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Dresden: Unterricht in Hotels?

Der Dresdner Hotelier Florian Stühmer bietet seine Tagungsräume für Klassen an. Warum das Kultusministerium darüber nicht nachdenkt.

Florian Stühmer ist Generaldirektor des Innside Hotels in der Dresdner Innenstadt. In seinen Tagungsräumen sei genug Platz für Schüler.
Florian Stühmer ist Generaldirektor des Innside Hotels in der Dresdner Innenstadt. In seinen Tagungsräumen sei genug Platz für Schüler. © Sven Ellger

Dresden. Immer mehr Dresdner Schüler und Lehrer werden vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt, weil es an den Schulen Corona-Fälle gibt. Derzeit sind mehr als 1.600 Kinder und Lehrer von 73 Schulen in Quarantäne. Bereits im Frühjahr und Sommer wurden deshalb an einigen Schulen die Klassen geteilt und zeitlich versetzt in zwei getrennten Gruppen unterrichtet.

Das Gesundheitsamt schreibt am Montag auf SZ-Anfrage: "Größere Ausbrüche konnten als solche nicht festgestellt werden, wenngleich die Fallzahl auf einem konstant hohen Niveau bleibt. Hauptsächlich in Schulen und Kitas sind nun vermehrt Infektionen feststellbar, was zu Absonderungen von Klassenverbänden und Lehrpersonal beziehungsweise Gruppen und Erziehern führt."

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Mit einem ungewöhnlichen Vorschlag will nun auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dafür sorgen, dass Schüler ausreichend Abstand halten können und ein infizierter Schüler nicht so viele Kontakte in der Klasse hat. Dadurch müssten dann womöglich weniger Schüler in Quarantäne.

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Weil derzeit Restaurants geschlossen und Hotels nur für Geschäftsreisende offen sind, schlägt Altmaier vor, dass ein Teil des Unterrichts in den leer stehenden Hotel- und Gaststättenräumen stattfinden soll. Die Idee findet auch der Dresdner Hotelier Florian Stühmer gut.

Auf der Facebook-Seite seines Innside-Hotels in der Salzgasse bietet er seine Konferenzräume für Schüler aus Dresden und anderen sächsischen Regionen an. "Wir haben vier wunderbare Tagungsräume, wo genug Schüler Platz finden würden", schreibt Stühmer. "Natürlich gegen eine Raummiete, um noch etwas Umsatz zu generieren", ergänzt der Hotel-Chef sein Angebot.

Für eine persönliche Stellungnahme ist Florian Stühmer am Montag zunächst nicht erreichbar. Aber wäre es denn eigentlich so einfach möglich, den Schulunterricht in ein Hotel zu verlegen? Susann Meerheim vom Kultusministerium erteilt dem eine knappe Absage. "Darüber brauchen wir nicht einmal nachzudenken", so Meerheim. "Denn dafür haben wir einfach nicht genug Lehrer."

Natürlich sei es möglich, zusätzliche Räume zu nutzen, doch das Personalproblem sei damit nicht gelöst. Dazu kämen offene Fragen, etwa, inwieweit Gaststätten- und Hotelbetreiber überhaupt bereit wären, ihre Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und was das kosten würde. Von versicherungstechnischen Fragen ganz abgesehen. Susann Meerheim betont: "Wir haben in Sachsen nur 33.000 Lehrer. Diese Zahl können wir bei geteilten Klassen nicht einfach verdoppeln."

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Skeptisch gegenüber Altmaiers Vorschlag ist auch Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU). "Der Vorschlag ist so ohne Weiteres nicht umsetzbar." Dafür müssten zunächst die Räumlichkeiten so umgebaut und ertüchtigt werden, dass ein Schulbetrieb möglich wird. Darüber hinaus müsste der Freistaat Sachsen eine Betriebserlaubnis für die jeweiligen Objekte erteilen. "Dies ist unter den momentanen Gegebenheiten nicht realistisch", so Donhauser. Außerdem würden vor allem schulorganisatorische Aspekte deutlich dagegen sprechen.

Schulleiterin befürwortet die Klassenteilung

Arnhild Göllner, Schulleiterin des Vitzthum-Gymnasium, befürwortet die diskutierte Klassenteilung. "Das wäre für alle aktuell entspannter und wir könnten die Abstandsregeln besser einhalten." Klar seien in allen Schulen die Lehrer knapp, aber mit guter Organisation sei das zu managen. "Wir könnten wieder Unterricht im Wechsel in der Schule und Zuhause machen", sagt sie. Eine Option sei, die Stunden zu verkürzen, damit die Lehrer dann noch Zeit für die Betreuung des Unterrichts daheim hätten.

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