor“ hieß es dort. „Der Wagen ist zu 98 Prozent verkauft“, sagt Marcel Burkhardt jetzt. Der potenzielle Käufer komme aus der Szene und sei vor der Corona-bedingten Pause in derselben Rennklasse gefahren wie das Team aus Weifa.

Der Vermieter der Räume hatte dem Autocrossverein im vergangenen Jahr gekündigt, ihm aber mehrere Monate eingeräumt, um einen neuen Vereinssitz zu finden. Trotz verschiedener Versuche und Ideen war das aber nicht gelungen.

So berichtete Sächsische.de bisher über das Thema:

Dem Autocrossverein VLG Racing aus dem Steinigtwolmsdorfer Ortsteil Weifa bleiben noch zwei Monate. Entweder dessen Mitglieder haben bis dahin einen neuen Standort gefunden oder der Verein wird ruhen. Von Auflösung will in Weifa derzeit noch niemand sprechen. „Unser Vermieter hat uns bis Ende März Zeit gegeben. Bis dahin müssen wir alles ausgeräumt haben“, erklärt Marcel Burkhardt, stellvertretender Vorsitzender bei VLG.

Was mit den Sachen passiert, ist aber noch unklar. Denn für das Cross-Auto, die Hebebühne oder das viele Werkzeug bräuchte es einen neuen Platz, aber der fehlt bislang. Da ihr Vermieter vor längerer Zeit Eigenbedarf angekündigt hatte, läuft die Suche der Autocrosser nach neuen Räumen bereits seit Anfang vergangenen Jahres. Am jetzigen Standort nutzen sie eine Werkstatt und einen kleinen Vereinsraum.

Gemeinderat schlägt Umzug vor

Bislang seien alle Versuche gescheitert, in Weifa eine neue Bleibe zu finden. Sinnvoll und fast geklärt wäre aus Sicht des Vereins die Teilmiete der Mehrzweckhalle gewesen, die auch durch die Feuerwehr und den Bauhof genutzt wird.

Gemeinderat Carsten Schube (Bürgerbewegung) habe sich für die Gemeindeverwaltung um die Angelegenheit gekümmert. Doch der Gemeinderat hätte im November gegen diese Pläne gestimmt, weil die Halle „vom Bauhof genutzt und gebraucht" werde, wie Amtsverweser Guntram Steglich erklärte.

Anfang Januar waren VLG-Mitglieder persönlich in der Sitzung des Gemeinderats, sagt Marcel Burkhardt. „Es hieß, wir sollen uns was in Ringenhain oder Steinigtwolmsdorf suchen, wenn wir den Verein erhalten wollen.“ Die Mehrzweckhalle solle übrigens abgerissen werden, fügt er hinzu.

Die neue Bürgermeisterin Kathrin Gessel (CDU/Bürgerbündnis), die am 1. April ihr Amt antritt, zeigte sich Mitte Januar hoffnungsvoll, eine Lösung für die Autocrosser zu finden. Im Interview mit einer Wochenzeitung sagte sie jetzt, dass alle bisherigen Vorschläge weder praktisch noch finanziell umsetzbar gewesen seien.

Auto- und Werkzeugverkauf steht zur Debatte

Zudem sei das Thema „nicht immer korrekt dargestellt und sehr dramatisiert“ worden. „Wir müssen gemeinsam nach weiteren Varianten suchen und werden eine passende Lösung finden, da bin ich mir sicher“, äußerte Kathrin Gessel.

Die Fragen von Sächsische.de nach den bisherigen Vorschlägen und dem Stand der aktuellen Suche nach geeigneten Räumen beantwortete die neue Bürgermeisterin nicht. „Momentan habe ich für diese Themen leider keine Zeit. Ab 1. April bin ich im Amt“, teilte sie mit.

In Weifa scheint es solche Räume jedenfalls nicht zu geben, dafür aber viel Unterstützung, auch über die Ortsgrenze hinaus. 400 Unterschriften habe der Verein mit dem Aufruf „VLG Racing braucht eine neue Bleibe“ gesammelt. Eine größere Garage mit Platz für eine Hebebühne bräuchten die Autocrosser und sanitäre Anlagen. Ein kleiner Vereinsraum dazu wäre die Ideallösung. „Wenn wir nichts finden, werden wir das Auto und das Werkzeug wahrscheinlich verkaufen“, sagt Marcel Burkhardt.

Die Vereinsarbeit werde ruhen, und Marcel Burkhardt befürchtet weitere Folgen. „Wenn Du einmal auseinanderrennst, kommst Du nicht mehr so schnell zusammen.“ 2009 wurde der Verein gegründet. An eine Auflösung will noch niemand denken, aber es müsse ja geklärt werden, wie es Ende März weitergeht.

Verein ist in Weifa verwurzelt

Nach Ringenhain oder Steinigtwolmsdorf umzuziehen, sei keine Option, sagt der stellvertretende Vorsitzende. „Wir hatten ein Angebot für geeignete Räume mit 1.000 Euro Miete im Monat“, aber erstens könne sich der Verein das nicht leisten und zweitens „gehören wir nach Weifa“.

Vereinsmitglied David Wolf erklärt auch, warum. „90 Prozent unserer Mitglieder leben hier.“ Der Verein sei maßgeblich am Dorffest Weifa beteiligt, habe bislang immer einen Wagen zum Faschingsumzug gestellt oder das Heimatmuseum unterstützt. Und natürlich gehe es auch um Autocross, darum, gemeinsam zu schrauben, Rennen zu fahren. „Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, aber wenn wir den Punkt überschreiten, alles zu verkaufen, fangen wir nicht so schnell wieder an.“ Eine gewisse Rat- und Lustlosigkeit habe sich mittlerweile breitgemacht.

Leerstand gebe es seines Wissens nach in Weifa kaum und mögliche Grundstücke für den Bau einer Garage seien praktisch alle in privater Hand. Selbst wenn man sich mit dem Gedanken an einen Umzug nach Ringenhain oder Steinigtwolmsdorf auseinandersetzt, stoße man da an Grenzen, da die Gemeinde selbst dort keine geeigneten Räume besitze.

Das Konzept für die Mehrzweckhalle habe der Verein im vergangenen Jahr innerhalb einer Woche ausgearbeitet und es sei schade, diese Chance nicht bekommen zu haben.

Der Beitrag wurde am 26. Februar um 15.50 Uhr aktualisiert.

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