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Corona: Kretschmer für Strategie-Wechsel

Der Löbauer Zahnarzt Arndt Müller kritisiert in einem Brief an den Ministerpräsidenten die Corona-Politik. Michael Kretschmers Antwort lässt hoffen.

Der Löbauer Zahnarzt Dr. Arndt Müller kritisiert in einem Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer dessen Corona-Politik. Der MP hat nun geantwortet.
Der Löbauer Zahnarzt Dr. Arndt Müller kritisiert in einem Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer dessen Corona-Politik. Der MP hat nun geantwortet. © Markus van Appeldorn

Der Löbauer Zahnarzt Dr. Arndt Müller kritisiert die Corona-Politik und hält viele der gegen die Ausbreitung des Virus angeordneten Maßnahmen für falsch. Deshalb hat er jüngst einen Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) geschickt. Darin schreibt Müller, das Agieren des MP in der Krise sei "unkreativ, verantwortungslos, von Angst getrieben und fast schon hilflos". Außerdem wirft er Kretschmer vor, seine ursprüngliche Haltung gegen eine Corona-Impfpflicht geändert zu haben. Demnach habe er Gerede zur Impfpflicht im Mai 2020 als "absurde und bösartige Behauptung" bezeichnet, in diesem Jahr aber erklärt, die Frage nach einer Impfpflicht neu überdenken zu wollen. Nun hat der Ministerpräsident auf das Schreiben und die Vorwürfe geantwortet.

Einer der Vorwürfe von Dr. Müller lautet auch, dass man es im vergangenen Sommer versäumt habe, die Bewohner von Altenheimen mit wirksamen Hygienemaßnahmen zu schützen. "Bei gezielten Maßnahmen wäre es nie zu solchen Massenausbrüchen in Altenheimen gekommen", schreibt Müller. Statt sich bei der Bekämpfung des Virus auf solche Hotspots zu konzentrieren, habe die Politik aus "Solidarität" zu den Alten "alle weggesperrt".

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Argumente greifen oft zu kurz

Der Ministerpräsident widerspricht dieser Einschätzung des Zahnarztes. "lmmer wieder höre ich, man hätte ja ,,nur" die ,,vulnerablen Gruppen" besser schützen müssen, dann wären allgemeine Einschränkungen unnötig gewesen", schreibt Kretschmer. Doch so einfach könne man es nicht betrachten. Oft werde bei diesem Argument der Blick auf die Pflegeheime gelegt, wie auch Müller das tue. Doch die ,,vulnerablen Gruppen" fänden sich nicht allein dort. Bekanntermaßen nehme das Risiko eines schweren bis tödlichen Verlaufs einer Covid-Erkrankung mit steigendem Alter deutlich zu. lnsgesamt leben in Deutschland mehr als 18 Millionen Menschen, die älter sind als 65 Jahre - über ein Fünftel der Bevölkerung. Von den mehr als vier Millionen Pflegebedürftigen im Land würden nur eine Million in einer vollstationären Pflegeeinrichtung leben. "Sie sehen also, dass der so häufig geforderte bessere Schutz der ,,vulnerablen Gruppe" sich nicht in einer Sicherung der Heime erschöpft", schreibt der Ministerpräsident - und dabei seien andere Ursachsen als das Alter wie Vorerkrankungen als Grund der Zugehörigkeit zu einer ,,vulnerablen Gruppe" noch gar nicht mit benannt.

Zweifelsohne seien die Pflegeheime in der zweiten Corona-Welle besondere Hotspots gewesen, in denen ein großer Teil der Corona-Opfer zu verzeichnen war. Und selbstverständlich seien die Angestellten in den Heimen in der Einhaltung von Hygienestandards ausgebildet, so Kretschmer. Das Problem dabei: "Mit dem Coronavirus infizierte Menschen sind bereits einige Zeit ansteckend, bevor sie Symptome entwickeln", schreibt Kretschmer. Ein Teil der lnfizierten bleibe sogar dauerhaft asymptomatisch, sei aber trotzdem ansteckend. "Dies macht es so tückisch, die Verbreitung des Virus einzudämmen, gerade mit Blick auf Einrichtungen mit vielen wechselnden Kontakten wie Pflegeheimen", so der Ministerpräsident.

Ministerpräsident Michael Kretschmer beschreibt auch, dass heute eine andere Situation vorliege, als im Sommer 2020. Das wichtigste Sicherungsinstrument für die Pflegeheime sei das Vorliegen eines negativen Corona-Tests als Zutrittsvoraussetzung, aber: "Flächendeckend standen uns die Schnelltests in der dafür notwendigen Anzahl aber erst im Laufe des Dezembers zur Verfügung", so Kretschmer.

Die Frage nach der Impfpflicht

Mit der im Herbst anschwellenden zweiten Corona-Welle gab es dann ein anderes Infektionsgeschehen, bei dem die zunächst getroffenen "maßvollen Maßnahmen" nutzlos geblieben seien. "Wir haben schnell feststellen müssen, dass im Falle einer zu großen Dynamik des lnfektionsgeschehens, das sich eben nicht auf wenige Hotspots beschränkte, wie Sie behaupten, die Einhaltung von Hygienekonzepten nicht mehr ausreicht, um eine Ausbreitung des Virus in alle Bereiche der Gesellschaft zu verhindern", schreibt Kretschmer an Müller. Erst durch die drastische Reduktion der Anreize für Mobilität und damit der Kontakte im Zuge des Lockdowns ab Mitte Dezember habe man die lnfektionszahlen reduzieren und damit eine Überlastung des Gesundheitssystems vermeiden können. "Die Ärztinnen und Ärzte, die Pflegerinnen und Pfleger hatten zu diesem Zeitpunkt bereits seit Wochen an der Belastungsgrenze gearbeitet, vielfach auch darüber hinaus", so Kretschmer.

Große Hoffnung setzt Michael Kretschmer nun in Impfstoffe. "lmpfen, das kann man nicht anders sagen, ist der Ausweg aus dieser Pandemie", schreibt Kretschmer. An seiner Haltung zu einer Impfpflicht habe sich nichts geändert, versichert der Ministerpräsident. Das Problem sei indes ein völlig anderes. "Das Problem, vor dem wir aktuell stehen, ist nicht die Frage nach einer lmpfpflicht, sondern dass es deutlich mehr lmpfwillige gibt, als lmpfstoff zur Verfügung steht", schreibt Kretschmer.

Die Frage einer Impfpflicht aber werde die Gesellschaft von ganz alleine neu aufrufen - nämlich genau dann, wenn in einigen Monaten genug lmpfstoff zur Verfügung steht, dass sich alle impfen lassen können. Da ist sich Kretschmer sicher: "Geimpfte werden fragen: ,Kann es wirklich sein, dass ich noch weiterhin Einschränkungen in Kauf nehmen muss, weil sich ein (zu großer) Teil der Bevölkerung nicht impfen lassen möchte?'", so Kretschmer. ln einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft müsse man sich den Fragen stellen, wie eine künftige Pandemie verhindert werden könnte. Bei der Masernimpfung etwa habe man sich für eine Impfpflicht für bestimmte Personen entschieden.

Ministerpräsident Michael Kretschmer glaubt, dass Schnelltests in der Corona-Pandemie einen raschen Strategiewechsel bringen können.
Ministerpräsident Michael Kretschmer glaubt, dass Schnelltests in der Corona-Pandemie einen raschen Strategiewechsel bringen können. © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild (Symbolbild)

Neue Freiheit mit Schnelltests

Ministerpräsident Kretschmer schreibt in dem Schreiben an Müller überzeugt, dass aber schon kurzfristig für viele wieder ein teilweise normales Leben möglich wird. "Die nun in immer größerer Menge zur Verfügung stehenden Schnell- und Selbsttests eröffnen bereits kurz- und mittelfristig eine neue Perspektive im Umgang mit dieser Pandemie", schreibt Kretschmer. Mit ihnen sei es möglich, von einer Strategie der pauschalen Kontaktvermeidung hin zu einem System der sicheren Kontakte überzugehen. "Wenn es einfach, günstig und praktikabel ist, vor dem Einkauf, dem Besuch im Restaurant oder dem Gang ins Theater einen Schnell- bzw. Selbsttest zu absolvieren, dann ergeben sich ganz neue Perspektiven, um viele Dinge wieder möglich zu machen, indem sie an das Vorliegen eines negativen Testergebnisses der betreffenden Person gekoppelt werden", so Kretschmer.

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