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Corona-Impfung macht nicht unfruchtbar

Nach Warnungen im Netz wollen sich viele junge Frauen nicht impfen lassen. Wissenschaftler erklären, was dran ist.

Vor allem junge Frauen vertrauen Warnung im Internet vor der Corona-Impfung. Was ist da dran?
Vor allem junge Frauen vertrauen Warnung im Internet vor der Corona-Impfung. Was ist da dran? © 123rf

Die meisten Menschen sehen die neuen Corona-Impfstoffe als Ausweg aus der Pandemie, andere haben aber auch Angst davor. Sie fürchten schwerwiegende Nebenwirkungen, weil der Impfstoff viel schneller als andere zugelassen wurde. Zu den Kritikern gehört auch Dr. Wolfgang Wodarg. Er ist Arzt und gehörte als SPD-Mitglied viele Jahre dem Deutschen Bundestag und der Parlamentarischen Versammlung des Europarates an, wo er für Fragen der Sicherheit, Medizin und Gesundheit zuständig war. Anfang Dezember 2020 hat er gemeinsam mit Dr. Michael Yeadon, Ex-Forschungsleiter bei Pfizer, den Antrag an die Europäische Arzneimittelagentur gestellt, sämtliche Corona-Impfstudien zu stoppen.

Warum will Dr. Wolfgang Wodarg die Corona-Impfstudien stoppen?

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Er führt zum einen eine mangelhafte Treffsicherheit der PCR-Tests an, mit der die Wirksamkeit der Impfstoffe nachgewiesen wurde. Doch viel stärker als diese Kritik wurde von den Facebook-Nutzern eine weitere Behauptung von ihm aufgenommen und tausende Male geteilt: Wodarg zufolge sollen die Corona-Impfungen von Biontech/Pfizer, die derzeit auch in Deutschland verabreicht werden, die Fruchtbarkeit von Frauen gefährden. Viele junge Frauen, die sich noch Kinder wünschen, wollen deshalb nun auf die Impfung verzichten.

Worauf stützt sich die Behauptung, dass Impfung die Fruchtbarkeit gefährdet?

Die Impfung versucht, das sogenannte Spike-Protein des Coronavirus mithilfe von vorgefertigten Gen-Schnipseln – der mRNA – im Körper zu kopieren und dort auf diese Weise eine Immunreaktion zu erzeugen. Beim Spike handelt es sich um eine Art Rüssel auf der Hülle von Sars-CoV-2, mit der das Virus an menschlichen Zellen andocken kann.

Darüber behauptet Wodarg: „Antikörper, die die Spikes von Coronaviren bekämpfen, bekämpfen möglicherweise auch Syncytin.“ Syncytin ist ein kleiner Teil eines speziellen Proteins, das sowohl im Virus-Spike als auch bei der Bildung der Plazenta in der Schwangerschaft vorkommt. Eine Impfung gegen Corona könne in seinen Augen auch eine Immunreaktion gegen die eigene Plazenta auslösen. „Es kann sein, dass junge Frauen dann keine Kinder mehr kriegen“, so Wodargs. Wer ausschließen wolle, dass es dazu komme, müsse den Impfstoff erst länger beobachten.

Welche Rolle spielt Syncytin für die Fruchtbarkeit?

Das Protein wird von menschlichen Spermien produziert und scheint eine Rolle bei der Befruchtung der Eizelle zu spielen, bestätigt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Darüber hinaus habe es eine Funktion beim frühen Aufbau der Plazenta.

Kann der Impfstoff das Syncytin beim Menschen attackieren?

Nein, sagt Annette Beck-Sickinger, Leiterin der Forschungsgruppe Biochemie und Bioorganische Chemie an der Universität Leipzig. „Denn das Spike-Protein und das angesprochene Protein in der Plazenta sind so unterschiedlich, dass eine Kreuzreaktion des Impfstoffs im Grunde unmöglich ist.“ Wenn die Syncytin-Behauptung stimmen würde, müsste jede Frau unfruchtbar sein, die sich mit Corona infiziert hat, weil sie nach einer Infektion dieselben Antikörper entwickelt wie nach einer Corona-Impfung.

Dr. Thomas Grünewald, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am Klinikum Chemnitz hat beide Syncytine verglichen. Um eine Kreuzreaktion auch auf das Plazenta-Syncytin auslösen zu können, müssten sich beide Proteine mindestens zu 30 bis 50 Prozent ähneln. Die Übereinstimmung liege aber nur bei knapp sieben Prozent.

Er geht sogar noch weiter: „Wenn eine siebenprozentige Ähnlichkeit bereits für eine Kreuzreaktion ausreicht, müsste eine Corona-Impfung auch die Stabilität der gesamten Zellstruktur und der Muskulatur des Menschen gefährden.“ Denn der Eiweißstoff Actin weise eine sechsprozentige Ähnlichkeit mit dem Impf-Syncytin auf. „Nach einer Impfung würden wir demnach alle zusammenfallen, weil die Stabilität der Zellen nicht mehr gegeben ist“, sagt er.

Die gleiche Position vertritt auch der Frauenarzt Dr. Christian Albring: „Unser Immunsystem ist hochintelligent. Es kann sehr genau zwischen unterschiedlichen Proteinstrukturen unterscheiden. Wenn Antikörper gegen bestimmte Proteine eines Krankheitserregers gebildet werden, dann werden durch diese Antikörper nicht gleichzeitig auch alle Körperproteine bekämpft, die an irgendwelchen Stellen eine ähnliche Struktur haben.“

Welche Ursachen hat ein unerfüllter Kinderwunsch in den meisten Fällen?

In 40 Prozent der Fälle liegen die Ursachen allein bei der Frau. Diese sind zum Beispiel das Alter, starkes Über- oder Untergewicht, Rauchen, eine frühere Chlamydien-Infektion, durch die die entzündeten Eileiter verklebt sind, eine Endometriose oder ein PCO-Syndrom. Hierbei treten an den Eierstöcken kleine wassergefüllte Bläschen auf. In 40 Prozent der Fälle liegt die Unfruchtbarkeit allein beim Mann. Und in 20 Prozent sind beide beteiligt, sagt Albring.

Ist eine Corona-Impfung für Frauen mit Kinderwunsch gefährlich?

Im Gegenteil, so der Verbandschef der Frauenärzte. „Wenn die Folge des Nichtimpfens eine Infektion mit Covid-19 ist, so kann dies besonders in der Schwangerschaft zu schweren Verläufen führen. Davor wird die Impfung schützen.“ Weil aber zur Anwendung der mRNA-Impfstoffe in Schwangerschaft und Stillzeit aktuell keine Daten vorliegen würden, habe die Ständige Impfkommission die generelle Impfung in der Schwangerschaft derzeit nicht empfohlen.

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Eine bereits erfolgte Impfung sei aber keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch, heißt es in den aktuellen Mitteilungen des Robert-Koch-Institutes. Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung könne nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung angeboten werden. Trotz ihrer Zurückhaltung bei den Impfempfehlungen „hält es die Ständige Impfkommission für unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt.“

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