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Nur die Hälfte der Sachsen befürwortet Corona-Impfung

Trotz Erfolgen in der Impfstoffforschung steigt in Sachsen die Skepsis. Eine Langzeit-Umfrage zeigt, wie sich die Meinung zur Impfung verändert.

Noch gibt es den Impfstoff nicht. Doch selbst wenn er flächendeckend verfügbar wäre, würde sich längst nicht jeder Sachse impfen lassen.
Noch gibt es den Impfstoff nicht. Doch selbst wenn er flächendeckend verfügbar wäre, würde sich längst nicht jeder Sachse impfen lassen. © dpa/Julian Stratenschulte

Dresden. Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs gegen das Coronavirus ist das zentrale Thema dieser Pandemie. Denn wenn er einmal da ist, könnten die Verbreitung gestoppt und die Masken samt aller anderen Schutzmaßnahmen Stück für Stück fallen. Von den Fortschritten bei der Impfstoffsuche sind in Sachsen aber offenbar immer weniger Menschen überzeugt, wie eine Langzeitbefragung von Sächsische.de zusammen mit den Meinungsforschern von Civey zeigt.

Gefragt danach, ob sie sich gegen Corona impfen lassen würden, sagt aktuell ziemlich genau die Hälfte der Bürger des Freistaats "Ja" (50,6 Prozent). Etwa jeder Zehnte (11,7 Prozent) ist unentschlossen und 37,7 Prozent lehnen eine Impfung ab. 

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Die Umfrage läuft bereits seit Sommer. Laut der Demoskopie-Experten von Civey sei in Sachsen wie auch deutschlandweit zu beobachten, dass die Impfbereitschaft immer wieder Schwankungen unterliege. In den vergangenen Tagen sei sowohl die Zahl der Impfbefürworter als auch die der Gegner steigend. Im Vergleich zu Mitte Juli, als Sächsische.de die Umfrage erstmals ausgewertet hatte, ist jedoch ein klarer Unterschied erkennbar. Damals befürworteten noch zwei Drittel der Sachsen die Impfung, also deutlich mehr.

Impfskepsis in Sachsen größer als im Bundesschnitt

Die Umfrage zeigt auch, dass die Impfbereitschaft insbesondere im Freistaat weitaus niedriger ausgeprägt ist als im Bundesschnitt: Den Zahlen zufolge würden sich nämlich aktuell rund 62 Prozent der Deutschen impfen lassen. 

Wieso ist das Lager der Impfgegner in Sachsen so viel stärker? Ein mögliches Indiz liefert ein tieferer Blick in die Auswertung der abgegebenen Stimmen nach Wahlabsicht der Teilnehmer. Dabei fällt auf, dass vor allem Wähler der AfD mit deutlicher Mehrheit die Impfung abzulehnen scheinen. Mehr als zwei Drittel der Menschen (67,4 Prozent), die diese Partei präferieren, nehmen eine ablehnende Haltung ein. Bei allen anderen Parteipräferenzen liegt die Quote der Gegner deutlich niedriger bei um die 20 Prozent. Da in Sachsen tendenziell mehr Menschen der AfD nahestehen als im Bundesschnitt, könnte ein Zusammenhang mit der anteilig größeren Impfskepsis bestehen.

Sachsen plant Impfzentren

Einhellige Meinung unter Virologen und in der Gesundheitspolitik ist, dass ab einer Impfquote von 60 Prozent ein Immunisierungseffekt in der Bevölkerung einsetzen könnte. Für ganz Deutschland betrachtet, würde dieses Ziel nach derzeitigem Meinungsbild in der Impfumfrage erreicht werden, in Sachsen allerdings nicht ganz. 

Wann es einen flächendeckend einsatzbereiten Impfstoff geben wird, ist noch nicht mit aller Sicherheit klar. Doch seit die beiden kooperierenden Pharma-Unternehmen Biontech und Pfizer am Montag  den Stand ihrer Entwicklung mitteilten, herrscht Optimismus in dieser Frage. Laut der Forscher habe ihr entwickeltes Präparat mit dem Namen "BNT162b2" eine Wirksamkeitsrate von über 90 Prozent. "Das ist Licht am Ende des Tunnels", kommentierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) diese Nachricht.

Der Impfstoff befindet sich in der dritten und letzten klinischen Studie. Er soll im ersten Quartal des nächsten Jahres eventuell schon verfügbar sein. In Sachsen soll es dann in jedem Landkreis eine Impfmöglichkeit geben. Pro Landkreis oder kreisfreier Stadt sei im Freistaat mindestens ein Impfzentrum oder eine Anlaufstelle zum Impfen geplant, berichtete der MDR am Mittwoch unter Berufung auf das sächsische Gesundheitsministerium.

Die Impfung, und das betont vor allem die Politik immer wieder, wird freiwillig sein. Auch in Sachsen.

Information zu den Umfragen mit Civey

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In diesem Artikel wurde eine Umfrage ausgewertet, die Sächsische.de in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey durchgeführt hat. An der Umfrage zur Impfbereitschaft haben seit Beginn im Sommer 80.382 Menschen teilgenommen, aus 5.068 abgegeben Stimmen wurde eine aktuelle repräsentative Stichprobe gezogen. Die Stichprobe für Sachsen entspricht der Grundgesamtheit der Wahlbevölkerung im Land. Detailangaben zu Befragungszeitraum, Stichprobengröße und statistischem Fehler entnehmen Sie den jeweiligen Grafiken. Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.

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