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Corona: Karnevalsvereine leiden in der Krise

Die Faschingssaison fällt aus. Das ist auch für die Clubs in der Kamenzer Region traurig. Vor allem um eine Sache machen sie sich Sorgen.

Schwere Zeiten für die Karnevalisten: Wegen Corona fällt die Faschingssaison aus. Dabei hatte KKC-Außenminister Gerd "Spinne" Bräunig am 11.11. vorm Kamenzer Rathaus Oberbürgermeister Roland Dantz noch den Schlüssel abgerungen.
Schwere Zeiten für die Karnevalisten: Wegen Corona fällt die Faschingssaison aus. Dabei hatte KKC-Außenminister Gerd "Spinne" Bräunig am 11.11. vorm Kamenzer Rathaus Oberbürgermeister Roland Dantz noch den Schlüssel abgerungen. © Ina Förster

Kamenz. Eigentlich wäre jetzt närrische Hochzeit. Die Karnevalisten der Region hätten seit Wochen geprobt, dekoriert, Tänze eingeübt und Büttenreden geschrieben. Die ersten Kinderfaschingsveranstaltungen wären Geschichte, und auf den Sälen in der Stadt und auf den Dörfern würde die Stimmung brodeln. Doch die Corona-Krise hat immer noch die Oberhand. Viele Clubs hatten ihre Saison bereits im letzten Herbst abgesagt. Andere hofften bis zum Schluss, dass ein paar Veranstaltungen stattfinden können. Doch das ist derzeit aussichtslos.

Karneval geriet durch Heinsberg in Misskredit

Über allem Frohsinn hängt ein Damoklesschwert namens Heinsberg. Der Ort in Nordrhein-Westfalen geriet im vorigen Jahr in die Schlagzeilen, weil dort zu Beginn der Corona-Pandemie das Virus durch eine Prunksitzung massiv verbreitet wurde. Das hat der Szene eine negative Wahrnehmung beschert. "Schunkeln, miteinander dicht an dicht dem Programm folgen, tanzen und singen - das ist gerade total unvorstellbar", sagt Maik Förster vom Kamenzer Karnevals Club (KKC). "Und trotz allem tut es wahnsinnig weh, dass unsere Vereinsarbeit ruhen muss und wir uns nicht sehen", so der Vorsitzendes des Vereines.

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So ähnlich geht es allen Clubs der Region. Es sind kleine Vereinigungen, die schon in den letzten Jahren mit Problemen zu kämpfen hatten. Zum Beispiel mit den Forderungen der Gema und fehlendem Nachwuchs. Und Corona bringt neue Probleme.

Laußnitzer Narren verschieben 66. Jubiläum

Auch der Laußnitzer Karnevals Club leidet. Eigentlich wollte er sein 66. Jubiläum feiern. "Es wurden im letzten Jahr immer wieder Ansätze gesucht, gefunden und verworfen, um trotz der Hygienemaßnahmen eine Faschingsveranstaltung in den Saal zu zaubern. Aber dann kam der zweite Lockdown", sagt Luise Klingebiel vom Verein.

Auch die Funkengarden mussten ihre zweite Zwangspause einlegen. "Gerade für die Nachwuchsarbeit ist das tragisch, da ungewiss ist, ob nach der Pandemie noch alle Lust auf das Tanzen haben. Deshalb haben sich unsere Trainer Konzepte für zu Hause ausgedacht, damit die Kinder Abwechslung im Homeschooling haben und nicht alles Gelernte vergessen", so Klingebiel.

Das Jubiläum werde sicher im kommenden Jahr nachgeholt. Immerhin konnte am 11.11.2020 die Saison unter mit dem Prinzenpaar Jenny I. und Tobias I. eröffnet werden.

Das neue Prinzenpaar des Laußnitzer Karneval Clubs, Jenny I. und Tobias I., eröffnete am 11.11. wenigstens noch die Saison mit der Schlüsselübergabe am Gemeindeamt.
Das neue Prinzenpaar des Laußnitzer Karneval Clubs, Jenny I. und Tobias I., eröffnete am 11.11. wenigstens noch die Saison mit der Schlüsselübergabe am Gemeindeamt. © Verein

Die Oberlichtenauer Narren haben im vorigen Jahr ihre 66. Jubiläumssaison feiern können. Doch momentan ist Stille eingekehrt. Auch Olika macht sich um den Nachwuchs Sorgen: "Die Tanzmädels haben bis vor wenigen Wochen fast das ganze Jahr fleißig trainiert und nun keine Möglichkeit, ihre einstudierten Tänze vorzuführen", sagt Sascha Rohman von Olika . Das frustriere. "Und wir sind ein Karnevalsverein, der aus den Eintrittsgeldern Einnahmen bezieht. Kosten wie Raummieten, Versicherungen und Gema laufen weiter. Auf Dauer könnte das also schwierig werden."

Pulsnitzer vertreiben sich die Zeit mit kleinen Aktionen

Auch die Leute vom Pulsnitzer Karnevals Verein waren voller Elan für die Saison - in Großröhrsdorf wartet eine neue Location, vier Tanzgruppen stehen bereit für Auftritte. "Nun sind die Kinder die Leidtragenden. Wir hoffen, sie sehen nach der schwierigen Zeit noch Sinn im Tanzen und verlieren nicht den Bezug zum Verein", sagt Präsident Oliver Lüttke.

Viele kleine Aktionen helfen über die grauen Wochen. So wird jetzt schon für die nächste Saison ein neuer Anstecker - das sind unter Karnevalisten begehrte Tausch- und Sammelobjekte - gestaltet. Da können alle mitwirken aus dem Verein. "Und wir werden in der Hauptfaschingszeit auch mehr in den sozialen Medien posten. Und den einen oder anderen wird man auch einzeln im Kostüm am Faschingssamstag auf der Straße sehen", kündigt Oliver Lüttke an.

Königsbrücker Jubiläumszug muss ausfallen

Beim Königsbrücker Carnevals Club gibt es seit Herbst einen neuen Vorstand. Jung löste Alt ab, und die Spitze kommt weiblich daher. Präsidentin Josephine Gloger und Vizepräsidentin Elisa Frauenstein wollten mit ihren Mitstreitern und neuen Ideen loslegen. "Uns fehlt nun die Gemeinschaft im Verein. Absolut schade ist das auch für die Jugend, die durch Homeschooling benachteiligt ist und der die körperliche Auslastung fehlt - zum Beispiel in der Funkengarde", sagen die Beiden.

Die neue Gruppe "KCC-Sternchen" hat erst eine Saison hinter sich und war am meisten enttäuscht. Auch dass der 40. Faschingsumzug am 13. Februar nicht stattfinden kann, deprimiert alle. "Wir hatten tolle Dinge geplant. Auch unsere 50. Jubiläumssaison verschiebt sich. Wir sind aber optimistisch, im nächsten Jahr alles nachholen zu können", so die Präsidentin.

Sächsischer Verband gibt Tipps für Alternativen

Flagge zeigen in dieser Zeit ist erwünscht. Auch der "Verband Sächsischer Carneval" unterstützt seine Mitglieder mit Ideen: Von der 1. Sächsischen Meisterschaft im Konfetti-Stapeln über virtuelle Prunksitzungen bis zu Kettentänzen ist alles drin. "Das alles ersetzt aber den Karneval nicht, das ist auch klar", sagt Katrin Kummer vom Vorstand.

Das sieht auch "Außenminister" Gerd "Spinne" Bräunig aus Kamenz so: "Es ist traurig, durch diese Zeit zu gehen. Wo man weiß, man wäre jetzt am Bauen, Planen, Proben", sagt der 51-Jährige. "Die Szene leidet und keiner weiß, wann es wieder losgehen kann. Man kann nichts planen und organisieren. Diese Ungewissheit zieht einen runter." Am meisten fehle das Zusammensein, die Fröhlichkeit der Gäste, der Austausch mit anderen Karnevalisten. "Ich wünsche mir, dass wir zusammenhalten. Der Karneval wird nicht unter gehen", sagt Bräunig.

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