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Krankenhaus Bautzen: „Es ist um zwölf“

Die Oberlausitz Kliniken wenden sich mit einem eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit – und mit einer klaren Botschaft an die Corona-Leugner.

Ein Soldat kontrolliert den Eingang zum Bautzener Krankenhaus, 17 Angehörige der Bundeswehr sind dort im Einsatz.
Ein Soldat kontrolliert den Eingang zum Bautzener Krankenhaus, 17 Angehörige der Bundeswehr sind dort im Einsatz. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. „Die Intensivbetten für Covid-19-Patienten sind voll belegt“. Das Signal aus den Oberlausitz Kliniken ist eindeutig. In ganzseitigen Anzeigen wenden sich die Krankenhäuser in Bautzen und Bischofswerda in diesen Tagen an die Menschen im Landkreis. Ihre Botschaft: Helfen Sie bitte mit, halten Sie die Schutzmaßnahmen ein! Zugleich warnen die Mediziner eindringlich vor einem Leugnen des Virus und der Pandemie.

„Es ist nicht mehr fünf vor zwölf. Es ist um zwölf“, begründet Geschäftsführer Reiner Rogowski die ungewöhnliche Aktion. Die großflächigen Anzeigen erscheinen in diesen Tagen in der Sächsischen Zeitung und in mehreren Wochenblättern. „Wenn wir die Bilder der Corona-Leugner sehen, ärgert uns das sehr“, sagt der Krankenhaus-Chef. „Meine Mitarbeiter stehen ordentlich unter Stress. Sie haben doppelte und dreifache Belastung.“

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Für Rogowski ist klar: Zu den Schutzmaßnahmen gibt es derzeit keine Alternative. „Teilweise werden die Existenz der Pandemie und des Virus in Frage gestellt. Wir in den Krankenhäusern erleben die harte Realität auf den Isolier- und Intensivstationen.“

Allein am Donnerstag vermeldete der Landkreis neun weitere Todesfälle, mehr als 40 sind es bereits seit Anfang November, 75 seit Beginn der Pandemie.

"Wir sind knallhart an der Auslastungsgrenze"

Um dies zu unterstreichen, nennt der Krankenhaus-Chef Zahlen: 81 akute Covid-19-Patienten werden derzeit in beiden Häusern behandelt, elf davon sind Intensivpatienten. „Einen besonders schweren Fall haben wir heute Nacht in die Uni-Klinik Dresden verlegt. Wir sind knallhart an der Auslastungsgrenze, und zwar alle Krankenhäuser der Region.“

Koordiniert werden die Corona-Fälle in Ostsachsen von der Krankenhausleitstelle der Uni-Klinik Dresden. 34 Krankenhäuser und Rettungsdienste stimmen sich auf diesem Weg über die Betreuung und Versorgung der Patienten ab. Derzeit werden nach Angaben der Leitstelle in den Krankenhäusern des Landkreises Bautzen 186 Covid-19-Patienten behandelt, davon 27 auf der Intensivstation. In einem Gespräch mit Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) im Landratsamt berichteten Vertreter der Kliniken am Donnerstag von einer insgesamt besorgniserregenden Situation auf den Stationen.

Weitere Soldaten angefordert

Neben dem Appell an die Bevölkerung schaffen die Oberlausitz-Kliniken auch neue Kapazitäten. „Wir hoffen, dass jetzt einige Mitarbeiter aus der Quarantäne kommen, dann können wir leerstehende Akutbetten wieder betreiben“, sagt Rogowski. Unterstützung bekommt seine Einrichtungen durch die Bundeswehr. 17 Soldaten aus Bayern unterstützen am Bautzener Standort die Pfleger.

Im gesamten Landkreis Bautzen sind nach Angaben der Landeskommandos Sachsen 76 Soldaten eingesetzt: Die meisten von ihnen arbeiten in den Krankenhäusern in Bautzen und Kamenz sowie in den Pflegeheimen in Haselbachtal, Crostwitz und Lohsa. Jeweils zehn Soldaten kümmern sich im Auftrag des Gesundheitsamts um Abstriche und um die Kontaktverfolgung.

Reiner Rogowski ist Geschäftsführer der Oberlausitz Kliniken.
Reiner Rogowski ist Geschäftsführer der Oberlausitz Kliniken. © Steffen Unger

Zu den wichtigsten Aufgaben der Soldaten im Bautzener Krankenhaus zählt die Desinfektion der Behandlungszimmer: Eineinhalb Stunde brauchen zwei Leute für die aufwendige Prozedur vom Bett bis zur letzten Fußbodenleiste. „Wir haben bei der Bundeswehr einen weiteren Amtshilfeantrag gestellt. Wir brauchen auch Sanitätspersonal“, sagt Rogowski. Diese Soldaten werden auch auf den Stationen zur Pflege der Patienten eingesetzt. Im Städtischen Klinikum Görlitz sind bereits seit gut einer Woche Soldaten eines Sanitätsregiments aus Sachsen-Anhalt im Einsatz.

Einen besonderen Appell richtet der Krankenhaus-Chef an die Corona-Leugner: „Wenn wir Demos sehen, die sich zu wahren Hotspots entwickeln, und regionale Würdenträger durch die Gegend stiefeln und sagen: Das ist alles nicht so. Dann möchte ich jenen sagen: Ihr solltet langsam begreifen, dass es so ist.“

Update: Der Text wurde am 26.11.2020 um 16.30 Uhr aktualisiert.

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