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Mutter kämpft um vollen Corona-Kinderbonus

Eine Alleinerziehende aus Panschwitz-Kuckau fühlt sich benachteiligt, weil sie die Zahlung mit ihrem Ex-Mann teilen muss. Sie ist nicht die einzige, die das kritisiert.

Anja Erichsen aus Glaubnitz bei Panschwitz-Kuckau ärgert sich, dass sie den Corona-Kindergeldbonus für ihre beiden Kinder mit ihrem Ex-Mann teilen muss .
Anja Erichsen aus Glaubnitz bei Panschwitz-Kuckau ärgert sich, dass sie den Corona-Kindergeldbonus für ihre beiden Kinder mit ihrem Ex-Mann teilen muss . © Ina Förster

Kamenz. Anja Erichsen ist sauer. Das  Corona-Kindergeld - ein einmaliger Bonus von 300 Euro je Kind, die zusätzlich zum monatlichen Kindergeld ausgezahlt werden - ist zwar auf ihrem Konto eingetroffen, doch eine Sache versteht sie nicht:  Sie muss die 600 Euro für ihre beiden Kinder mit ihrem Ex-Mann teilen. Er will die ihm zustehende Summe von 300 Euro gleich vom nächsten Unterhalt für die Kinder abziehen. Für die Zweifachmutter ein Riesen-Aufreger.

"Ich als  Alleinerziehende muss die Hälfte dem Vater abgeben, auch wenn der sich in der Corona-Zeit um nichts gekümmert hat. Das finde ich ungerecht", sagt sie. "Zumal es  den Kindern zugute kommen soll." So wollte sie einen neuen Rechner kaufen - auch für die Zeit eines eventuellen neuen Lockdowns und das damit verbundene Homeschooling.

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Mit ihrer Meinung steht die 41-Jährige nicht allein. Bundesweit gab es vor Monaten heftige Diskussionen um den Kindergeld-Bonus. Doch die von der Bundesregierung festgelegte Regelung sieht vor, dass bei getrennten Paaren jedem Elternteil 150 Euro pro Kind zustehen. Viele Alleinerziehende fühlen sich benachteiligt. So auch Anja Erichsen.

Bonus soll den Kindern zu Gute kommen

"Rechtlich lässt sich da leider nichts machen, ich habe bereits mit dem Ministerium und dem Verein alleinerziehender Mütter und Väter persönlich gesprochen", sagt sie. "Gerade die, die es am meisten brauchen, werden jedoch benachteiligt. Da besteht dringender Handlungsbedarf", meint Anja Erichsen. Deshalb möchte sie ihre Geschichte öffentlich erzählen.

Viele alleinerziehende Eltern befürchten, dass die volle Summe auf diese Weise nicht dem Kind zugute kommen wird. Sie meinen, die finanzielle Unterstützung hätte dann besser "Elternbonus" heißen müssen. Denn dass sich beide Elternteile nach der Trennung auch weiterhin gleichberechtigt an der Erziehung und Betreuung der Kinder beteiligen, sei leider nicht generell vorauszusetzen. 

Homeschooling war große Herausforderung

Dass also auch derjenige Elternteil vom Bonus profitiert, der „nur“ zahlt und deshalb in keiner Weise tatsächlich davon betroffen war, dass Kita und Schule geschlossen waren, kommt bei den Interessenvertretern der Alleinerziehenden nicht gut an. 

"Mein Ex-Mann hat die Kinder während des Lockdowns mehrere Wochen nicht gesehen. Er wollte sich nicht anstecken. Und er wollte auch sie nicht anstecken, weil er eine private Firma und somit viel Kundenkontakt hat. Die Arbeit blieb dadurch allein an mir hängen", erzählt Anja Erichsen. Wie so oft. Das Leben als Alleinerziehende sei hart, das wisse sie seit sechs Jahren. So lange lebt sie von ihrem Mann getrennt. Zehn und zwölf Jahre alt sind ihre Kinder mittlerweile.

Im Grunde genommen sei sie ein positiver Mensch, der lösungsorientiert ist und gut zurecht kommt, sagt Anja Erichsen. Das Homeschooling im Lockdown aber  sei eine echte Herausforderung gewesen. "Ohne extrem strukturiertem Tagesablauf hätte ich das alles  nicht geschafft", sagt sie.  Kochen, beim Lernen helfen, den Haushalt schmeißen, Kinder bespaßen und dazu noch arbeiten gehen - in dieser Zeit musste sie alles auf einmal bewältigen. "Fürs Muttersein blieb wenig Raum. Ich hatte oft ein schlechtes Gewissen, weil die Laune am Boden war", sagt sie. 

"Ich hätte Unterstützung gebraucht!"

Vormittags waren die Kinder an der Reihe, nachmittags ging sie arbeiten. Das hieß wochenlang Spätschicht in der Kundenbetreuung eines Autohauses. "Ich hätte hier oft Unterstützung gebraucht. Doch die gab es nicht", sagt die Mutter. "Dass mein Ex-Mann jetzt im Nachgang noch belohnt wird, ist mir absolut unverständlich. Ich bin ein verträglicher Typ, aber an dieser Sache bleibe ich dran!" 

Auch deshalb telefonierte sie sich die Finger wund, kontaktierte Interessenverband und Mitarbeiter von Ministerien. Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter kritisiert die Festlegungen der Regierung. "Natürlich könnte der unterhaltspflichtige Elternteil seine Zahlungen in diesen zwei Monaten in der üblichen Höhe weiterlaufen lassen. Das ist eine schöne Möglichkeit, dem alleinerziehenden Elternteil ein Zeichen der Anerkennung und Unterstützung für die in der Krise in außerordentlichem Maß geleistete Kinderbetreuung zukommen zu lassen", heißt es auf der Homepage des Bundesverbandes .

Nichtsdestotrotz gibt es auch viele alleinerziehende Väter, die unter der Corona-Krise leiden. Sie hat viele Trennungsväter vor einschneidende Probleme gestellt. Zu Beginn der Kontaktbeschränkungen standen Probleme beim Umgang im Mittelpunkt, jetzt sind es verstärkt Unterhaltsfragen, die Anwälte und Gerichte beschäftigen. 

"Mir ist bewusst, dass man nicht jeden über einen Kamm scheren darf", sagt Anja Erichsen. "Aber eine Überprüfung der Tatsachen wäre in manchem Fall wichtig. Ich bleibe dran am Thema, denn ich fühle hier eine große Ungerechtigkeit!"

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