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Corona: Folgen für Dresdner Arbeitsmarkt

Im ersten Lockdown waren Tausende Dresdner in Kurzarbeit oder verloren ganz ihren Job. Welche Branchen das besonders hart traf und wie sich die Lage entwickelt.

Zwar haben sich einige Branchen nach dem ersten Lockdown erholt. Doch derzeit sind erneut 14.000 Mitarbeiter in der Dresdner Tourismusbranche von den Einschränkungen betroffen.
Zwar haben sich einige Branchen nach dem ersten Lockdown erholt. Doch derzeit sind erneut 14.000 Mitarbeiter in der Dresdner Tourismusbranche von den Einschränkungen betroffen. © Symbolfoto: Uwe Anspach/dpa

Dresden. Gerade werden die wirtschaftlichen Folgen des ersten Lockdowns immer deutlicher - nun sind schon wieder einige Branchen von Corona-Beschränkungen betroffen. Geschlossene Restaurants und Fitnessstudios, Übernachtungsverbot für Touristen, abgesagte Veranstaltungen. Welche drastischen Auswirkungen der erste Lockdown für den Arbeitsmarkt hatte - und wer nun vom sogenannten "Lockdown light" betroffen ist.

Welche Branchen waren durch den ersten Lockdown besonders stark von Kurzarbeit betroffen?

Die verschiedenen Wirtschaftsbereiche seien in unterschiedlichem Ausmaß von den Folgen und insbesondere von Entlassungen betroffen gewesen, so Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) in einer Antwort auf eine Anfrage von SPD-Stadträtin Kristin Sturm (SPD). Das zeigt sich auch in den von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Zahlen. 

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So wurden im Arbeitsmarktbezirk Dresden im März dieses Jahres 24.087, im April 38.781 und im Mai 4.966 Anzeigen auf Kurzarbeitergeld registriert. Im März waren rund 1.900, im April schon mehr als 4.300 Betriebe betroffen. Zum Vergleich: Im Januar 2020 hatten sieben Dresdner Betriebe für insgesamt 75 Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

In den Monaten März bis Juni waren von den Corona-Einschränkungen und deren Folgen zwei Branchen besonders hart betroffen: Im Gastgewerbe wurden rund 11.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, dicht gefolgt vom Handel und dem verarbeitenden Gewerbe, in denen jeweils 10.900 sowie 10.400 Angestellte betroffen waren.

Auch noch im Juni hatten 132 Dresdner Betriebe für 3.300 Mitarbeiter Kurzarbeit in der Agentur für Arbeit angezeigt, im Juli waren es 53 Betriebe mit insgesamt rund 1.000  betroffenen Mitarbeitern. 

Wie hat sich die Arbeitslosenzahl im ersten Lockdown entwickelt?

Dieses Bild spiegelt sich auch bei den Veränderungen der Arbeitslosenzahlen wieder. Vergleicht man jeweils die Zeiträume April bis Juli für die Jahre 2019 und 2020, ist der Anteil an Arbeitslosen vor allem in folgenden Bereichen drastisch gestiegen: in den Reisebüros um 278 Prozent, in der Energie- und Wasserversorgung sowie Energiewirtschaft um 162 Prozent und im Gastgewerbe um 44 Prozent. Soweit die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Diese Tendenz habe sich bei Gesprächen bestätigt, die Mitarbeiter des Amtes für Wirtschaftsförderung in Dresdner Firmen geführt haben. Zur Statistik des Arbeitsamtes seien demnach aber auch die Veranstaltungsbranche hinzuzufügen, in der vor allem Technikfirmen, Messebauer, Werbegrafiker und Eventagenturen betroffen waren und sind. Dazu kommen Fitnessstudios und Personaltrainer sowie Firmen der Kultur- und Kreativwirtschaft. 

Wo waren die Umsatzverluste besonders hoch?

Durch die Corona-Beschränkungen sei im Gastronomie- und Veranstaltungsbereich neben der Kurzarbeit für nahezu alle Arbeitnehmer in der Zeit des ersten Lockdowns ein Umsatzverlust von bis zu 100 Prozent entstanden, teilt Hilbert in der Anfrage weiter mit. So waren durch Absagen von Veranstaltungen und Ausstellungen fast alle Aufträge der Messebauer und Werbegrafiker weggebrochen, sie wurden storniert. Hotels und Gaststätten mussten im März schließen.

Im Handel, insbesondere im Einzelhandel wie in Blumen-, Mode- und Souvenirläden sowie bei jenen Geschäften, die keinen Online-Verkauf anboten, wurden kaum Umsätze infolge des Lockdown erzielt. Bis auf Super- und Baumärkte mussten im Frühjahr alle Läden schließen. "Umsatzausfälle konnten in dieser Zeit nicht kompensiert werden", so Hilbert.  Die Saisonware - wie etwa Oster-Artikel - musste nach dem Lockdown, als die Geschäfte wieder öffnen durften, zu reduzierten Preisen angeboten werden.

Hat sich die Lage seit dem ersten Lockdown entspannt?

Auch nach den Lockerungen im Mai sei die Skepsis gegenüber den geplanten Veranstaltungen groß gewesen, so Hilbert. Und diese erschwert bis jetzt auch weiterhin nicht nur den Verkauf der Tickets, sondern führt auch zu Unsicherheiten bei der Planung von verschobenen und neuen Veranstaltungen. Das betrifft aktuell etwa die Organisatoren und Händler der Dresdner Weihnachtsmärkte. Weiterhin angespannt bleibt nicht zuletzt deshalb auch die Lage in der Hotelbranche: Durch die nun wieder bestehenden Reisebeschränkungen fehlen nationale und internationale Gäste. Ob sich das im Dezember mit möglichen Lockerungen ändert, ist derzeit noch völlig offen.

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Doch es gibt auch durchaus Positives: Kleine und individuelle Geschäfte in Laubegast, Striesen und Blasewitz konnten nach dem ersten Lockdown gute Umsätze verzeichnen, da diese Geschäfte gegenüber großen Einkaufscentern von Kunden bevorzugt wurden, heißt es in der Anfrage. Auch kleine Handwerksbetreibe haben profitiert: Sie erhielten demnach mehr Aufträge von Privatpersonen für individuelle Anfertigungen.

Schwer haben es seitdem indes die Dresdner Fitnessstudios. Sie mussten aufgrund der ersten Schließung zum Teil ihre Mitgliedsbeiträge zurückerstatten. Neukunden zu gewinnen, sei außerdem schwer gewesen. Nun, im zweiten Lockdown, sind die Fitnessstudios - ebenso wie andere Dienstleister wie Kosmetiksalons und Tattoostudios - erneut von der Schließung betroffen. 

Wie entwickeln sich die Arbeitslosenzahlen aktuell?

Die Zahl der arbeitslosen Dresdner war im Oktober leicht gesunken. Laut Arbeitsagentur hatten genau 18.907 Menschen keinen Job. Das waren rund 600 weniger als im September. Die Arbeitslosenquote sank von 6,5 auf 6,3 Prozent und entspricht damit etwa dem Niveau vom April dieses Jahres. Zum Vergleich: Im März, als der erste Lockdown in Kraft trat, allerdings noch nicht zu Entlassungen in Größenordnungen geführt hatte, lag die Quote bei 5,5 Prozent. "Bereits den zweiten Monat in Folge können wir für die Landeshauptstadt einen Rückgang der Arbeitslosigkeit verzeichnen", sagt Agenturleiter Jan Pratzka und spricht von den besten Werten seit Beginn der Corona-Krise. "Erfreulich dabei ist insbesondere der Rückgang der jugendlichen Arbeitslosen mit einem Minus von knapp 13 Prozent." 

Viele Dresdner, vor allem aus Hotellerie und Gastronomie, sind auch aktuell wegen der Schließung von Lokalen und Hotels in Kurzarbeit. Wie auch schon im Frühjahr. Hotels ist es bis Ende des Monats verboten, Touristen zu beherbergen. Welche Dimensionen diese Schließungen haben, zeigt ein Blick auf die Beschäftigten in dieser Branche: So sind in Dresden rund 14.000 Menschen allein in der Tourismuswirtschaft tätig, wie aus den Zahlen des Statistischen Landesamts hervorgeht. 

Und auch die Zukunftsaussichten sind alles andere als rosig. "Die wirtschaftliche Situation der deutschen Reisewirtschaft verschlechtert sich aufgrund der Coronakrise dramatisch. Nach einem leichten Anstieg der Buchungen in den Sommerferien bricht das Urlaubs- und Geschäftsreiseaufkommen nun wieder wie im Frühjahr dieses Jahres zusammen", so der Deutsche Reiseverband (DRV). 

Die Verluste würden sich häufen und damit stehen hunderttausende Arbeitsplätze bei den rund 2.300 Reiseveranstaltern und 11.000 Reisebüros in Deutschland auf dem Spiel. Bis zum Jahresende rechne der Verband mit einem Umsatzeinbruch von über 28 Milliarden Euro bei Reiseveranstaltern und Reisebüros. Das entspricht einem Umsatzrückgang von rund 80 Prozent.

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