merken
PLUS Sachsen

Das ist die aktuelle Corona-Lage in Sachsen

Mehr Intensivpatienten, Bautzener Landrat rechnet mit schärferen Einschränkungen, "Querdenken" will in Dresden demonstrieren. Ein Überblick.

In einer Fußgängerzone in Görlitz wird auf die geltenden Hygieneregeln hingewiesen.
In einer Fußgängerzone in Görlitz wird auf die geltenden Hygieneregeln hingewiesen. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Deutschlandweit erreichte die Zahl der Neuinfektionen am Freitag einen neuen Höchststand. Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut 23.542 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. In Sachsen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums 1.493 neue Infektionen von Laboren bestätigt. Die Zahl der Menschen, die mit oder an einer Covid-19 Erkrankung gestorben sind, stieg um 18 auf 480.

Kapazität der Krankenhäuser bei 70 Prozent

Das Universitätsklinikum Dresden koordiniert die Versorgung der Corona-Patienten in 35 Kliniken in Dresden und Ostsachsen. Am Freitag melden diese Krankenhäuser 525 Patienten auf Normalstation und 150 auf der Intensivstation. „Die Kapazitäten sind damit zu 70 bis 74 Prozent, je nach Klinik, ausgelastet“, sagte der medizinische Vorstand Michael Albrecht. Die Infektionszahlen steigen weiter, wenn auch nicht mehr so schnell. „Laut unserer Prognose könnten wir im schlimmsten Fall bis 20. November 875 Normalpatienten und 302 Intensivpatienten in diesem Klinik-Verbund haben“, so Albrecht.

ELBEPARK Dresden
Der ELBEPARK bietet mehr
Der ELBEPARK bietet mehr

180 Läden, 5.000 kostenlose Parkplätze und zahlreiche Freizeitangebote sorgen für stressfreies und vergnügtes Einkaufen im ELBEPARK. Jetzt Angebote entdecken.

Sind Kliniken im Freistaat auf einen starken Anstieg der Corona-Intensivpatienten vorbereitet? In unserem Podcast-Gespräch blickt Dr. Thea Koch von der Uniklinik Dresden voraus. 

Sozialministerin bittet Ärzte im Ruhestand um Hilfe

Sozialministerin Petra Köpping (SPD) hat sich mit einem Brief an Mediziner gewandt, die sich bereits im Ruhestand befinden. Sie bat die Ärzte bei der Kontaktnachverfolgung am Telefon oder an der Hotline mitzuhelfen. Auch die fachliche Hilfe der erfahrenen Ärztinnen und Ärzte im Ruhestand sei willkommen. "Die Gesundheitsämter benötigen unser aller Unterstützung, damit es gelingt, die Corona-Pandemie bekämpfen und überwinden zu können. Wir brauchen Ihre fachliche Hilfe, Ihre Berufserfahrung und Ihr Engagement. Ihre Unterstützung wäre für mich ein starkes Zeichen, dass unsere Gesellschaft in solch einer Krisensituation zusammenhält", schreibt Köpping. Dem Schreiben an die Ärzte sei ein Rückmeldebogen beigefügt. Unterstützt wird die Aktion vom Präsidenten der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck. Bereits im Frühjahr habe die Kammer unter anderem Ärzte im Ruhestand um Mithilfe gebeten und daraufhin viel Resonanz erhalten, hieß es.


Kretschmer sieht in Corona-Krise drohende Zerreißprobe

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht in der Corona-Krise eine drohende Zerreißprobe für Deutschland. Die Eskalation in der Gesellschaft dürfe nicht weiter zunehmen, denn das drohe das Land zu zerreißen, sagte er in der Talkshow von Maybrit Illner im ZDF. Er sehe die Bilder aus den USA und wolle Deutschland das ersparen. Kretschmer ging auch auf die aus dem Ruder gelaufene "Querdenken"-Demo am vergangenen Wochenende in Leipzig ein. Man habe es mit einer großen Anzahl von Menschen zu tun, die wissenschaftliche Erkenntnisse leugnen und gar nicht hören und sehen wollen, was in Krankenhäusern passiert. Diese Menschen seien auch in Gesprächen nicht zu erreichen - und trotzdem müsse man damit umgehen.

Michael Kretschmer war von zu Hause zugeschaltet. Er ist derzeit noch in häuslicher Quarantäne.
Michael Kretschmer war von zu Hause zugeschaltet. Er ist derzeit noch in häuslicher Quarantäne. © ZDF, Screenshot sächsische.de

Bautzner Landrat erwartet schärfe Einschränkungen

Zwei Wochen nach Beginn des Teil-Lockdowns sind die Corona-Zahlen im Landkreis Bautzen noch immer hoch. Landrat Michael Harig (CDU) rechnet daher in den nächsten Tagen mit einer Diskussion über schärfere Maßnahmen. "Ausgangsbeschränkungen und ein stärkerer Schutz von Risikogruppen könnten hier ein Ansatz sein", sagte Harig im Interview mit der Sächsischen Zeitung. "Wir werden uns am Wochenende dazu mit Ministerpräsident Kretschmer und seinen Ministern abstimmen und müssen sicher auch die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen abwarten."

Corona-Großeinsatz der Bundeswehr im Kreis Görlitz

Im Landkreis Görlitz treten die meisten Corona-Fälle in Alten- und Behinderteneinrichtungen auf. 19 solche Hotspots gibt es im gesamten Landkreis. Rund 600 aktive Corona-Fälle konzentrieren sich derzeit auf diese Einrichtungen, die fast allesamt unter Quarantäne stehen. Die Kliniken im Kreis Görlitz kommen beim Personal an ihre Grenzen. Schon in der vergangenen Woche waren die Kapazitäten in den Krankenhäusern zu 80 Prozent ausgelastet. Käme jetzt noch eine Vielzahl an älteren Patienten aus den betroffenen Hotspots in die Kliniken, können sie schnell an ihr Limit kommen. Nun helfen Soldaten, die sonst in Afghanistan oder Mali im Einsatz sind.

"Querdenken" will in Dresden demonstrieren

Nach der Großdemonstration am vergangenen Wochenende in Leipzig hat die Querdenken-Bewegung eine weitere Demonstration in Dresden angekündigt. Angemeldet ist eine Kundgebung für den 12. Dezember auf der Cockerwiese, bestätigte die Versammlungsbehörde der Landeshauptstadt. Bereits am 31. Oktober hatte der Dresdner Ableger zu einer Versammlung auf dem Theaterplatz gerufen. 

Unklar ist bislang, ob im Dezember noch die aktuelle Corona-Schutzverordnung in Sachsen greift, die eine Versammlungsbeschränkung auf 1.000 Teilnehmer vorsieht. Sie gilt vorerst nur bis Ende November und müsste dann verlängert werden. 

Bei der Querdenken-Demonstration Ende Oktober in Dresden haben sich nur wenige Teilnehmer an die Hygieneregeln gehalten.
Bei der Querdenken-Demonstration Ende Oktober in Dresden haben sich nur wenige Teilnehmer an die Hygieneregeln gehalten. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Gericht bestätigt Maskenpflicht in Sachsen

Das Oberverwaltungsgericht Bautzen hat Vorschriften der sächsischen Corona-Schutzverordnung bestätigt. In einem Normenkontrollverfahren habe es das Gericht abgelehnt, die Maskenpflicht, die Kontaktbeschränkung sowie die Kontaktdatenerhebung in der seit 2. November 2020 geltenden Fassung vorläufig außer Vollzug zu setzen, teilte ein Gerichtssprecher am Freitag mit. 

Auch die vorübergehende Schließung von Kosmetik- und Nagel-Studios ist demzufolge rechtens - aus denselben Gründen wie bei Tätowier- und Piercing-Studios. Der Eingriff sei für die betroffenen Gewerbetreibenden zwar gravierend, dem stehe aber das durch die Pandemie bedrohte Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit der Bevölkerung entgegen, erklärte der Sprecher. Zudem sei das Betriebsverbot auf vier Wochen befristet und den Betrieben eine erheblich Entschädigung in Aussicht gestellt worden. Geklagt hatte in dem Eilverfahren laut Gericht die Betreiberin eines Kosmetik- und Nagel-Studios. 

Corona sorgt für Milliardenverluste

Weiterführende Artikel

Corona: Bremen untersagt "Querdenken"-Demo

Corona: Bremen untersagt "Querdenken"-Demo

Neue Regeln in Dresden, kostenlose FFP2-Masken vor allem für Besucher, 1.000 Corona-Tote in Sachsen - unser Newsblog.

Im Zeitraum von 2020 bis 2024 muss das Land Sachsen in Folge der Corona-Pandemie mit Einnahmeausfällen in Höhe von insgesamt 5,5 Milliarden Euro rechnen. Das teilte Finanzminister Hartmut Vorjohann (CDU) am Freitag als Ergebnis der jüngsten Steuerschätzung mit. Die Verluste fallen damit absehbar etwas geringer aus, als noch vor einigen Wochen erwartet. Dennoch fehlen dem Freistaat allein dieses Jahr rund 1,5 Milliarden Euro an Einnahmen. „Für eine Entwarnung ist es viel zu früh“, sagte der Minister. Für das laufende Jahr rechnet der Freistaat mit Steuereinnahmen in Höhe von knapp 15 Milliarden Euro, etwa 300 Millionen mehr als noch bei der Steuerschätzung im September. Grund seien vor allem die wieder anspringende Konjunktur und Ausgleichszahlungen des Bundes. (mit dpa, SZ/gs/jv)


Mehr zum Thema Sachsen