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Sind alle Gartenmärkte in Görlitz und Niesky geöffnet?

Baumärkte sind dicht, Gartencenter aber geöffnet. Das verunsichert die Kunden in Görlitz und Niesky. Und werden jetzt trotzdem noch Corona-Tests genutzt?

Wo muss ich lang, wenn ich einen Schraubenzieher brauche? Fragen über Fragen, hier bei Hornbach in Görlitz.
Wo muss ich lang, wenn ich einen Schraubenzieher brauche? Fragen über Fragen, hier bei Hornbach in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Günther Friedrich hat vorsichtshalber erst einmal seinen Ford angehalten. Wo und wie geht es nun weiter? "Links rum, hat mir dann meine Frau gesagt", erzählt der Rentner fünf Minuten später auf dem Parkplatz vorm Hornbach-Baumarkt in Görlitz.

So ganz sicher, ob sie ihre Pflanzerde, 40 Liter im Sack, universell einsetzbar, an diesem Montagvormittag so einfach bei Hornbach kaufen können, war sich das Ehepaar aus dem Görlitzer Norden nicht. "Sollte doch wieder alles zumachen. Also haben wir vorher angerufen", schildert Gabriele Friedrich. Beruhigt machten sie sich dann auf den Weg. Baumarkt zu, beziehungsweise nur mit telefonischer Vorbestellung, Gartenmarkt offen. Oder man ist eben Handwerker, die dürfen auch in den eigentlichen Baumarkt.

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Unsicherheit bei den Kunden

"Nein, schön ist das alles nicht", sagt Günther Friedrich. Geimpft ist das Paar noch nicht, die Tochter wolle sich aber um einen Termin kümmern. "Am liebsten wäre es mir beim Hausarzt", sagt Frau Friedrich.

Die Unsicherheit der Einkäufer in und um Görlitz, sie ist offensichtlich groß, seit die "Notbremse" von der Bundesregierung gezogen wurde. Und vor allem zuweilen tatsächlich unverständlich. Besonders deutlich zeigt sich das in den Baumärkten mit ihren angeschlossenen Gartenmärkten. Hornbach im Görlitzer Norden hat extra ein ausgeklügeltes Leitsystem für die Fahrt zum Gartenmarkt aufgebaut. Es geht für die Kundschaft sozusagen "hintenrein", direkt zu den Gartenartikeln. So einfach ist das ein paar Hundert Meter weiter bei Toom nicht. Dort muss die Kundschaft durch den Haupteingang, wird dann rechts herum in den Gartenmarkt delegiert.

"Ein Wirrwarr", so fasst Toni Mambk, Chef des Obi-Marktes in Niesky seine Erfahrungen zusammen. Auch hier ist natürlich der Gartenmarkt geöffnet. "Aber die Resonanz war am Montag eher verhalten", sagt Toni Mambk. "Die Kunden sind einfach verunsichert", schildert er. Es habe Anrufe gegeben, ob überhaupt etwas und wenn ja was im Markt geöffnet hat.

Testzentren schauen vor allem auf Berufspendler

Am vergangenen Freitag, bevor die "Notbremse" in Kraft trat, habe es noch einmal einen Ansturm auf den Markt in Niesky gegeben. Seit Montag ist eben nur der Gartenmarkt geöffnet, drinnen wie draußen. "Es ist schon schwierig, den Kunden zu erklären, dass sie zwar ihre Blumen ganz einfach kaufen können, aber den Schraubenzieher zwei Gänge weiter eben nicht. Da gilt dann bei uns Click and Collect", so Toni Mambk. Das heißt: Die Orchidee darf gleich in den Einkaufswagen, den Schraubenzieher aber kann man nur vorab bestellen und anschließend abholen.

Ausgangssperre, Einschränkungen bei privaten Zusammenkünften, geschlossene Läden und Freizeiteinrichtungen, Beschränkungen beim Sport und, und, und - das gilt in Sachsen bei einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100. Über 150 fällt dann auch noch Click & Meet weg, das Einkaufen mit Termin. Im Landkreis Görlitz lag am Montag die Inzidenz bei knapp 246.

Corona-Testzentren im Kreis sollten unter anderem das Einkaufen, Friseurbesuche und Ähnliches erleichtern. Wenn jetzt aber die "Notbremse" greift, lohnen sich die Testzentren eigentlich noch? Die Testerinnen im Zentrum bei Birkenstock in Görlitz schauen schon gespannt auf den einzigen Kunden, der sich am Montagmittag gerade nähert. Der will aber gar keinen Test. "Unsere Kundschaft besteht ja vor allem aus Birkenstock-Mitarbeitern", sagt eine der Testerinnen. Wer zum Friseur will, der komme hier eher nicht vorbei. Das Testzentrum wird von der bayrischen Firma Modl Medical betrieben.

Auch wenn am Montagvormittag noch die großen Werbeaufsteller für das Testzentrum im Flamingo-Casino auf der Görlitzer Bahnhofstraße stehen, ist es doch längst umgezogen. Im Anbau von "Jonnys Pizza", ebenfalls auf der Bahnhofstraße, lässt Flamingo-Chef Stefan Menzel jetzt testen. "Das Casino war ja nur eine Lösung auf Zeit", sagt er. Das eigentliche Problem war aber ein ganz profanes: Direkt am Casino sind die Parkplätze knapp. "Der Pizzeria-Anbau ist da natürlich viel besser geeignet. Die Kunden können bei Penny parken", sagt Stefan Menzel.

Weniger Kundschaft, das habe er nicht registriert. "Zu uns kommen weiterhin vor allem die Grenzpendler", sagt Stefan Menzel.

Hoffnung auf neue Öffnungen beim Handel

Apotheker Carsten Stubbe von der Linden-Apotheke betreibt gleich mehrere Testzentren, unter anderem am Marienplatz im Hotel "Zum Goldenen Strauß". Zuletzt kamen Zentren in der Straßburg-Passage in der Tanzschule Matzke und im "Gut am See" in Tauchritz dazu. "Dort testen wir vor allem Pendler und für Betriebe im Gewerbegebiet", sagt Carsten Stubbe.

Betriebswirtschaftlich lohne sich der Aufwand mit den Testzentren. "Sie funktionieren kostendeckend", so der Apotheker. Er ist sich sicher: "Der Bedarf nach Tests wird in ein paar Wochen wieder ansteigen." Dann, wenn die Inzidenz unter 100 fällt und wieder mehr geöffnet werden kann. Ja, sagt Carsten Stubbe, derzeit merke er schon, dass sich weniger Kunden zum Testen melden. "Aber es gibt Menschen, die verantwortungsvoll sind, die wissen wollen, ob sie infiziert sind", sagt er. Wenn es dann zu der neuen Öffnung kommt, seien auch entsprechende Testkapazitäten nötig.

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Günther Friedrich hat inzwischen seine Pflanzerde, 40 Liter, im Kofferraum seines Ford Focus verstaut und wartet nur noch auf seine Gabriele. Die schafft den Einkaufswagen bei Hornbach weg. Der Parkplatz hat sich derweil gefüllt, offensichtlich lockt das Gartencenter. "Kein Wunder", sagt Günther Friedrich, "das Frühjahr steckt nun wohl hoffentlich in den Startlöchern. Da wollen die Blümchen in den Boden."

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